25 Jahre nach der Tat
Schweden gedachte des ermordeten Premiers Olof Palme
Am Montag hätten die Akten des wohl spektakulärsten Mordfalls in der schwedischen Geschichte eigentlich geschlossen werden können. Genau 25 Jahre nach den tödlichen Schüssen wäre die Tat verjährt - hätte Schweden nicht vergangenes Jahr die Verjährungsfrist gestrichen. "Es ist so lange her", sagt Joakim Palme, der 27 war, als sein Vater auf offener Straße in Stockholm niedergestreckt wurde. "Zugleich erscheint mir die Tat immer noch sehr nah." So geht es vielen Schweden: Der ungeklärte Fall bleibt eine offene Wunde. "Es ist sehr schwierig, dass es niemals einen juristischen Schlusspunkt gegeben hat", sagt Palme.
Verdächtiger gestand Tat - und starb als freier Mann
Ehefrau Lisbet Palme (79) hatte als einzige Tatzeugin den Kleinkriminellen Christer Pettersson als Mörder identifiziert. Weil jedoch die Polizei ihr bei der Gegenüberstellung im Voraus Tipps gegeben hatte, hob das Stockholmer Berufungsgericht 1989 den Schuldspruch aus erster Instanz auf und sprach den Mann aus Mangel an Beweisen frei. Der von Alkohol und Drogen abhängige Pettersson starb 2004. Er hatte den Mord mehrfach gegenüber Bekannten und Journalisten gestanden, was aber nach schwedischem Recht weder für eine Verurteilung noch für ein neues Verfahren ausreicht.
Seitdem gingen Hunderttausende Hinweise bei den Ermittlern ein, immer neue Spekulationen über die Hintermänner machten die Runde. 130 Menschen hätten den Mord an Palme gestanden, sagt Stig Edqvist, der die Ermittlungen seit 14 Jahren leitet. Doch niemand habe das auch plausibel machen können, auch die Tatwaffe sei bis heute nicht aufgetaucht. Die Akten über den Fall Palme füllen 225 Regalmeter im Stockholmer Polizeihauptquartier, 3.600 Ordner wurden angelegt. Noch immer gehen laut Edqvist jede Woche eine Handvoll Hinweise ein. "Wir müssen realistisch sein, nach 25 Jahren ist so ein Fall natürlich schwer aufzuklären. Aber ich hoffe noch immer, wir schaffen das." Andere sind pessimistischer. "Nach 25 Jahren Ermittlungen wissen wir praktisch nichts", sagt der Journalist Gunnar Wall, der zwei Bücher über den Mordfall geschrieben hat.
Parallelen zu Mord an Außenministerin Lindh 2003
Die Tat hatte das ganze Land so sehr in Schock versetzt, dass es danach oft hieß, Schweden habe mit dem Mord seine Unschuld verloren. "Die Tat hat die Art verändert, wie wir Politiker wahrnehmen", sagt Jens Orback, der Vorsitzende des Internationalen Olof-Palme-Zentrums in Stockholm. "Palme hatte einmal gesagt, er wolle wie alle anderen auch im Telefonbuch stehen und mit den Menschen ohne Bodyguards in Kontakt treten. Aber wir haben gelernt, dass das nicht immer geht." Das Trauma wiederholte sich, als die populäre schwedische Außenministerin Anna Lindh 2003 beim Einkaufen niedergestochen wurde und kurz drauf verstarb - auch sie war ohne Personenschützer unterwegs.
"Eine gewisse Unschuld ist verloren gegangen", sagt auch der Journalist Wall. Die Menschen erwarteten heute weniger von der Polizei und den Gerichten. Die Ermittlungen im Fall Palme waren von Anfang an mit Fehlern behaftet. "Vieles ging schief", räumt Edqvist ein. "Die Regierung hatte vermutlich Angst, sensible Informationen würden an die Öffentlichkeit gelangen. Palme war schließlich sehr umstritten damals."
Palme wollte eine bessere Welt - und zog sich Ärger zu
Der einstige Linksaktivist Palme hatte Washington mit seiner Kritik am Vietnam-Krieg verärgert. Er unterstützte kommunistische Regierungen in Kuba und Nicaragua, sprach sich gegen Apartheid und Atomkraft aus und befürwortete die Umverteilung von Vermögen. Hinter dem Mord vermuteten die Ermittler unterschiedliche Gruppen wie die türkische PKK, das schwedische Militär oder den südafrikanischen Geheimdienst. Palmes Familie dagegen glaubt weiterhin, den Täter zu kennen. "Ich bin ohne ernsthaften Zweifel überzeugt, dass es Pettersson war", sagt Joakim Palme.












Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.