Sensationsfund

Rembrandt-„Kopie“ entpuppt sich als Original

Ausland
04.11.2022 19:27

Jahrzehntelang ist im Bredius-Museum in Den Haag eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Ölskizze mit dem Titel „Kreuzaufrichtung“ in einer Ecke verstaubt, weil sie für eine Rembrandt-Kopie gehalten wurde. Nun sind niederländische Experten überzeugt, dass es sich bei dem Gemälde doch um ein Original des „Meisters des Lichts“ handelt.

Die Ölskizze war 1921 von dem niederländischen Kunsthistoriker, Sammler und Kurator Abraham Bredius gekauft worden. Er war damals überzeugt, dass es sich um einen echten Rembrandt handelte. Später jedoch wurde das Bild von Experten als plumpe Imitation eines Schülers des Barock-Meisters abgetan. Sie verwiesen darauf, dass die groben Pinselstriche Rembrandts Technik nicht entsprächen.

Experten von „Qualität der Details“ überzeugt
Recherchen der Restauratorin Johanneke Verhave und des ehemaligen Chefkurators für alte Gemälde am Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen, Jeroen Giltaij, kommen nun zu einem anderen Ergebnis. „Ich habe mir dieses Werk immer wieder angeschaut. Die Pinselstriche. Sie sind brillant“, sagte Giltaij, der die Skizze bei Recherchen zu einem Buch über Rembrandt „wiederentdeckt“ hatte, der Nachrichtenagentur AFP. Und auch Verhave, die das Bild restauriert hat und es gemeinsam mit Giltaij untersuchte, ist angesichts der „Qualität der Details“ überzeugt, dass es ein echter Rembrandt ist.

Die Ergebnisse von Verhaves und Giltaijs Forschungen wurden an das Rijksmuseum nach Amsterdam weitergeleitet, das mit neuester Technik eine eigene Material-Analyse vornahm. Dessen Experten hätten „nichts gefunden, was einer Zuschreibung an Rembrandt widerspricht“, erklärte das Bredius-Museum.

Skizze wurde mehrfach geändert
Untersuchungen mit Infrarotstrahlung und Röntgen-Scans stützten die Überzeugung der beiden Experten weiter. „Die Untersuchungen ergaben, dass die Skizze im Laufe des Malprozesses mehrfach geändert wurde“, sagte Verhave. „Das zeigt, dass ihr Urheber während der Arbeit seine Meinung änderte - er hat eindeutig nicht einfach ein anderes Bild kopiert.“

Giltaij räumt ein, dass Rembrandt normalerweise ausgesprochen „präzise und ausgefeilt“ malte. Doch in diesem Fall müsse man bedenken, dass es sich um eine Skizze zur Vorbereitung eines Gemäldes handelte, sagte der Experte. Der Experte verweist auf die Ähnlichkeit mit Rembrandts „Die Kreuzaufrichtung“ aus dem Jahr 1633, das in der Alten Pinakothek in München ausgestellt ist. Schon die sicher gesetzten „breiten Pinselstriche“ der Skizze hätten ihn überzeugt, „dass Bredius Recht hat“.

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