Traditionen in Tirol

Das Wunder von Ostern in Wort, Bild und Bräuchen

Tirol
08.04.2023 15:50

Tirol ist reich an Traditionen fürs wichtigste Fest im Christentum. Hier ein Blick auf seltene Rituale und einzigartige Kunstwerke.

Die Menschen waren immer schon kreativ, wenn es um die Darstellung der Passion Christi geht. Ein Beispiel dafür ist das Fastentuch von Trins. Von Aschermittwoch bis Karsamstag hängt es in der Pfarrkirche und verhüllt den Altar. Als eine Art „biblia pauperum“ (Armenbibel) erzählt das frisch restaurierte Kunstwerk vom Leben und Sterben Christi. Das in sechs Felder gegliederte Tuch aus dem frühen 17. Jahrhundert ist ebenso eindrucksvoll wie einzigartig. Neun Fastentücher dieses Typus gibt es in Tirol noch, acht sind in Museen verwahrt. Nur in Trins ist es heute noch in liturgischer Verwendung.

Fastenkrippen und ein seltenes Ostergrab
Auch Fastenkrippen erzählen biblische Geschichten. Seit einigen Jahren erleben sie eine zarte Renaissance. Bekannt sind jene in den Pfarrkirchen von Götzens, Zirl oder Imst.

Deutlich weiter verbreitet sind in Tirol Heilige Gräber. Auch sie entstanden aus dem Bedürfnis, der einfachen Bevölkerung anschaulich die Passion und die Auferstehung Jesu zu vermitteln. Einen Besuch wert ist heuer das Ostergrab von Schönberg. Dieses wird aufgrund seiner imposanten Größe nur alle paar Jahre aufgestellt und kann von Gründonnerstag bis zum Weißen Sonntag besichtigt werden.

Lebendige Traditionen und vergessene Bräuche
Die Karwoche ist reich an Traditionen. In Thaur und Hall beginnt sie mit einer Palmprozession, bei der ein Holzesel mitgeführt wird. Einst ein übliches Ritual. „Unter Kaiser Josef II war dieser Brauch jedoch zeitweise verboten und geriet vielerorts in Vergessenheit“, erzählt Jutta Profanter vom Volkskunstmuseum in Innsbruck. Dort sind zwei Palmesel aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt.

Anbetung in der Karwoche durch die Grabbrüder
Rar geworden sind auch große Karfreitagsprozessionen. Einige Pfarren halten aber daran fest, etwa Arzl im Pitztal. Ebenfalls im Oberland – genauer gesagt in Pfunds und Nauders – hat ein weiterer Brauch die Zeit überdauert. In beiden Orten gibt es Grabbruderschaften, die die Anbetung vor dem Heiligen Grab übernehmen. Die Grabbruderschaft in Pfunds ist die älteste noch aktive Anbetungsbruderschaft Tirols.

Imposant! Kalvarienberge und eine „heilige Stiege“ 
Weithin sichtbare „Gedenkstätten“ der Passion Christi sind Kalvarienberge. Tirol ist reich an solchen Andachtswegen. Innsbrucks Diözesanarchivar Martin Kapferer kennt ihre Besonderheiten. Als Beispiel nennt er den Kalvarienberg in Achenkirch, der mit einer „Scala Santa“ versehen ist: „Es handelt sich um den Nachbau der ,heiligen Stiege’, über die Jesus gegangen sein soll und die heute im Lateran in Rom verbaut ist. Über diese darf man aus Ehrfurcht nur auf Knien gehen.“ Auch eine Möglichkeit, um das Wunder von Ostern besser zu verstehen.

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