29 Messerstiche

Senior (77) getötet: Lebenslange Haft für Tiroler

Tirol
12.01.2022 13:58
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Ein 30-jähriger Tiroler aus Kufstein hat sich am Mittwoch vor dem Innsbrucker Landesgericht wegen Mordes verantworten müssen. Er soll im Juni 2021 einen 77-Jährigen am Innufer in Kufstein mit 29 Messerstichen getötet haben. Der Angeklagte gestand die Tat vor Gericht erneut, bekannte sich schuldig und bekräftigte Aussagen, wonach das Opfer ihn früher sexuell missbraucht habe. Nicht rechtskräftiges Urteil: lebenslange Haft!

Der 30-Jährige wird außerdem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Als mildernd wurde die bisherige Unbescholtenheit des Mannes bzw. sein bisheriger Lebenswandel bewertet, erklärte Richterin Gabriele Moser in ihrer Urteilsbegründung. Erschwerend kam hingegen die „Heimtücke“ der Tat hinzu.

Rache für Missbrauch?
Er habe „ihn und nur ihn“ töten wollen, hatte der gebürtige Kufsteiner im Prozess angegeben. Das Mordopfer sei ein Nachbar der Großeltern in Kufstein gewesen und habe sowohl seinen Vater als auch ihn selbst früher missbraucht. Was genau vorgefallen sei, konnte bzw. wollte der Angeklagte auf Nachfrage der Richterin nicht konkretisieren. „Es waren jedenfalls schlimme Dinge“, meinte er.

Zur Tatzeit zurechnungsfähig
Die psychiatrische Sachverständige Gabriele Wörgötter attestierte dem 30-Jährigen in ihrem Gutachten „Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt“. Er leide aber unter einer „kombinierten Persönlichkeitsstörung“, die sich durch paranoide, schizoide und narzisstische Züge ausdrücke, führte sie vor Gericht aus. Er habe insgesamt eine „unreife Persönlichkeit“ und hänge auch zahlreichen Verschwörungstheorien an. All das führe dazu, dass seine Persönlichkeit „deliktfördernd“ und der Angeklagte somit gefährlich sei.

Zunächst andere Version nach Tat
Der Beschuldigte hatte ursprünglich angegeben, sein Opfer zufällig ausgewählt zu haben, um ins Gefängnis zu kommen. Die Staatsanwaltschaft gab daraufhin ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Die Leiche des Opfers, die zahlreiche Stichwunden am Oberkörper und Halsbereich aufwies, wurde von einem Passanten entdeckt. Der damals 29-Jährige meinte zuerst, dass er bereits vor mehreren Wochen geplant habe, jemanden umzubringen, um inhaftiert zu werden, zumal er mit seiner Lebenssituation nicht mehr im Reinen sei.

Erst später teilte der Vater dem Anwalt mit, dass sich Opfer und Täter schon länger gekannt haben sollen.

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