So, 22. Juli 2018

"Absolut kein Beleg"

27.05.2011 11:02

Clinton: Pakistan wusste nichts von Bin Ladens Versteck

Pakistans Regierung hat laut US-Außenministerin Hillary Clinton keine Kenntnis vom jahrelangen Aufenthalt des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden im Land gehabt. "Es gibt absolut keinen Beleg dafür, dass irgendjemand in den obersten Ebenen wusste, dass Bin Laden nur ein paar Meilen von dem Ort entfernt lebte, an dem wir uns heute befinden", sagte Clinton am Freitag bei einem überraschenden Besuch in Islamabad, wo sie unter anderem mit Präsident Asif Ali Zardari zusammentraf (Bild).

Knapp vier Wochen nach der Tötung Bin Ladens durch US-Spezialkräfte mitten in Pakistan bemühte sich Clinton bei der eintägigen Visite um Entspannung im Verhältnis zu der Atommacht. Sie rief die Regierung zugleich zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen Terroristen auf. Der Besuch war der hochrangigste in Pakistan seit der eigenmächtigen US-Operation gegen Bin Laden in Abbottabad zu Monatsbeginn, über die Pakistan vorher nicht informiert worden war. Der Vorfall hatte zu schweren Verstimmungen zwischen Washington und Islamabad geführt.

"Keine Nation hat mehr Leben in diesem Kampf gegen gewalttätigen Extremismus geopfert als Pakistan", sagte Clinton nach einem Treffen mit Präsident Zardari, Premier Yousuf Raza Gilani und Armeechef Ashfaq Parvez Kayani. "Extremisten haben Frauen und Kinder getötet, Moscheen und Märkte in die Luft gesprengt und keine Rücksicht auf Menschenleben und Würde genommen." Aus Pakistan heraus hätten Terroristen Unschuldige im Land selbst, in Afghanistan und in weiter entfernten Ländern angegriffen.

"Es ist noch viel mehr Arbeit notwendig"
"Pakistan und die Vereinigten Staaten haben zusammengearbeitet, um viele dieser Terroristen hier auf pakistanischem Boden zu fangen oder zu töten", sagte die Ministerin. "Aber wir erkennen beide an, dass noch viel mehr Arbeit notwendig ist, und es ist dringend." Die USA würden ihren Beitrag dazu leisten und erwarteten von der pakistanischen Regierung, dass sie in den kommenden Tagen entschlossene Maßnahmen ergreife. Mit dem Tod Bin Ladens sei ein "Wendepunkt" erreicht worden. Das internationale Terrornetzwerk Al-Kaida bleibe aber eine ernste Bedrohung für Pakistan und Amerika. Gemeinsames Vorgehen gegen Al-Kaida und verbundene Terrorgruppen würden Pakistan, Amerika und die Welt sicherer machen.

Zu den Bemühungen um Versöhnung mit den radikal-islamischen Taliban in Afghanistan sagte Clinton, Pakistan müsse ein Teil dieses Prozesses sein. Pakistans legitime Interessen müssten in dem Prozess berücksichtigt werden. Clinton sagte weiter, viele Taliban-Anführer lebten weiterhin in Pakistan. Islamabad habe Verantwortung dafür, Aufständische daran zu hindern, von Pakistan aus Ziele in Afghanistan anzugreifen.

Das Parlament in Islamabad hatte den Einsatz gegen Bin Laden als Verletzung der Souveränität Pakistans scharf kritisiert. Die Abgeordneten hatten gedroht, im Wiederholungsfall den Nachschub für die NATO-Truppen in Afghanistan, der großteils durch Pakistan verläuft, abzuschneiden.

CIA-Forensiker dürfen Anwesen Bin Ladens inspizieren
Indes gab die Regierung in Islamabad dem US-Geheimdienst CIA nach einem Bericht der "Washington Post" Grünes Licht für die Durchsuchung des Anwesens in Abbottabad, in dem Bin Laden getötet wurde. Ein Forensik-Expertenteam darf das Gebäude mit hochmodernen Geräten durchkämmen. Ziel sei es, Material aufzuspüren, das etwa in Wänden versteckt oder auf dem Grundstück vergraben sein könnte, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Es wäre das erste Mal, dass CIA-Beamte das Anwesen betreten. Vor der Operation der Navy Seals hatte der Geheimdienst den Gebäudekomplex nur aus der Ferne ausspähen können - etwa mit Tarnkappen-Drohnen und Satelliten. Jetzt gehe es darum, "genauer hinzuschauen".

Das CIA-Team werde demnächst in Abbottabad eintreffen, hieß es weiter. Der stellvertretende CIA-Direktor Michael Morell habe den Zugang in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Islamabad mit dem pakistanischen Geheimdienstchef Ahmed Shuja Pasha ausgehandelt. Demnach soll es der CIA auch erlaubt sein, Material zu untersuchen, das pakistanische Sicherheitskräfte auf dem Anwesen sichergestellt hätten.

Die Vereinbarung gilt der Zeitung zufolge als "ermutigendes Zeichen" dafür, dass die Spionagebehörden beider Seiten weiterhin zusammenarbeiten werden - trotz des Zorns in Islamabad über die Geheimoperation gegen Bin Laden.

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