Gewerkschaft empört:

„Kocher versteht nicht die Kollektivverträge“

Politik
20.04.2023 15:39
Porträt von krone.at
Von krone.at

Für riesengroße Aufregung hat der jüngste Vorstoß von Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gesorgt. Bei einer Veranstaltung an der Wirtschaftsuniversität Wien meinte er, angesprochen auf die Berufschancen für ältere Menschen mit Beeinträchtigung, dass diese es „schwerer haben“, was auch an den Kollektivverträgen liege, die Ältere teurer machten. „Das ist aus meiner Sicht der größte Hemmschuh.“ Diese Aussagen trieben nicht nur die Gewerkschaft, sondern auch die Oppositionsparteien auf die Barrikaden.

„Von einem Arbeitsminister könnte man erwarten, dass er die Anwendung von Kollektivverträgen versteht. Bei Neueinstellungen wird nur eine bestimmte Anzahl von Vordienstzeiten angerechnet, unabhängig davon, ob ein Arbeitnehmer 35 oder 55 ist. Der Minister soll lieber seine Hausaufgaben im eigenen Haus machen, anstatt uns Gewerkschaften auszurichten, wie Lohnpolitik zu machen ist“, erklärte Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, am Donnerstag.

Weiters meinte die Arbeitnehmervertreterin in einer Aussendung: „Arbeitsminister Kocher soll sich nicht billig an Kollektivverträgen abputzen, die er anscheinend nicht versteht. Einen zu hohen Verdienst für die Arbeitslosigkeit älterer Behinderter verantwortlich zu machen, ist zynisch. Er soll endlich in die Gänge kommen und für Menschen mit Behinderung und ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Arbeitsmarktchancen erhöhen.“

Kritik von Opposition: „Völlig jenseitig“
Unterstützung bekam Teiber von Kollegin Ingrid Reischl, leitende Sekretärin des ÖGB. „Wer Kollektivverträge als ‘Hemmschuh‘ im Kampf gegen Arbeitslosigkeit bezeichnet, der hat die Anwendung und Wichtigkeit von Kollektivverträgen nicht verstanden“, hielt sie fest.

Als „völlig jenseitig“ befand SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner die Wünsche des ÖVP-Ministers. Dies zeige, „was passieren könnte, wenn Lohnpolitik nicht von den Gewerkschaften gemacht wird“. FPÖ-Behindertensprecher Christian Ragger übte ebenfalls Kritik an Kocher: „Zu behaupten, dass ein Kollektivvertrag, der eigentlich für die Arbeitnehmer im Land eine große Errungenschaft ist, ,ein Hemmnis für die Arbeitsplatzfindung für ältere Menschen mit Behinderung sei‘, ist ein absolutes Unding und zeigt, welch Geistes Kinder die ÖVP-Politiker eigentlich sind.“

Rückendeckung durch Jugendstaatssekretärin
Unterstützung für Kocher kam dafür von Parteikollegin und Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm. „Es braucht höhere Gehälter zu Beginn des Erwerbslebens, die dafür weniger steil ansteigen. Das ist ein wichtiger Leistungsanreiz für junge Menschen, wenn sie mit dem ersten Eigenheim und der Familiengründung vor den großen Investitionen ihres Lebens stehen“, meinte sie.

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