Trotz Co2-Kaiser China
Wieso kleine Länder beim Klima viel bewirken
Wieso sollte das kleine Österreich Klimaschutz betreiben, wenn China und die USA derart viel CO2 produzieren? Ganz einfach: Weil das CO2-Molekül aus Peking genau gleich schädlich ist wie das aus Krakauhintermühlen.
Wer sind die größten Klimasünder der Welt? Die Frage scheint leicht, doch die Antwort ist kompliziert. Wie so oft lautet sie: Es kommt darauf an!
Etwa zur Jahrtausendwende hat China die EU-Staaten überholt, was den jährlichen Ausstoß an CO2 betrifft. Heute ist das Land für rund 30 Prozent der Emissionen verantwortlich. Vergleicht man aber den durchschnittlichen Ausstoß von einem Chinesen mit dem eines Österreichers, kommt „nur“ knapp eine Tonne pro Jahr mehr aus China.
Und rechnet man die gesamte Menge an CO2 in der Atmosphäre zusammen, liegen die USA vor der EU und China auf dem ersten Platz.
Kohle und grüne Energie im Wettlauf
China ist sicher kein Musterschüler in Sachen Klima - dennoch tut sich was, erklärt Klimaforscher Marc Olefs von der GeoSphere (ehemals ZAMG). „Derzeit steigt die Anzahl der Kohlekraftwerke zwar noch, aber insgesamt ist das Land voll in der Transformation.“ Erneuerbare Energien boomen.
„China ist nicht das Sorgenkind der Zukunft“, meint Olefs. Das seien eher Russland und die USA. Das größte Land der Welt habe sich „strikte Ziele“ gesetzt, die wahrscheinlich auch ernst genommen werden: Bis 2060 will man laut Plänen der Regierung klimaneutral sein.
Die Physik kennt keine politischen Grenzen. Diese Vergleiche sind zwar interessant, zum Schutz der weiteren Generationen aber irrelevant. Es ist egal, wann und wo das CO2 ausgestoßen wurde. Was zählt, ist die Menge.
Marc Olefs
Folgen direkt vor der eigenen Haustür
Hoffnung, dass das ernst genommen wird, hat auch Karl Steininger vom Grazer Wegener Center für Klima und globalen Wandel: „Niemand kann die Folgen des Klimawandels in seinem eigenen Land so sehr beeinflussen wie China.“
40 Prozent...
...des weltweiten Treibhausgas- Ausstoßes kommt von Ländern, die alleine weniger als zwei Prozent beitragen.
Was das alles nun mit Österreich zu tun hat, das mit 80 Millionen Tonnen pro Jahr nur 0,2 Prozent der Emissionen ausstößt? Marc Olefs erklärt: „Wenn man alle Länder der Welt zusammenrechnet, die für weniger als zwei Prozent der Treibhausgase verantwortlich sind, kommt man auf 40 Prozent des globalen Ausstoßes.“ Das sprichwörtliche Kleinvieh mit seinem vielen Mist.
Schuldzuschreibungen bringen nichts
Olefs sieht für Länder wie Österreich auch eine Chance: „Als technologisiertes Land können wir Vorreiter sein.“ Und auch Klimaforscher Steininger weiß: „Im Kampf gegen die Klimakrise bringt es nichts, den anderen alles in die Schuhe zu schieben.“ Stattdessen kann jeder Einzelne aufzeigen, was falsch läuft - und wenn es nur der fehlende Radweg in der Heimatgemeinde ist.
Kommentar: Schluss mit der Schockstarre!
80 Jahre, im Jahr 2100 - Zahlen, die so weit entfernt klingen, als würde es uns in keiner Weise mehr betreffen. Aber es sind die Kinder, die jetzt im Kindergarten sind, die die Folgen des Klimawandels auf jeden Fall erleben werden - wie stark es sie trifft, liegt in unserer Hand.
Was also tun gegen dieses Gespenst eines zerstörten Planeten? Erst kürzlich ist es wieder im Facebook-Feed aufgetaucht: China stößt fast 30 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus, bläst also jene Stoffe in die Erdatmosphäre, die das Klima aufheizen. Und sofort denkt man: Wir sind verloren! Da können wir ja sowieso nichts mehr machen! Sollen sich die Klima-Aktivisten doch in Peking festkleben!
Aber so einfach ist die Rechnung nicht, sie lässt sich drehen und wenden und biegen, wie Statistiken das generell so an sich haben. Historisch sind die EU und die USA vorne, was den CO2-Ausstoß betrifft, rechnet man pro Kopf, belegen die reichen Golfstaaten die ersten Plätze. Forscher Marc Olefs bringt es auf den Punkt: „Für die Physik zählt nur die Menge insgesamt.“ Dem Klima ist es egal, ob ein CO2-Molekül aus Chicago oder aus Krakauhintermühlen kommt.
Das ist auch der Grund, wieso Sie nun jede Woche lesen werden, wie Planetenrettung für Anfänger funktioniert. Wir zeigen, was hinter den Schlagzeilen steckt: Was ist das 1,5-Grad-Ziel? Wie schlimm ist es wirklich, in den Urlaub zu fliegen, und wie erkenne ich, wenn ein Produkt nur vorgibt, „grün“ zu sein? Wer versteht, kann handeln - und einen Ausweg finden.







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