Jeder Meter analysiert

Neue Karte: So schlimm wäre hier ein Fehltritt

Tirol
25.06.2026 20:00

Wo ist es schwindelerregend? Wo wäre ein Absturz fatal? Das Euregio-Projekt „Digiway“ unterteilt Bergwege alle 15 Meter in vier Risikoklassen und ist nun digital verfügbar. Das Land sieht einen „Meilenstein für die Tourenplanung“. 

Die seit Jahrzehnten übliche grobe Unterteilung von Bergwegen in Rot oder Schwarz kennt fast jeder. Doch deren Aussagekraft ist beschränkt. Und was tun, wenn man plötzlich von Schwindel erfasst wird?

Auf der Innsbrucker Seegrube, Ausgangspunkt einiger anspruchsvoller Routen, wurde am Donnerstag das Euregio-Projekt „Digiway“ vorgestellt. Ein gratis Hilfsmittel auf Basis von GIS-Daten, das die Berg- und Wanderrouten in Tirol, Südtirol und dem Trentino in vier Kategorien der Ausgesetztheit und den Folgen eines Absturzes an dieser Stelle unterteilt – von grün und gelb bis zu orange und rot. In letzterer Kategorie führt ein Sturz meist zu einem tiefen Fall, der mit schwersten Verletzungen oder tödlich endet. Auch die psychologische Wirkung (z. B.: „Abhänge, wirken aber kaum bedrohlich“) wird angeführt.

Die Verantwortlichen auf der Seegrube mit LHStv. Geisler (li.) und LHStv. Wohlgemuth (re.).
Die Verantwortlichen auf der Seegrube mit LHStv. Geisler (li.) und LHStv. Wohlgemuth (re.).(Bild: Johanna Birbaumer)

Farbe kann theoretisch alle 15 Meter wechseln
Das Besondere: Die Bewertungen erfolgen nicht generell für einen ganzen Weg, er kann durch penible Erfassung von Geodaten in sehr kurze Zonen (15 Meter!) unterteilt werden.

„Wir wollen die Sicherheit am Berg erhöhen, indem wir die Informationen liefern, um Touren realistisch einschätzen zu können. Denn gleichzeitig verlassen sich immer mehr Menschen bei der Tourenplanung auf digitale Apps – oft ohne zu wissen, wie verlässlich die Daten dahinter sind“, sagte LHStv. und Sportreferent Philip Wohlgemuth (SPÖ).

Papa Thomas und Tochter Salomé wollen auf der Seegrube natürlich einen eher leichten Weg wählen ...
Papa Thomas und Tochter Salomé wollen auf der Seegrube natürlich einen eher leichten Weg wählen – ein Blick auf die neue Karte gibt exakte Antworten dazu.(Bild: Johanna Birbaumer)

Mittel, um Menschen am Berg richtig zu „lenken“
LHStv. Josef Geisler (ÖVP) betonte, dass Eigenverantwortung nie ersetzt werden könne, „Digiway“ sei nun aber ein wichtiges Hilfsmittel dazu – auch für die Besucherlenkung und weniger Risiko im Tourismus.

Die Projektkoordination übernahm Landesmitarbeiterin Lucia Felbauer, sie sieht einen großen Vorteil im länderübergreifenden Vergleich. Denn für Touren in den Südtiroler Dolomiten gelten dieselben Kategorien wie für jene im Wilden Kaiser in Nordtirol.

So wichtig die Schilder der vielen Bergwege derzeit auch sind – der rote Punkt sagt nicht alles ...
So wichtig die Schilder der vielen Bergwege derzeit auch sind – der rote Punkt sagt nicht alles aus.(Bild: Johanna Birbaumer)

Schwindelerregend? Dies kam bisher zu kurz
Christoph Höbenreich (Abteilung Sport des Landes) sieht einen „Meilenstein für die Tourenplanung“ erreicht. Es sei gerade die Frage der Ausgesetztheit einer Tour gewesen, die bei bisherigen Informationen oftmals zu wenig genau beantwortet werden konnte.

Zitat Icon

Die wichtige Frage der Ausgesetztheit einer Berg- oder Wandertour wurde bisher zu wenig beantwortet. Das Projekt ist ein Meilenstein für die Tourenplanung

Christoph Höbenreich, Abt. Sport Land Tirol

Was „Digiway“ nicht kann
Bei allen Vorteilen darf nicht vergessen werden, was „Digiway“ nicht kann und wo zusätzliche Recherchen nötig sind. Denn die neue Karte zeigt nicht, wie schwierig ein Weg aus technischer Sicht ist und aus welcher Oberfläche er besteht. Auch Wegbreite, Sicherungen (Geländer, Griff- und Tritthilfen, Vegetation, Nässe oder Schneereste) können die GIS-Daten nicht liefern. Die zentrale Information bleibt das „Schadensausmaß“ bei einem Absturz – genau dies kann bei einer Bergtour lebensrettend sein.

Allgemeine Informationen zu „Digiway“ mit weiteren Links zur Anwendung findet man im Internet unter www.euregio.info/digiway

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