Pommers Feierabend

Die Phrasenkönigin und das Ende aller Gespräche

Pommer am Abend
18.05.2022 14:34

Einen schönen Mittwochabend.

Jedes Mal, wenn Phrasenkönigin Laura Sachslehner einen Fernsehauftritt hat, hänge ich die weiße Fahne aus dem Fenster, weil ich mich aus purer Verzweiflung ergeben möchte. Auch gestern war die ÖVP-Generalsekretärin zu Besuch in der „ZIB Nacht“, um jene Zuseher in eine Paralyse zu floskeln, die nicht schlafen können. Auch ich war noch wach, der Sandmann ließ mich links liegen, und ich hoffte auf einen ähnlichen Effekt, wie ihn die „Holzfuß-Ziegen“ in solchen Momenten erleben. Aufgrund einer Erbkrankheit namens Myotonia congenita fallen sie während eines Angstzustandes in eine Art Schockstarre. Das war meine Hoffnung: Myotonia durch Monotonie.

Enttäuscht wurde ich nicht, auch wenn die Schockstarre ausblieb, denn dazu war der Überraschungseffekt zu gering. Nach ihrem Tweet - „Die Staatsbürgerschaft ist ein hohes Gut & darf nicht leichtfertig vergeben werden. Trotzdem startet die @SPOE.at - diesmal mit Hilfe der roten AK - einen neuerlichen Anlauf, den Wert der Staatsbürgerschaft zu schmälern und einen weiteren Pullfaktor für Migration zu schaffen“ - stellte sich Sachslehner den Fragen von Moderator Stefan Lenglinger, der wissen wollte, wie denn die Staatsbürgerschaft genau entwertet würde. Die Phrasenkönigin lief zur Höchstform auf, eine Transkription wäre nur auf Endlospapier möglich, wie es damals aus den Faxgeräten floss. Kurzzusammenfassung: Die Staatsbürgerschaft ist ein hohes Gut und steht am Ende eines gelungenen Integrationsprozesses. Die Generalsekretärin: „Es geht in keinster Weise um eine Herabwürdigung.“ In keinster Weise. Eine Wortschöpfung, die für ihre Steigerungsfähigkeit berühmt ist. In keiner Weise, in keinster Weise, in am keinstersten Weise.

Dann brachte Sachslehner das Beispiel mit dem fortpflanzungsfreudigen Afghanen. Kurz erklärt: Nach dem Beispiel der Arbeiterkammer und der SPÖ könnte ein Asylwerber aus Afghanistan trotz negativen Asylbescheids nicht mehr abgeschoben werden, wenn er in Österreich ein Kind bekommt. Das wäre laut Sachslehner „ein Bleiberecht durch die Hintertür“, wodurch für mich auch der Geburtsvorgang in einem ganz neuen Licht erscheint. Die Staatsbürgerschaft, so Sachslehner auf Twitter, müsse man sich verdienen. So wie auch ich mir meinen österreichischen Pass, meine weiße Hautfarbe und meine Körpergröße von 1,92 Meter redlich erarbeitet habe, wie auch immer mir das gelungen ist.

Am Ende fragt man sich nach so einer Darbietung: Wann ist die Fähigkeit zu einer Unterhaltung auch bei jungen Politikern verloren gegangen, zur Kommunikation, A sagt dies, B sagt darauf replizierend das? Stattdessen: auswendig gelernte Textbausteine, oberflächliche Botschaften aus der parteiinternen Glückskeksspruch-Fabrik, fruchtlose Gesprächsbemühungen mit lächelnden Diktiergeräten.

Nach dem Interview wollte sich der Schlaf bei mir nur zögerlich einstellen. Interessant war die TV-Sendung dennoch. Ich habe den Auftritt von Laura Sachslehner trotz dieser Kritik in am keinstersten Weise bereut.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben

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