Pommers Feierabend

Bitte weniger hysterisch sein!

Pommer am Abend
31.05.2022 14:12

Einen schönen Dienstagabend.

Ich weiß nicht, in welchen Situationen Sie hysterisch werden, bei mir sind es Besuche von Spinnen. Diese Häusln haben im Idealfall sechs Beine und sechs Augen mehr als wir Menschen, sie sind schneller, sehen besser und können fast so weit springen wie ich, wenn ich eine entdecke. Haben Sie gewusst, dass es etwa 25 Millionen Tonnen  Spinnen auf der ganzen Erde gibt? Zum Vergleich: Der Burj Khalifa, dieser gigantische Wolkenkratzer in Dubai, wiegt ohne Menschen und Spinnen 500.000 Tonnen. Würden sich alle Krabbelviecher dieser Erde zu einem Parteitag treffen, wären das zusammengerechnet 50 Burj Khalifa neben- oder übereinander, wie Sie mögen. Ich bin sicher, die Wortmeldungen würden bei der Versammlung nicht annährend so lange dauern wie bei der Wiener SPÖ, aber ich frage mich dennoch: Wie kann man da keine Angst vor diesen Tieren haben?

Jeder Mensch hat eine Phobie, die ihn hysterisch werden lässt. Angst vor Ertrinken, vor der Höhe, vor engen Räumen sind die gängigsten, aber es gibt auch die Anatidaephobie, nicht offiziell anerkannt freilich: Das ist die Angst, von Enten beobachtet zu werden. Eine Tierart, die speziell für ihren Voyeurismus bekannt ist. Für die Betroffenen furchtbar muss auch die Dextrophobie sein, also die Angst vor Dingen, die sich auf der rechten Körperseite befinden. Links geht aber immer klar. Weit verbreitet unter Politikern und Journalisten. Und hier muss man auch die Bundesregierung endlich einmal loben, so sehr sie auch bei der Coronapandemie versagt hat, diese Krankheit konnte in Österreich erfolgreich ausgerottet werden: die Euphophobie. Oder auch: die Angst vor guten Nachrichten. Die heimische Innenpolitik als Pull Factor für Euphophobiker.

Nun kommt eine neue Hysterie dazu, entdeckt von Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen. Er sprach von einer künstlichen Hysterie bei den Teuerungen. Die Energiekosten, die ins Unermessliche steigen und noch steigen werden, die immer teurer werdenden Lebensmittel, die horrenden Mieten, die Inflation bei 8 Prozent - alles nur übertrieben, aufgebauscht. Bei uns in der Redaktion rufen sie immer wieder an, die Hysterischen, die nicht wissen, wie sie mit ihrer Mindestpension auskommen sollen, und das Essen rationieren. Alleinerziehende, die am Ende des Monats keine Ahnung haben, wie sie ihre Kinder durchbringen sollen. Frauen und Männer, die Zweitjobs annehmen, damit der Gasherd daheim nicht abgedreht bleibt, vielleicht bald sogar einen dritten. „23 Jahre habe ich in dem Betrieb gearbeitet, jetzt wurde ich gekündigt. Was soll ich machen?“ Na weniger hysterisch sein. Was für eine Frage. Wieder ein geheilter Euphophobiker.

Vizekanzler Werner Kogler verdient rund 20.000 Euro pro Monat. 20.000 Gründe, um nicht in Hysterie verfallen zu müssen.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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