„Krone“-Kommentar

Die Psychologie der Pensionen

Kolumnen
28.10.2021 06:00
Porträt von Manfred Schumi
Von Manfred Schumi

„Was, du bist 60 und arbeitest noch?“ - Diese Frage hat man in Österreich früher oft gehört. Lange galten wir als Weltmeister der Frühpension, ungeachtet der steigenden Lebenserwartung.

Der Gesetzgeber hat dann begonnen, die Hürden für den vorzeitigen Antritt langsam zu erhöhen. Inzwischen gehen Männer in Österreich im Schnitt mit 63,7 Jahren in die Alterspension. Rechnet man die Berufsunfähigkeit mit ein, sind wir aber erst bei 61,3 Jahren (bei Frauen sind es 59,3).

Das gesetzliche Pensionsalter beträgt bei uns noch immer 65 (für Männer und im öffentlichen Dienst) bzw. 60 (Frauen, ab 2024 wird es schrittweise angepasst). In vielen europäischen Ländern hat man es bereits auf 67 angehoben oder tut es in Stufen. Das hat auch eine psychologische Wirkung.

Der Chef der Pensionsversicherung verweist auf Beispiele aus der Praxis: Ein 57-Jähriger mit gesundheitlichen Problemen ist mitunter weniger aufgeschlossen für ein berufliches Reha-Angebot, wenn er weiß, dass er ohnedies bald in (Früh-) Pension gehen kann.

Wer macht in diesem Alter noch eine Fortbildung, wo er doch schon die (noch abschlagsfreie) Hacklerpension vor Augen hat? Wäre das Pensionsalter aber weiter weg, z.B. bei 67, sieht die Perspektive vielleicht doch etwas anders aus.

Jetzt kommt immer das Argument, dass es zu wenig Jobs für Ältere gibt. Das wird sich in nächster Zeit ändern. Die „Babyboom-Generation“ wechselt in den Ruhestand, und aus demografischen Gründen kommen zu wenig Jüngere nach …

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