Fr, 17. August 2018

Neue Taktik

28.04.2011 19:08

Frankreich setzt im Kampf gegen Gadafi auf Beton-Bomben

Im Kampf gegen Libyens Diktator Muammar al-Gadafi hat Frankreich sein Arsenal um eine ungewöhnliche Waffe erweitert. Mittlerweile werfen die Kampfjets der "Grande Nation" auch Bomben aus reinem Beton über libyschen Zielen ab. Die Geschoße haben eine hohe Durchschlagskraft, explodieren aber nicht und mindern somit die Gefahr von Kollateralschäden "beträchtlich", wie der französische Generalstab am Donnerstag mitteilte.

Eine erste solche 300 Kilogramm schwere Bombe sei am Dienstag auf ein Panzerfahrzeug von Anhängern des libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi in der Gegend um Misrata abgeworfen worden.

Normalerweise würden diese Geschoße bei Übungen eingesetzt, sagte ein Generalstabssprecher in Paris. Da sie aber "sehr treffsicher" seien und "keine oder sehr wenige" Splitter verursachten, würden sie nun auch bei dem NATO-geführten Einsatz in Libyen verwendet.

Immer wieder kommen bei den Einsätzen der Allierten auch Zivilisten oder Rebellen zu Tode. Erst am Mittwoch waren bei einem Angriff der NATO zwölf Aufständische getötet und 40 verletzt worden, wie am Donnerstag bekannt wurde. Die Revolutionäre seien in Misrata ums Leben gekommen, sagte Shamseddin Abdulmola, ein Sprecher des Nationalen Übergangsrates in Benghazi. "Im Krieg passieren immer Fehler, das lässt sich nur schwer vermeiden", fügte er hinzu. Die NATO ging in ihrem täglichen Einsatzbericht zur Operation in Libyen nicht auf diesen Vorfall ein.

Rebellen bitten um Erdkampfflugzeuge
Der Übergangsrat hatte die US-Regierung, die inzwischen in Libyen auch Kampfdrohnen des Typs "Predator" einsetzt, schon vor Wochen gebeten, auch Erdkampfflugzeuge des Typs A-10 zu schicken, die wegen ihrer präzisen Zielführung auch "fliegendes Maschinengewehr" genannt werden. Abdulhafis Ghoga, der zweite Mann an der Spitze des Übergangsrates, hatte die Luftangriffe der Allianz am Mittwoch als nicht ausreichend bezeichnet.

Der ehemalige US-Botschafter in Libyen, Gene Cretz, lobte am Mittwoch vor Journalisten in Washington den Übergangsrat. Er bezeichnete das Gremium als "ernsthafte Gruppierung, die unsere Unterstützung verdient". Er schloss nicht aus, dass die USA den Rat möglicherweise demnächst als Vertreter des libyschen Volkes anerkennen werde. Die Strategie des Gadafi-Regimes bezeichnete er als destruktiv: "Es hat sich herausgestellt, dass Gadafi und seine Schergen nicht die Absicht haben, die Gewalt und das Blutvergießen zu beenden." Entgegen der Behauptungen der vergangenen Tage hätten die Truppen des Regimes in der Stadt Misrata und im westlichen Gebirgsmassiv weiter Gräueltaten verübt.

Raketen, Boote und Hubschrauber sind Mangelware
Libyens Rebellen baten den Westen um die Ausstattung ihrer Kämpfer mit schwerem Gerät. Es würden Helikopter, Panzerabwehrraketen und Schnellboote mit Torpedos gebraucht, sagte Rebellengeneral Abdulfatah Yunis am Donnerstag. "Wir müssen zusammenarbeiten, um ihn zu stoppen", forderte Yunis in Brüssel. Bisher hätten die Rebellen "geringe Mengen" an Waffen erhalten, "wir warten aber darauf, dass unsere Freunde uns mit neuen Waffen ausrüsten". Dabei gehe es nicht um leichte Ausrüstung, sagte Yunis. Mögliche Lieferländer wollte er nicht nennen. Unter den Unterstützern des Militäreinsatzes ist umstritten, ob die Rebellen in ihrem Kampf gegen Gadafi auch mit Waffenlieferungen unterstützt werden sollen.

In Tripolis waren in der Nacht mehrere Explosionen zu hören. Ein Militärsprecher in der Hauptstadt sagte, die NATO habe zivile und militärische Ziele im östlichen Vorort Ain Sara und in Misdah, 140 Kilometer südlich von Tripolis, bombardiert. In Misdah wurde nach NATO-Angaben ein Munitionsbunker getroffen. Der Nachrichtensender Al-Jazeera meldete Kämpfe zwischen Aufständischen und Gadafi-Loyalisten aus der südlichen Oasen-Stadt Kufra.

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