07.05.2022 11:10 |

Versuche ausgeweitet

Immer mehr Zentralbanken arbeiten an Digitalgeld

Die Pläne von Zentralbanken für eigene Digitalwährungen sind im vergangenen Jahr weiter vorangekommen. Mittlerweile beschäftigen sich laut einer BIZ-Umfrage neun von zehn Notenbanken weltweit mit dieser Thematik. Über die Hälfte von ihnen haben Experimente durchgeführt oder entwickeln derzeit gar eine eigene Digitalwährung.

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In einer Ende 2021 durchgeführten Umfrage bei 81 Zentralbanken gaben gut ein Viertel (26 Prozent) der befragten Institutionen an, an der Entwicklung einer Zentralbank-Digitalwährung (Central Bank Digital Currency CBDC) zu arbeiten oder ein Pilotprojekt durchzuführen, schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer neuen Studie. Vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent. Weitere 62 Prozent führten Experimente oder Machbarkeitsstudien durch.

Kryptowährungen werden genau beobachtet
Angetrieben wurden die Notenbanken bei ihrer Beschäftigung mit Zentralbank-Digitalwährungen (Central Bank Digital Currency CBDC) auch durch das starke Wachstum des Markts für Kryptowährungen im vergangenen Jahr, schreibt die BIZ. Diese Entwicklung habe auch zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken bezüglich Überwachung und Regulierung von Kryptoassets gefördert.

Eine eigene Digitalwährung hat im vergangenen Jahr Nigeria mit dem „eNaira“ lanciert, nachdem bereits 2020 die Bahamas den digitalen „Sand Dollar“ ausgegeben hatten. Pilotversionen eigener Digitalwährungen hatten im vergangenen Jahr zudem China („e-CNY“) sowie die ostkaribischen Länder („DCash“) lanciert.

Vor allem Entwicklungsländer planen Digitalgeld
Weitere Digitalwährungen dürften folgen: In der BIZ-Umfrage bezeichneten es 68 Prozent der Notenbanken als möglich, dass sie kurz- oder mittelfristig eine eigene CBDC lancieren würden. Wie schon im Vorjahr, bezifferten Notenbanken aus Entwicklungsländern die Wahrscheinlichkeit höher als solche aus den entwickelten Ländern.

Bezüglich der Motive für die Entwicklung von CBDC verwiesen Währungshüter aus Entwicklungsländern nicht zuletzt auf die Verfügbarkeit von Finanzdienstleistungen für breite Bevölkerungsschichten (finanzielle Inklusion) sowie auf die Effizienz von grenzüberschreitenden Zahlungen. Dagegen stand für Notenbanken aus Industrieländern stärker die Effizienz von Inlandszahlungen aber auch die Finanzstabilität im Vordergrund.

Digitalwährungen für die Massen im Fokus
Im Fokus einer Mehrheit der Zentralbanken stehe derzeit die Entwicklung einer für breite Bevölkerungsschichten verfügbaren Digitalwährung, eine sogenannte „Retail-CBDC“, dies im Gegensatz zu einer nur für Finanzinstitute zugänglichen Digitalwährung („Wholesale-CBDC“). Entsprechend seien auch die Arbeiten an solchen „Retail-CBDC“ weiter fortgeschritten.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte 2020 und 2021 Tests mit einem eigenen Digitalgeld durchgeführt. Die Experimente unter den Namen „Projekt Helvetia“ und „Projekt Jura“ sollten die Machbarkeit einer solchen CBDC beweisen sowie grenzüberschreitende Zahlungen testen.

Bei den Versuchen der SNB ging es allerdings um eine auf Finanzinstitute beschränkte „Wholesale-CBDC“. SNB-Vertreter äusserten sich dagegen immer wieder skeptisch gegenüber einer breit einsetzbaren Retail-CBDC. Zudem betonten sie wiederholt, dass die Nationalbank keine konkrete Pläne für die Einführung einer CBDC habe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im vergangenen Jahr bekannt gegeben, eine zweijährige Untersuchungsphase für einen digitalen Euro zu starten. Ein solcher könnte frühestens 2026 starten.

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