Impfpflicht in der Kiste. Wird die Impfpflicht, die eigentlich („eigentlich“: Ist das nicht eigentlich das österreichischte aller Wörter?) seit einer Woche gilt, jemals wirklich gelten? Wird jemals jemand bestraft werden, weil er gegen diese Impfpflicht verstoßen hat? Während sich eine Reihe von ÖVP-Landeshauptleuten in den letzten Tagen kritisch zur Impfpflicht geäußert hatten, teilweise auf eine Verschiebung plädierten, hat Bundeskanzler Karl Nehammer mehrfach betont, daran festzuhalten. Aber wie? Dazu wissen wir jetzt etwas mehr. Denn gegenüber „Krone“-Interviewerin Conny Bischofberger präzisierte der Bundeskanzler. Die Impfpflicht sei für ihn „wie ein Werkzeugkoffer, mit dem wir gegen das Virus arbeiten“, sagte er gestern. Und präzisiert, wie er das versteht: „Wir werden dann ein Werkzeug einsetzen, wenn es notwendig ist.“ Das darf man nun also so verstehen: Gut möglich, dass das Gesetz in der Kiste bleibt. Also totes Recht bleibt. Eigentlich.
Bürgermeister-Hilfe. Noch eine andere Ansage des Bundeskanzlers im Interview in der Sonntags-„Krone“ gilt es zu beleuchten. Wie er denn die Causa Wöginger sehe, wird Nehammer gefragt. Dem ÖVP-Klubobmann wird ja vorgeworfen, er habe heftig interveniert, damit ein ÖVP-Bürgermeister zum Finanzamtsleiter in seiner oberösterreichischen Heimat ernannt wird. Das war auch geschehen, die unterlegene Kandidatin hat dagegen geklagt. Nehammer sagt dazu: „Was August Wöginger betrifft, muss ich schon bitten zu akzeptieren, dass es die Aufgabe eines Abgeordneten ist, dass er Kontakte zu Bürgerinnen und Bürgern hat und sich für deren Anliegen einsetzt und ihnen hilft.“ Wir lernen: Auch ÖVP-Bürgermeister sind Bürger. Eigentlich.
Tunnel-Euphorie. „Was lange währt, wird endlich gut“, heißt es, und da ist was dran. Im konkreten Fall dreht es sich um ein lange währendes journalistisches Projekt, an dessen Realisierung wir nach vielen Verschiebungen kaum noch glaubten. Vor fast fünf Jahren deponierten wir den Wunsch, den neuen 33 Kilometer langen Koralmtunnel, den sechstlängsten Tunnel der Welt, durchqueren zu dürfen. Jetzt haben wir - ein „Krone“-Team mit einem ÖBB-Team und Ministerin Gewessler die abenteuerliche Durchquerung geschafft. Die Infrastruktur- und Klimaschutzministerin, die gerade erst den Lobautunnel zu Grabe getragen hat, zeigte sich im Eisenbahntunnel geradezu euphorisch: Hier werde Zukunft gebaut, frohlockte sie. Und meint damit Zukunft Bahn statt Zukunft Straße.
Einen schönen Sonntag!
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