Der deutsche Rapper Siga hat sich mit einer Gebärdendolmetscherin zusammengetan, um gehörlosen Menschen Hip-Hop und Musik im Allgemeinen näherzubringen. Mittlerweile ist das Duo häufig im deutschsprachigen Raum unterwegs.
In Österreich sind rund 450.000 Menschen aufgrund einer Hörbehinderung in der Kommunikation mit anderen eingeschränkt, etwa 10.000 Menschen sollen komplett gehörlos sein. Für diese Menschen ist es so gut wie unmöglich Musik zu hören oder zu fühlen. Dagegen tritt seit einigen Jahren der deutsche Rapper Siva Ganesu alias Siga ein. Vor rund acht Jahren kam das ambitionierte Projekt „Du“ ins Rollen: „Mich schrieb damals ein Fan an, ob ich ihr für eine gehörlose Bekannte mein Musikvideo mit Untertitel zuschicken könnte. Da begann ich mich erstmals mit dem Thema auseinanderzusetzen.“
Es hat schnell gefunkt
Siga stellt sich die Frage, ob der Klang und die Emotionen durch die Untertitel zu transportieren seien und kommt zu dem Schluss, dass das alleine nicht ausreichen würde. „Also begab ich mich auf die Suche nach einer Person, die die Möglichkeit hat, meine Songs in Gebärdensprache eins zu eins in Musikvideos zu übersetzen.“ Auf Facebook findet er die damals erst 13-jährige Vanessa Feller-Jung, die ihn begeistert. Sie nahm Videos von Songs anderer Interpreten mit dem Handy auf und übersetzte in Gebärdensprache. Siga schickt ihr eine Nachricht, erklärt sein Vorhaben und stößt bei der jungen Dame auf Begeisterung. „Endlich einmal ein Rapper, der auch an die Gehörlosen denkt.“
Die Eltern der Gebärdendolmetscherin aus der Pfalz sind gehörlos und sie selbst steht auf ähnliche Musik wie Siga - so hat die Chemie zwischen den beiden so unterschiedlichen Personen für das Projekt „Du“ sofort gewirkt. Seit mittlerweile acht Jahren sind sie unzertrennlich und sehr erfolgreich unterwegs. „Du“ war in zahlreichen Fernsehshows, Radiostationen und bei großen Open-Air-Festivals zu Gast. Die Botschaft von Gemeinschaft, Akzeptanz und Barrierefreiheit erreicht ein immer größeres Publikum und vor der Bühne gibt es keinen Unterschied zwischen hörenden und nicht hörenden Menschen, die ihre Konzerte frequentieren.
Entscheidender Schritt
„Das, was wir auf unseren Konzerten und in den Videos erreichen, wollen wir auf die Gesellschaft übertragen. Wir wollen die Menschen aufwecken, ihnen die Angst vor dem Unbekannten nehmen“, erklärt Siga das Vorhaben. Die beiden wohnen zwar weit voneinander entfernt, halten aber stets telefonisch Kontakt und proben meist einen Tag vor einem Auftritt gemeinsam. Siga selbst kam übrigens sehr speziell ins Musikbusiness. Er arbeitete jahrelang als Bodyguard für Stars wie Paris Hilton, Jay-Z oder Jessica Alba. Aufgrund seiner Profession war es ihm untersagt, Musik zu machen. Als er eines Tages eine Autofahrt mit Schauspieler Denzel Washington hatte, veränderte sich sein Leben. „Er war gut drauf, forderte mich zum Rappen auf. Er meinte, ich hätte Talent, sollte es nutzen und an mich glauben.“ Für Siga war es der entscheidende Punkt, in die Musik zu gehen. Der Rest ist Geschichte.
Unter www.sigamusic.com erfährt man mehr über den Rapper aus Bielefeld und sein Gehörlosen-Projekt „Du“. Dort finden sich auch Auftritte und alle Neuigkeiten zu dem interessanten Thema.
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