18.06.2021 05:00 |

Rheuma

Erschöpfung als unbekanntes Symptom

Hätten Sie eine rheumatische Erkrankung als Ursache dafür vermutet? Wahrscheinlich nein. Womit Patienten zu rechnen haben.

Rheuma gilt als Volkskrankheit. Doch eigentlich ist es kein eigenständiges Leiden. Hinter dem Begriff verbergen sich nämlich mehr als 400 unterschiedliche Erkrankungen, die hauptsächlich mit Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat einhergehen. „Schmerzende oder/und geschwollene Gelenke ohne vorherige Verletzung, steife Finger in der Früh, anhaltendes Fieber, aber auch extreme Müdigkeit und Erschöpfung - wir Ärzte sprechen von Fatigue -, Fieber, Gewichtsabnahme und Schwitzen in der Nacht können auf eine Form von Rheuma hindeuten“, erklärt OÄ Dr. Judith Sautner, 2. Med. Abteilung, Landesklinikum Stockerau sowie Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR). „Diese Liste möglicher Symptome ließe sich noch länger fortsetzen.“ Dabei bleibt es leider oft nicht: Mitunter gesellen sich Begleiterkrankungen zum Rheuma. „Wir wissen heute etwa, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis auch ein erhöhtes kardiovaskuläres Risikopotenzial [Anmerkung: sie leiden vermehrt an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems] haben. Osteoporose tritt ebenso gehäuft auf - neben der rheumatischen Grundkrankheit ist ein möglicher Mitgrund die Einnahme von Kortisonpräparaten“, berichtet die Fachärztin in der „Ärzte Krone“.

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Osteoporose tritt ebenso gehäuft auf - neben der rheumatischen Grundkrankheit ist ein möglicher Mitgrund die Einnahme von Kortisonpräparaten.

OÄ Dr. Judith Sautner, 2. Med. Abteilung, Landesklinikum Stockerau

Begleiterkrankungen der Psoriasisarthritis
„Die Psoriasisarthritis kann Gelenke, Sehnenansätze, Stammskelett, Haut, Kopfhaut und Nägel betreffen. Nicht selten gehen mit ihr aber z. B. auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Augenentzündungen, das metabolische Syndrom [Anmerkung: Zusammenspiel von Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, erhöhtem Blutzucker und Bluthochdruck], Diabetes, Adipositas (krankhaftes Übergewicht) und psychische Erkrankungen wie Depression einher. Dies unterstreicht, dass wir in unserer Tätigkeit nicht nur als Rheumatologen, sondern auch als Internisten gefragt sind.“

Corona-Impfung wird empfohlen
Worauf müssen Rheumatiker während der jetzigen Pandemiezeit achten? „Eine gut laufende Therapie sollte nicht aus Angst vor einer Covid-Infektion pausiert, sondern weitergeführt werden. Entzündung und unkontrollierte Aktivität der Grunderkrankung bergen nämlich das höchste Risiko für jegliche Infektion, so auch für Covid 19. Wir empfehlen - mit wenigen Ausnahmen - allen Rheumapatienten, sich gegen das Virus impfen zu lassen und den Zeitpunkt dafür mit dem behandelnden Arzt zu besprechen“, so OÄ Dr. Sautner. Damit sich Rheumapatienten - insgesamt betrachtet - gut aufgehoben fühlen, ist nicht nur eine optimale ärztliche Betreuung vonnöten. Auch Selbsthilfegruppen tragen ihr Scherflein dazu bei. „Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen tut gut. Die Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung und das Gefühl, verstanden zu werden, geben Betroffenen Halt“, erklärt Gertraud Schaffer, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga. „Eine gute und lebendige Zusammenarbeit zwischen der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) und der Österreichischen Rheumaliga (ÖRL) ist daher die optimale Grundlage für ein erfolgreiches Miteinander“, unterstreichen sowohl Frau Schaffer als auch Dr. Sautner deren Wichtigkeit.

Selbsthilfegruppe „Österreichische Rheumaliga“
Die „Österreichischen Rheumaliga“ ist eine neutrale Selbsthilfeorganisation von Rheumakranken und deren Angehörigen. Die ÖRL vertritt die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder sowohl im gesundheitspolitischen Bereich als auch in der Öffentlichkeit. Weitere Informationen finden Betroffene auch online. Möglichkeit zu telefonischem Kontakt und Beratung täglich unter +43 664 596 58 49 (von 10-12h sowie Mo-Do von 14-17h).

Aktuell in Ihrer Apotheke: der Patientenratgeber „Rheuma verstehen“.
Im Laufe seines Lebens ist jeder Dritte von einer rheumatischen Erkrankung wie etwa rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritis, Psoriasis-Arthritis, Arthrose, Osteoporose oder Fibromyalgie betroffen. Eine solche Diagnose wirft viele Fragen auf. Wissenswertes zu diesen unterschiedlichen Erkrankungen, Informationen zu Symptomen, Therapiemöglichkeiten, Präventionsmaßnahmen und vieles mehr finden Interessierte im aktuellen und neu überarbeiteten Ratgeber „Rheuma verstehen“ (9. Auflage). Solange der Vorrat reicht, ist dieser in den meisten österreichischen Apotheken erhältlich.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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