13.07.2021 09:51 |

„War liebenswert stur“

Schönbrunn: Ältester Bewohner „Schurli“ ist tot

Die nächste Hiobsbotschaft aus dem Wiener Tiergarten Schönbrunn: Nach dem plötzlichen Tod von Elefanten-Kalb „Kibali“ starb am Sonntag auch der bis dato älteste Bewohner des Zoos - Seychellen-Riesenschildkröte und Fußball-EM-Orakel „Schurli“.

„,Schurli‘ lebte bereits seit 1953 bei uns. Viele Tiergartenbesucher kannten ihn quasi ewig. Sein Alter ist nicht genau bekannt, aber 130 Jahre hatte er wohl schon auf dem Panzer“, erzählt Zoologe Anton Weissenbacher. Generationen von Tierpflegern haben „Schurli“ in den 68 Jahren betreut. Jeder baute eine besondere Beziehung zu dem Tier auf.

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Er genoss es, am Hals gestreichelt zu werden.

Tierpfleger Maximilian Schön

„,Schurli‘ hatte einen starken Charakter und war liebenswert stur. Er genoss es, am Hals gestreichelt zu werden“, sagt Tierpfleger Maximilian Schön. Man sah „Schurli“ oft beim Baden oder im Sommer unter dem Rasensprinkler. „Beim Futter bevorzugte er saftige Gurken und trockene Blätter. Die waren für ihn wie Chips - nur gesünder“, so Schön.

Unter intensiver Beobachtung der Ärzte
In den vergangenen Tagen habe er zusehends abgebaut, hieß es seitens des Tiergartens weiter, weshalb er unter intensiver Beobachtung der Tierärzte stand. Am Sonntag starb die Riesenschildkröte schließlich. „Schurli“ lebte gemeinsam mit seinen beiden Artgenossen, dem Männchen „Menschik“ und dem Weibchen „Mädi“, im Aquarien-Terrarienhaus.

Karriere als Fußball-EM-Orakel
In seinem langen Leben hat er viel erlebt: Er war etwa bei der Fußball-EM 2016 als Orakel im Einsatz, wurde im selben Jahr das Patentier des damaligen Wiener Bürgermeisters Michael Häupl, war bei Werbefotos als „Model“ gefragt und bewies im Rahmen einer 2019 veröffentlichten Studie, wie schlau Seychellen-Riesenschildkröten sind. Nun gilt „Menschik“ als ältester Bewohner des Tiergartens. Er kam kurz nach „Schurli“ in den Wiener Zoo und wird nur unwesentlich jünger geschätzt.

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
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