Lisa ist mit 11 Jahren zu Michaela Moser nach Gols ins Burgenland gekommen. Vor mittlerweile 15 Jahren. Heute würden es beide nicht mehr ändern wollen.
Der Grund warum Lisa von ihrem Heimatort nach Gols wechselte: Ihre leibliche Mutter musste in Therapie. Das Ereignis hat sowohl Lisa als auch Michi überrumpelt. Denn die beiden kannten sich davor nicht und die Golserin hatte nicht mit einem Pflegekind gerechnet. Auch wenn es nur vorübergehend sein sollte, war es ein großer Schritt. Für die Elfjährige war damals eine Frage ausschlaggebend: Nämlich, ob sie ihre Wüstenrennmaus Olli mitnehmen dürfe.
„Als Michi ja gesagt hat, hab ich gewusst, da bleibe ich“, lacht Lisa heute. Der erste Eindruck des Mädchens von ihrem Gegenüber? „Ich habe mir gedacht sie ist eine Diva, weil sie eine lila Sonnenbrille und eine lila Lederjacke getragen hat“, amüsiert sich die heute knapp 26-Jährige. „Aber mein Herz hat einen richtigen Hüpfer gemacht, irgendwie habe ich gewusst, dass das passen wird.“
Ich hab mir gedacht, sie ist eine Diva, weil sie lila Sonnenbrillen und eine lila Lederjacke getragen hat.
Lisa
Beide schildern, dass es war, als ob zwei Welten aufeinander geprallt wären. Lisa war am Anfang davon überzeugt, dass ihre Pflegemutter schwer reich sein müsse. Warum? „Weil sie immer einen vollen Kühlschrank hatte. Das war ich so nicht gewohnt.“
Schock nach einem Jahr
Ein Jahr nach ihrem Umzug nach Gols verstarb Lisas Mutter. Ein Schock für beide. Als Michaela Moser die Nachricht telefonisch bekam, waren Lisa und sie gerade einkaufen. Im ersten Moment kam Panik auf - vor allem, weil sie nicht wusste, wie sie es Lisa sagen sollte. Also verschwieg sie die schlimme Mitteilung bis zum nächsten Tag. Um sieben Uhr morgens kamen zwei Leute vom Kriseninterventionsteam ins Haus. Als das Mädchen die Tür öffnete wusste sie, dass ihre Mutter nicht mehr lebte, eigentlich hatte sie es bereits am Vortag gespürt.
„Das war eine schlimme Zeit. Lisa hat Albträume gehabt, immer wieder dieselben Fragen gestellt. Aber damals wurde auch fixiert, dass sie bei uns bleiben würde“, erzählt Michi Moser. Denn das Jugendamt wollte nach dem Tod der Mutter von der Zwölfjährigen wissen, ob sie zu ihrem Vater nach Niederösterreich ziehen oder in Gols bleiben möchte. Für das Mädchen war klar: Sie bleibt in Gols. „Ich habe bis heute ein gutes Verhältnis zu meinem Papa, aber ich wollte bei Michi bleiben. Hier war mein Zuhause“, schildert sie.
Verbundenheit und Liebe
Das ist jetzt 14 Jahre her. In der Zeit hat Lisa eine Ausbildung zur Zahnarztassistentin gemacht, einen Freund gefunden und mittlerweile sogar Haus gebaut. Ganz nah bei ihrer Pflegemama. Die beiden verbinden zwar nicht dieselben Gene, aber dafür Liebe und Vertrauen. Auf die Frage, ob sie es sich noch anders vorstellen könnten, verneinen beide. Sie sind wie Mutter und Tochter - mit allen Höhen und Tiefen, die es gibt. Denn auch bei den beiden war die Pubertät nicht einfach. „Wir haben uns genauso angezickt wie andere Mütter und Töchter auch“, lachen sie.
Wir haben uns genauso angezickt wie andere Mütter und Töchter auch.
Lisa und Michi
Aber sie sind sich auch beide bewusst, wie besonders ihr Verhältnis ist. Lisa drückt es so aus: „Ich habe eine Bauch-Mama und eine Mama, die ich mir ausgesucht habe.“ Ihre „ausgesuchte Mama“ wiederum sagt: „Es ist, als ob ich sie selbst geboren hätte. Lisa ist ein zusätzliches Geschenk zu meinem Sohn, einfach ein zweites Wunder, für das ich sehr dankbar bin.“
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