44 Jahre nach Tod

Papst Johannes Paul I. in Rom selig gesprochen

Ausland
04.09.2022 12:14

Knapp 44 Jahre nach seinem Tod ist Papst Johannes Paul I. am Sonntag in Rom selig gesprochen worden. Großer Applaus erschallte am Petersplatz, nachdem der heutige Papst Franziskus die Formel zur Seligsprechung von Albino Luciani, der Ende August 1978 im Konklave zum Pontifex gewählt worden war, sprach. Zudem wurde ein an der Fassade des Petersdoms hängender Wandteppich mit dem Porträt von Papst Luciani, gemalt vom chinesischen Künstler Yan Zhang, enthüllt.

Der Festtag des neuen Seligen wird der 26. August sein, der Tag, an dem Johannes Paul I. 1978 zum Papst gewählt wurde. Zum Altar auf dem Petersplatz wurde eine Reliquie von Papst Luciani, eine Notiz auf weißem Papier aus dem Jahr 1956, gebracht. Dabei handelt es sich um einen Entwurf von geistlichen Überlegungen Lucianis zu den drei theologischen Tugenden - Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe. Die Nichte von Johannes Paul I., Lina Petri, trug die Reliquie zum Altar, während andere Familienmitglieder Kerzen anzündeten.

„Der neue Selige hat in der Freude des Evangeliums, kompromisslos, liebevoll bis zum Ende gelebt“, sagte Papst Franziskus. „Er verkörperte die Armut des Jüngers, der die Versuchung überwindet, das eigene Ich in den Mittelpunkt zu stellen und den eigenen Ruhm zu suchen. Nach dem Vorbild Jesu war er ein sanftmütiger und demütiger Hirte“, so Franziskus.

Nach der Seligsprechung ertönten in der Dolomiten-Bergortschaft Canale d‘Agordo, dem Geburtsort des neuen Seligen, die Glocken. Die ganze Kleinstadt hatte sich auf dem Luciani gewidmeten Platz versammelt, um die Zeremonie auf dem Petersplatz auf einer Großleinwand zu verfolgen. Etwa 100 Gläubige aus Canale d‘Agordo waren in Rom, um an der Seligsprechung teilzunehmen. Weitere 300 reisten mit Bussen aus der gesamten Diözese Belluno, zu der Canale d‘Agordo gehört, nach Rom.

Nur 33 Tage im Amt
Johannes Paul I. starb bereits 33 Tage, nachdem er zum Papst gewählt wurde, im Alter von 65 Jahren. Damit war Johannes Paul I. in der Geschichte der katholischen Kirche einer der Päpste mit der kürzesten Amtszeit. Der Kurzzeit-Pontifex war auch als „Papst des Lächelns“ bekannt. Sein Nachfolger wurde Johannes Paul II. aus Polen.

Das Verfahren zur Seligsprechung lief bereits seit 2003. Im Oktober 2021 erkannte Papst Franziskus ein Ereignis nach katholischem Glauben als Wunder an, das auf Fürsprache von Johannes Paul I. geschehen sein soll. Dies ist in der Tradition der Kirche Voraussetzung für eine Seligsprechung. Im konkreten Fall sei 2011 ein damals elfjähriges, angeblich unheilbar todkrankes Mädchen in Buenos Aires wieder gesund geworden, nachdem ein Pfarrer zu Johannes Paul I. gebetet habe.

Johannes Paul I. war der erste Papst, der einen Doppelnamen wählte. Auch sonst brach er mit vatikanischen Gepflogenheiten. Bisher sagten Päpste, wie bei Monarchen üblich, „Wir“, wenn sie von sich sprachen. Johannes Paul I. sagte „Ich“. Den tragbaren Papstthron benutzte er nur widerstrebend auf Drängen der Kurie. Und der Schweizergarde erließ er den bis dahin verpflichtenden Kniefall in Anwesenheit des Papstes.

Spekulationen um Mordkomplott
Albino Luciani starb plötzlich in der Nacht des 28. September 1978. Er wurde von der Nonne, die ihm jeden Morgen Kaffee in sein Zimmer brachte, leblos aufgefunden. Um seinen Tod ranken sich Spekulationen über ein Mordkomplott, die sich jedoch nie wirklich erhärtet haben.

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