Schüsse auf Soldaten

2 Tote am Airport Frankfurt: Terror-These erhärtet sich

Ausland
03.03.2011 12:33
Einen Tag nach dem tödlichen Anschlag auf US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen verdichten sich die Hinweise auf einen Terrorhintergrund. Der 21-jährige Todesschütze, der am Mittwoch zwei Menschen erschossen hat, soll Kontakt zu Extremisten gehabt haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geht offiziell von einer "islamistisch motivierten Tat" aus, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde.

Der 21 Jahre alte Kosovo-Albaner Arid U. aus Frankfurt hatte am Mittwoch bei einem Militärbus zwei US-Soldaten erschossen und zwei schwer verletzt (siehe Infobox). Sie schwebten am Donnerstagmorgen noch in Lebensgefahr. Mittlerweile hat der Mann die Tat gestanden.

Tat war offenbar akribisch geplant
Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Todesschütze seinen Anschlag auf den US-Militärbus präzise vorbereitet haben. Spekulationen, nach denen U. vor dem Blutbad auf Arabisch "Gott ist groß" (Allahu Akbar) gerufen haben soll, bestätigte die Polizei bisher nicht.

Am größten deutschen Airport wurde die Sicherheitsstufe erhöht: Die Bundespolizei ging in den Terminals mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Streife und setzte verdeckte Ermittler ein. Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wurde die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Er soll bei seinen Eltern gewohnt haben.

Bei den Opfern handelt es sich um Angehörige der Militärpolizei der US-Luftwaffe. Die etwa ein Dutzend Männer waren in England stationiert und sollten zum Stützpunkt der US-Air Force in Ramstein (Rheinland-Pfalz) gebracht werden. Von dort aus sollten sie in Kürze zu einem Einsatz nach Afghanistan oder in den Irak aufbrechen.

Hatte der Täter einen Job am Airport?
Nach Medieninformationen musste der Attentäter über die zeitlichen Abläufe sehr gut informiert gewesen sein. Zudem soll der Mann am Flughafen gearbeitet haben. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport sagte allerdings auf Anfrage, es gebe dafür keine Anzeichen. 

Nach Einschätzung der Polizei hatte Arid U. wahrscheinlich keine Komplizen. "Wir gehen von einem Einzeltäter aus", sagte Polizeisprecher Jürgen Linker. Den deutschen Sicherheitsbehörden ist der 21-Jährige nicht als potenziell gefährlicher Islamist bekannt gewesen. Beim Bundeskriminalamt und dem Verfassungsschutz habe es keine Erkenntnisse zu dem Mann gegeben, hieß es am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Der Todesschütze lebt bereits seit 1991 in Deutschland.

Verdächtiger bislang auf keiner einschlägigen Liste
Auch in seiner Heimat Kosovo ist der 21-Jährige nicht als Terrorist bekannt. "Nachdem uns die deutschen Behörden den Namen des Verdächtigen genannt hatten, haben wir ihn überprüft, aber er steht nicht in unserem Anti-Terror-Register", zitierten Medien am Donnerstag in Pristina den Polizeisprecher Brahim Sadria. U. wurde Medienberichten zufolge am 8. Februar 1990 im Dorf Zabar am Stadtrand von Mitrovica im Norden des Kosovo geboren. Große Teile seiner Familie seien "schon vor vielen Jahren" nach Deutschland ausgewandert. Sie könnten daher nicht als Flüchtlinge bezeichnet werden.

Image des Kosovo beschädigt?
Die kosovarischen Zeitungen titelten übereinstimmend, U. habe dem ohnehin angeschlagenen internationalen Image des Kosovo sehr geschadet. Im Zentrum von Mitrovica drückten am Mittwochabend Hunderte Bürger mit brennenden Kerzen ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der getöteten und verletzten Soldaten aus.

Die kosovarische Staatsspitze verurteilte den Anschlag scharf und bekundete ihr Bedauern. Präsident Behgjet Pacolli und Premier Hashim Thaci sprachen von einem Verbrechen, das gegen die zivilisatorischen Werte und die Tradition des kosovarischen Volkes gerichtet sei. Das kosovarische Volk werde den USA, dem amerikanischen Volk und der amerikanischen Regierung immer für die starke Unterstützung dankbar sein, die sie bei der Befreiung des Landes und danach geleistet hätten.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagte seiner US-Amtskollegin Hillary Clinton nach Angaben des Auswärtigen Amtes in einem Telefongespräch eine rasche und vollständige Aufklärung des Anschlags zu. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies bereits zugesichert.

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