Einen großartigen Erfolg am Opernhaus Zürich feierte der künftige „La Traviata“-Regisseur mit Mozarts „Titus“. Im Sommer wird der Italiener bekanntermaßen bei den Bregenzer Festspielen inszenieren.
Opernproduktionen haben lange Planungsphasen, oft über mehrere Jahre. Dass sich ein Werk als derart aktuell in seiner Aussage erweist wie Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ hat man am Opernhaus Zürich nicht geplant und noch weniger gehofft. Denn so wie derzeit ein amerikanischer Präsident mit seiner Widersprüchlichkeit die Welt in Atem hält, so tat es im alten Rom Kaiser Titus.
Aus der Geschichte wissen wir, dass er sich durch die Eroberung Jerusalems und weitere Gräueltaten auszeichnete, bevor er, nun als Kaiser, von beispielhafter Mildtätigkeit, also „clemenza“ war. Mozarts Oper nun, als Huldigung zur Krönung Kaiser Leopolds II in Prag uraufgeführt, zeichnet diese Milde zwiespältig, denn sie kann auch Schwäche sein und in der nächsten Umgebung des Herrschers Chaos stiften. Das an gewissen Stellen etwas schwierig zu verstehende Libretto hat Regisseur Damiano Michieletto behutsam nachgeschärft, indem er Publio (Andrew Moore) als den eigentlichen Drahtzieher eines Aufruhrs gegen den Kaiser darstellt.
Publio verteilt während der Ouvertüre Sprengsätze im palisandergetäfelten Amtssitz des Kaisers und offeriert ihm am Ende einen Drink mit dem Gift, das für Sesto bestimmt war. Doch wie es in der Oper so ist, die Geschichte dreht sich vor allem um Liebe. Und hier folgt Michieletto der Intention Mozarts, eine sensible Zeichnung der Charaktere in den Fokus zu nehmen. Da ist das Paar Vitellia (Margaux Poguet) und Sesto (Lea Desandre). Sie skrupellos machtgierig, der junge Mann ihr hörig und sogar für sie zum Mord an seinem Freund Titus (Pene Pati) entschlossen. Oder der ebenfalls junge Annio (Siena Licht Miller) und Servilia (Yewon Han), beides Lichtgestalten, die in diesem Intrigenkabinett ihre Aufrichtigkeit bewahren.
Mozarts Musik ist wie kaum eine dazu geeignet, die inneren Konflikte all dieser Personen zu zeichnen. Im Mittelpunkt steht Lea Desandre als Sesto, überwältigend intensiv in Stimme und Darstellung, doch auch alle anderen Sängerinnen und Sänger sind wunderbar. Geleitet werden sie von niemand geringerem als Marc Minkowski, dem wohl würdigsten Nachfolger von Nikolaus Harnoncourt an diesem Dirigentenpult. Das Orchester „La scintilla“ bringt die Partitur zum Strahlen und spürt die weit ins 19. Jahrhundert weisende Klangwelt auf – ein Sonderlob dem Spieler des Bassetthorns. Zusammen mit dem famosen Chor, der spannenden Regie von Damiano Michieletto und dem wunderbaren Solistenensemble entstand ein Opernabend voller atemberaubender Energie, der die Fahrt nach Zürich lohnt. Anna Mika
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