Nach der Befragung von ihrer Mitbewohnerin Anna P. war Pilnacek-Vertraute Karin Wurm im U-Ausschuss zum Ableben des einstigen Sektionschefs geladen. Sie kämpfte bei ihrem Eingangsstatement mit den Tränen, antwortete danach allerdings souverän. Einen Seitenhieb gab es für Fraktionsführer Andreas Hanger (ÖVP), dessen Fragen für heftige Debatten sorgten.
Die Ankündigung von Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli, wonach der Pilnacek-Untersuchungsausschuss am Mittwoch politische Dimensionen erreichen würde, war keinesfalls übertrieben. Denn bereits am Vormittag hatte die einstige Mitarbeiterin des damaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka, Anna P., den Fragen der Abgeordneten Rede und Antwort gestanden.
„Ich habe keine politischen Kontakte“
Am späteren Nachmittag war dann Karin Wurm geladen. Die einstige Vertraute des Sektionschefs stellte bereits in ihrem Eingangsstatement den Suizid Pilnaceks infrage: „Ich bin als Auskunftsperson ungeeignet, da mir nicht klar ist, wie ich zur Aufklärung allfälliger politischer Einflussnahme beitragen kann. Ich habe keinerlei politische Kontakte.“ Und weiter: „Bis jetzt konnte es mir niemand erklären, wie sich ein 1,90 Meter großer Mann in einem für ihn seichten Wasser ertränkt haben soll.“ Dabei kämpfte sie mit den Tränen.
Er hat einmal gesagt: Ich habe immer allen geholfen und mir hilft jetzt keiner.
Pilnacek-Vertraute Karin Wurm im U-Ausschuss
Sie sehe vielmehr „unsaubere Polizeiarbeit“ und meinte in Richtung von ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger: „Das ist kein Hinhauen auf die gesamte Polizei. Aber Sie, Herr Hanger müssen sich nicht schützend vor diese stellen.“ Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte, weil Hanger einen „unsauberen Vorhalt“ geltend machen wollte, ermahnte die Verfahrensrichterin „alle, auch die Frau Wurm“ möglichst sachlich und emotionslos die Befragung durchzuführen.
USB-Stick als „Lebensversicherung“?
Relativ deckungsgleich mit Anna P. schilderte Wurm anschließend den Morgen der Auffindung Pilnaceks in einem Seitenarm der Donau, auch die Vernehmung bei der PI Mautern sowie die anschließende Übergabe von Handy, Autoschlüssel und Geldbörse an die Polizei. Allerdings berichtete Wurm abermals von einem USB-Stick, den Pilnacek ihrer Aussage nach stets bei sich trug und als seine „Lebensversicherung“ bezeichnete: „Da waren sehr heikle Daten oben, er war erpicht darauf, diesen immer bei sich zu tragen. Ich habe ihn aufgezogen und einmal gesagt: Vergiss deinen Stick nicht. Daraufhin hat er immer gemeint: Ja, weil der ist wichtig.“ Besagter Stick ist bislang verschwunden bzw. wurde er auch nicht bei Pilnacek gefunden.
Ebenso bestätigte Wurm gegenüber Agnes Sirkka Prammer (Grüne) den geplanten Hauskauf in Rossatz, allerdings hätten sie und Pilnacek dann in weiterer Folge beschlossen, dass Anna P. nicht bei ihnen einziehen sollte. Dies habe man ihr im Sommer 2023 mitgeteilt, sie sei „not amused“ gewesen. Dass es bei dem Hauskauf zu Verzögerungen gekommen sei, sei daran gelegen, dass die Gesellschaft ZB Capital von Wolfgang Rauball sehr langsam gearbeitet habe. Rauball habe Pilnacek als „väterlicher Freund“ das Geld vorgestreckt, über etwaige Rückzahlungen sei sie aber nicht informiert gewesen.
Mehrere Treffen mit Kurz
Gefragt nach den politischen Kontakten Pilnaceks, antwortete Wurm: „Da fällt mir momentan nur der Herr Kurz ein.“ So soll Pilnacek in den Wochen vor seinem Tod mehrfach mit Sebastian Kurz telefoniert haben, auch Treffen soll es gegeben haben. Zu etwaigen Beratungen oder Kontakten mit Wolfgang Sobotka, Ex-Finanzminister Gernot Blümel oder Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer habe sie „keine Wahrnehmungen“ gehabt, betont Wurm auf die Frage von NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke: „Das war vielleicht vor meiner Zeit mit ihm.“
FPÖ-Abgeordnete Susanne Fürst fragt, ob sich Pilnacek „unter Druck gesetzt gefühlt habe“: „Ja, er hat einmal gemeint: Wenn ich auspacke, gehens alle in den Häfn. Ich hab daraufhin gefragt: Wie meinst du das? Er hat geantwortet: Genauso wie ich‘s sage“, antwortet Wurm.
Hanger-Fragen führen zu Debatten
Zu mehreren Geschäftsordnungsdebatten kam es bei der Befragung durch ÖVP-Fraktionsführer Hanger, der zuerst wissen wollte, ob und wann Wurm und Pilnacek Chatnachrichten ausgetauscht hatten und anschließend zu Wurms Aussagen bezüglich der Todesursache. Wurm betonte, dass sie sich diese Aussagen „nicht aus den Fingern gesaugt“ habe. Detaillierte Schilderungen zur Beschaffenheit der Leiche Pilnaceks, die Hanger nachfragt, werden abgelehnt, diese müssten in einer nicht öffentlichen Sitzung diskutiert werden.
Der vielbesprochene Laptop war auch bei der Befragung von Karin Wurm Thema. SPÖ-Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs von der SPÖ will wissen, ob Wurm Wahrnehmungen zur Aussage „Lasst‘s den verschwinden“ hatte? Ja, diese Aussage sei ihr bekannt und zwar habe sie Anna P. nach ihren Telefonaten gefragt. In diesem Zusammenhang sei ihr der Satz bekannt geworden. Begründet habe P. dies aber nicht. Wurm betonte, konträr zur Aussage P.s, dass sie selbst den Laptop Pilnaceks nicht genutzt habe. P. hatte ausgesagt, dass Wurm sie mehr oder minder beauftragt habe, den Laptop zu einem ihr bekannten IT-Techniker zu bringen, „um ihre Dateien zu sichern“.
Freundschaft mit Anna P. zerbrochen
Die Freundschaft mit P. sei übrigens kurz nach den Ereignissen in die Brüche gegangen, man habe heute keinen Kontakt mehr. „Sie ist kurz nach dem Tod von Christian Pilnacek ausgezogen“, sagt Wurm heute. Das von P. organisierte Therapiegespräch bei Wolfgang Sobotkas Gattin habe Wurm als „Aushorchen“ empfunden. In weiterer Folge sei es außerdem zu einem lautstarken Telefonat mit Sobotka gekommen, der gemeint haben soll „das war Ertrinken ohne Fremdverschulden und aus!“: „Das habe ich von Anna P. so gehört, das war ein ziemlich brisantes Thema.“ P. habe ihr zudem vorgehalten, „nicht zurechnungsfähig zu sein“.
Gegen 20 Uhr war die Befragung beendet, am Donnerstag geht es weiter. Unter anderem wird der ehemalige Politiker Peter Pilz befragt, der in seinem Buch Mutmaßungen bezüglich des Ablebens Pilnaceks aufgestellt hatte. Mehrere Polizisten hatten dagegen geklagt, Pliz wurde bereits wegen übler Nachrede in erster Instanz nicht rechtskräftig verurteilt.
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