02.05.2022 11:40 |

Nur einer kommt weiter

Ford E-Transit: Stromkasten fast mit Topreichweite

Elektromobilität ist bei Ford bisher eher familiensportlich orientiert, mit dem Ford Mustang Mach-E. Doch jetzt bringt die Marke mit dem Pflaumenlogo auch einen regelrechten Stromkasten auf den Markt bzw. lässt seine Kunden im Nahverkehr Märkte beliefern. Der elektrisch angetriebene Ford Transit ist in Sachen Reichweite im Kreis seiner Konkurrenten absolut vorn dabei.

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Der Transit ist eigentlich ein Klassiker wie der VW-Bus, nur dass um ihn weniger Kult entstanden ist, auch wenn Transit-Oldtimer regelrecht für Ohs und Ahs sorgen, wenn sie irgendwo auftauchen. Aber der Transit transportiert als Nutztier eher waren und Gerödel als Lifestyle, und das nun zeitgeistgerecht auch mit fließenden Elektronen statt Sprit,

Mit 135 kW/184 PS oder 198 kW/269 PS und einer WLTP-Reichweite von 317 Kilometer dank 68 kWh-Batterie (netto) überholt der e-Transit fast alle seiner prominenten Klassenkameraden. Mercedes E-Sprinter, VW e-Crafter oder der elektrische Renault e-Master mit erheblich schwächeren Motoren kommen auf gerade mal 160 bzw.170 Kilometer, bevor wieder die Steckdose ruft. Der Klassiker schiebt sich beim Thema Reichweite auch vor den bisherigen Primus Peugeot e-Boxer, muss sich aber der stärksten Version des Fiat Ducato geschlagen geben (bis zu 370 Kilometer).

Während die Motorleistung im üblichen Gehege der Lastesel eher zweitrangig ist, spielt die Reichweite bei der Kaufentscheidung eines Unternehmens beim Umstieg auf die elektrische Energie schon eine wichtige Rolle. Für die Betriebe oder den einzelnen Handwerker geht es darum, ob der Transit sein Tagwerk schafft, ohne Stunden statt auf der Straße an der Ladesäule zu verbringen. Über Nacht aufgeladen, ist das rollende Arbeitsgerät am nächsten Morgen wieder fit.

Features über Features
Das Ambiente im Innenraum hat nicht mehr viel mit der früheren Nüchternheit zu tun. Ein ausladender Zentralmonitor im Tablet(t)-Format liefert ein gutes Navi-Bild mit allerlei Zusatzinfos. Anstatt eines Wahlhebels für die Automatik reichen drei Stellungen eines Drehschalters in Griffnähe für die Befehle Vorwärts, Rückwärts oder Parkposition mit angezogener Handbremse. Ein kleiner Zusatzknopf regelt die Intensität der Rekuperation, also der Energierückgewinnung beim Gaswegnehmen.

Wie im normalen Personenwagen sind diverse Assistenzsysteme an Bord, die leider in Transportern wie dem Transit bislang ein Schattendasein führen. Sie stehen zwar auf der Preisliste, werden aber nur selten vom Unternehmer mitbestellt. Mit einem Notbremsassistenten, der Fußgänger oder Radfahrer erkennt und im Fall der Fälle selbsttätig bremst, ist eben kein Geld zu verdienen. Das gleiche gilt für Abstandsradar, Spurhalteassistent oder digitale Kamerasicht in Vogelperspektive auf die für Augen undurchschaubare blecherne Heckpartie. Beim Transit reicht die Liste über Adaptivtempomat mit Verkehrsschild-Erkennung und den Toter-Winkel-Assistenten bis zum Kreuzungs-Assistenten und der automatischen Rangierbremse. Zumindest sind einige Funktionen wie der erwähnte Bremsassistent, manch anderes in günstigeren Varianten serienmäßig. Nur die Basisversion muss Verzicht üben.

Auch Features wie beheizbare Frontscheibe und beheizbare Vordersitze werden nicht alle Transit-Nutzer in ihrem Fahrzeug vorfinden.

„Ökosystem“ für Unternehmen
Für Unternehmer oder Flottenmanager mit Zeitgeist-Ambitionen ist der e-Transit nicht nur wegen seines Antriebs eine gute Wahl. Denn passend zum Start des Ford-Lasters startet eine neue Abteilung des US-Unternehmens und ihrer europäischen Filialen. „Ford Pro“ heißt sie und will sich um alles rund ums Nutzfahrzeug kümmern: von der Finanzierung, dem Aufladen und der dazu nötigen Technik, aber auch der Vernetzung mit spezieller Software, die zum Beispiel drohende Pannen vorhersagen kann, an Wartungsintervalle erinnert oder bei Bedarf auch Service uns Reparaturen organisiert.

Im Stile eines Rundum-Sorglospakets soll zudem der Kunde näher ans Unternehmen gebunden werden und so natürlich beim nächsten Neuwagenkauf wieder vor der richtigen Händlertür stehen. Das soll auch den Absatz weiterer E-Mobile unter den Nutzfahrzeugen beflügeln. Darunter sind 2023 auch die Ein-Tonner-Modelle des Ford Transit Custom für Fracht und Personen. 2024 folgen dann neue Geschwister des VW Caddy (allerdings etwas kleiner), die bei den Kölnern Transit Connect und Tourneo Connect heißen. Der direkte Caddy-Umbau bei Ford ist schon am Markt und heißt Ford Tourneo Connect. Die Transporter-Variante Transit Connect folgt im Lauf des Jahres.

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