Starke Regenfälle wie in den vergangenen Tagen in ganz Oberösterreich hielten zuletzt die Einsatzkräfte auf Trab und erhöhen das Risiko für Bewegungen im Boden. Die Folge: Mögliche Hangrutsche und Felsstürze. Ein Experte erklärt, welche Alarmsignale es zu beobachten gibt.
Eine Million Kubikmeter Schotter sind nahe der oberösterreichischen Landesgrenze in Bewegung: Seit 6. April rutscht ein Hang in St. Gilgen am Wolfgangsee. Das Gebiet wurde abgesperrt – Lebensgefahr! Im Februar endete ein Felssturz in Steyr wie berichtet für zwei Baggerfahrer tödlich. Und jetzt sorgen auch noch die starken Niederschläge der vergangenen Tage für Überflutungen. Die „Krone“ hat beim Experten nachgefragt: Wie groß ist die Gefahr für Erdbewegungen nach dem Regen?
Wasser als Schmiermittel
„Hangrutsche haben zwei Ursachen“, erklärt Wolfgang Gasperl, OÖ-Leiter der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung. Entscheidend sei zum einen das vorhandene Gestein und sein Verwitterungszustand. „Der zweite Faktor ist Wasser, das immer das Schmiermittel für Rutschbewegungen ist.“ Hohe Niederschlagsmengen erhöhen laut Gasperl das Risiko für leichte Hangrutsche, tiefgehende und gefährliche Rutschungen werden allein durch Regen aber nicht ausgelöst.
Sie können entstehen, wenn der Winter schneereich war und sich im Boden viel Schmelzwasser sammelt. Das sei heuer nicht der Fall: „Wir erwarten in Oberösterreich keine großen Rutschungen.“
Im Süden ist es am gefährlichsten
Überhaupt sei die Gefahr für rutschende Hänge nicht überall gegeben. Nördlich der Donau sorge das stabile Granit-Gestein für Sicherheit, dort gebe es nur einzelne Gefährdungszonen. Anders sehe es in der sogenannten Flyschzone, grob gesagt zwischen Mondsee und Grünau, aus. Dort ist der Boden am mobilsten, so der Experte. In diesem Gebiet kam es 2007 etwa zum folgenschweren Hangrutsch im Gschliefgraben bei Gmunden, als über 50 Gebäude evakuiert werden mussten.
Wirklich gefährliche Hangrutsche sind selten. In weniger als zehn Fällen pro Jahr entsteht ein Schaden. Todesopfer sind mir nicht bekannt.
Wolfgang Gasperl, Leiter Wildbach- und Lawinenverbauung
Karte mit Risikostellen
„Felsstürze hingegen sind etwas völlig anderes“, sagt Gasperl. Hier rutscht nichts im Boden, sondern Gestein fliegt durch Schwerkraft hinunter. Experten können drohende Stürze im besten Fall schon vorab erkennen und das Gelände sichern. Und was können Bewohner von gefährdeten Gebieten tun? Das Land betreibt online eine Karte (www.doris.at), auf der Risikostellen eingezeichnet sind.
„Dort sollte man nicht bauen. Wenn man schon dort wohnt, kann man regelmäßig schauen, ob das Haus Risse bekommt oder sich eine Zufahrt einseitig absenkt“, rät Gasperl.
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