Seit 40 Jahren gibt es in der Pfarre Graz-Münzgraben den Guatemala-Kreis, der sich für benachteiligte Jugendliche in dem zentralamerikanischen Land engagiert. Von Anfang an dabei: Ingrid Staubmann, mittlerweile 84 Jahre alt. Fünf Wochen lang packt sie auch heuer wieder vor Ort an – zum 19. und womöglich letzten Mal.
Ein Foto der Gründungsgruppe von 1986 zeigt elf Menschen vor der Backsteinmauer des Pfarrheims Münzgraben – zehn ehrenamtliche Helferinnen und Pater Wolfgang Rexeisen, der den „Arbeitskreis Guatemala“ aus der Taufe hob. 40 Jahre später ist dieser zum Trio geschrumpft, aus dem Kreis ist ein Dreieck geworden: „Die meisten sind schon gestorben“, sagt Staubmann – Pater Wolfgang etwa bereits 1992.
Aus Urlaub wurde Vision
Das war auch jenes Jahr, in dem sich Staubmann das erste Mal selbst nach Guatemala begab. Als Touristin, ohne Spanischkenntnisse – aber mit offenen Augen für die Nöte der Einheimischen. Damals war sie noch berufstätig und konnte sich nur alle paar Jahre einmal einen mehrwöchigen Aufenthalt freischaufeln. Einmal nahm sie sich ein ganzes Semester Auszeit, um die Arbeit der Dominikanerinnen im Kloster Santa Elena/Petén zehn Autostunden nördlich der Hauptstadt zu unterstützen.
Stets im Gepäck: Spendenmittel, die übers Jahr in Graz zusammengekommen sind. Seit Jahren werden in der Pfarre Münzgraben jeden Freitag in der Fastenzeit unter dem Motto „Suppe essen – Schnitzel zahlen“ Fastensuppen ausgegeben, auch beim Adventmarkt und dem Familienfest wird für das Guatemala-Projekt gesammelt. Viele Unterstützer leisten freilich auch abseits solcher Anlässe regelmäßig ihre Beiträge.
300.000 Euro in 40 Jahren
Diesmal sind es wieder an die 8000 Euro, die in Santa Elena ganz konkret eingesetzt werden: Sieben Jugendliche bekommen Stipendien im „Colegio“, einer Schule der Dominikanerinnen für Zehn- bis 18-Jährige. Die Schwestern vor Ort entscheiden selbst, wer die von den Steirern finanzierte Hilfe erhält. „Die Schüler sollten im besten Fall aus einer stabilen Umgebung kommen, damit die Chance für einen positiven Abschluss und vielleicht sogar ein weiterführendes Studium gegeben ist“, erklärt Staubmann. Über die Jahre konnte man die Einrichtung mit mehr als 300.000 Euro unterstützen.
Kinder mit Gewalt-Hintergrund „kriegen hoffentlich die Kurve“
Als die „Krone“ sie am Telefon erreicht, kocht sie für die sieben Schwestern und fünf Kinder im Konvent. Einfach nur fünf Wochen ausspannen in ihrem Sehnsuchtsland kommt für die 84-Jährige nicht infrage. Stolz ist die Grazer Guatemala-Fraktion auf die Entwicklung, die die von ihnen seit Jahrzehnten begleiteten Projekte genommen haben: Aus dem ursprünglichen Waisenhaus zu Bürgerkriegszeiten wurde etwa eine Einrichtung für Kinder mit Gewalt-Erfahrungen, wo die Betroffenen bleiben, bis eine Ersatzfamilie gefunden ist. „Hier können sie betreut werden, bis sie volljährig sind. Dann kriegen sie hoffentlich die Kurve“, berichtet Staubmann.
Auch der Gesundheitsstützpunkt der Dominikanerinnen habe sich „super entwickelt“. Zu Beginn sei es noch ein „Gebäude mit primitivsten Dingen“ gewesen, erinnert sich Staubmann an frühere Aufenthalte – „Gott sei Dank bin ich damals nicht krank geworden“. Mittlerweile sei die Station besser aufgestellt als die meisten öffentlichen Einrichtungen im Land, auch Spezialistinnen wie eine Augenärztin aus Guatemala-Stadt machen hier regelmäßig für ein paar Tage Dienst.
„Ich denke, ich bin das letzte Mal da“
Bei allem Tatendrang glaubt die Grazerin, dass ihre 19. Reise ein Abschied sein könnte. „Ich denke, ich bin das letzte Mal da“, sagt Staubmann ohne Wehmut. „Es wird auf Dauer einfach zu anstrengend.“ Bis Ende Februar legt sich die 84-Jährige aber noch voll ins Zeug. Auf das Treffen mit den sieben heurigen Stipendiaten freut sie sich besonders. Danach geht es von Santa Elena am malerischen Petén-Itzá-See ab ins Hochland. Kontakte auffrischen, die eine oder andere Maya-Stätte besuchen und noch einmal das charmant-chaotische zentralamerikanische Lebensgefühl aufsaugen, lautet die Devise.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.