Naturgefahren-Bilanz

„Nicht alle Ereignisse bekommen wir in den Griff“

Tirol
28.02.2026 06:00

Zum Schutz vor Naturgefahren in Tirol nimmt die öffentliche Hand heuer 106 Millionen Euro in die Hand. Die Experten sind sich klar, dass die Phänomene an Dramatik zunehmen.

Die erschreckendsten Bilder gab es 2025 im Gschnitztal. Muren rissen am 30. Juni rund 250.000 Kubikmeter Material mit und verwüsteten den ganzen Talboden. Dass binnen zwei Stunden mehr als 100 Millimeter Regen fällt, kommt nicht alle Tage vor.

„Die Ereignisse nehmen teilweise neue Dimensionen an“, sagte Gebhard Walter, Chef der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung, beim jährlichen Pressetermin. Um 20 bis 30 Prozent hätten die Starkniederschläge an Intensität zugenommen – und auch die flächenmäßige Ausdehnung verschlimmere die Folgen. Auslöser seien meist Hitzetage, von denen es immer mehr gebe. „Nicht alle Ereignisse“, so Walter, „bekommen wir in den Griff.“

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Jedes Schadensereignis kostet Geld, Vorsorge ist daher der richtige Weg.

LHStv. Josef Geisler

Löwenanteil für Bauten an Flüssen und Wildbächen
Die heuer in Tirol veranschlagten 106,7 Millionen Euro zum Schutz vor Naturgefahren knüpfen fast an das bisherige Niveau (2025: 109,4 Millionen) an. Projekte an Tal- und Hauptgewässern (insgesamt 2000 Kilometer) sowie an Wildbächen machen dabei mit rund 72 Mio. € den Löwenanteil aus.

Arbeiten beim Märzenbach in Stumm
Arbeiten beim Märzenbach in Stumm(Bild: WLV Tirol)
Luden zum Pressetermin: Harald Oblasser, LHStv. Josef Geisler, Markus Federspiel und Gebhard ...
Luden zum Pressetermin: Harald Oblasser, LHStv. Josef Geisler, Markus Federspiel und Gebhard Walter (v.l.)(Bild: clavis)
Schutzwälder (Bezirk Kufstein) werden wiederbewaldet.
Schutzwälder (Bezirk Kufstein) werden wiederbewaldet.(Bild: WLV Tirol)
Nach den Muren im Gschnitztal hat man Teile des Geschiebes beim Bau neuer Schutzdämme verwendet.
Nach den Muren im Gschnitztal hat man Teile des Geschiebes beim Bau neuer Schutzdämme verwendet.(Bild: WLV Tirol)
Pleissen- und Krachentobel-Lawinenschutzbau im Paznaun
Pleissen- und Krachentobel-Lawinenschutzbau im Paznaun(Bild: WLV Tirol)

„Jedes Schadensereignis kostet Geld, Vorsorge ist daher der richtige Weg“, erklärte der zuständige LHStv Josef Geisler (ÖVP) und fügte hinzu: „Dieses Geld in Zeiten der Haushaltskonsolidierung aufzustellen ist eine Herausforderung.“ Ein Blick auf die Sparten:

  • Allein der Wasserbau hat heuer 60 Vorhaben auf der Liste. „Darunter sind natürlich auch Instandhaltungen“, erklärte Landes-Abteilungsvorstand Markus Federspiel. Beispiele sind Bauten an der Seeache in Achenkirch, am Kasbach bei Jenbach, an der Isel bei Lienz, im Villgratental bei Heinfels, bei Reutte oder das mehrjährige Projekt mit 13 Kilometern Länge an der Brixentaler Ache.
  • Die Wildbach- und Lawinenverbauung wickelte im Vorjahr 120 Projekte ab und investierte 54,9 Millionen Euro. Man zählte 25 akute Schadensereignisse. Heurige Schwerpunkte (51,6 Millionen Euro Budget) sind der Höttinger Bach in Innsbruck, ein großer Steinschlagschutz in Ischgl, ein Projekt am Dorfberg in Biberwier oder auch am Erlbach in Aschau im Zillertal.

Daten & Fakten

Die Übersicht über das Investitionsvolumen gegen Naturgefahren in Tirol im heurigen Jahr:

  • Schutz vor Tal- und Hauptgewässern: 36,9 Millionen Euro, größter Anteil im Bezirk Schwaz mit 5 Millionen Euro.
  • Schutz vor Wildbächen: 34,8 Millionen Euro, größter Anteil im Bezirk Innsbruck-Land mit 8,2 Millionen Euro.
  • Schutzwalderhaltung: 18,2 Millionen Euro, größter Anteil im Bezirk Lienz mit rund 5 Millionen Euro. Für den Schutzwald sind zusätzlich 1,27 Millionen Euro zur Bewältigung von unvorhergesehenen Ereignissen budgetiert.
  • Lawinenschutz: 12,1 Millionen Euro, größter Anteil im Bezirk Lienz mit 4,4 Millionen Euro. 
  • Erosions- und Steinschlagschutz: 4,6 Millionen Euro, größter Anteil im Bezirk Imst mit 1,1 Millionen Euro.

Die Mittel kommen aus mehreren Töpfen – Landwirtschaftsministerium, EU, Land Tirol sowie beteiligten Infrastrukturträgern, Gemeinden und auch Waldbesitzern.

  • Für den Tiroler Wald war 2025 ein positives Jahr. „Es ist lange her, dass wir das sagen konnten“, verwies Harald Oblasser, Vorstand der Gruppe Forst beim Land, auf ausreichende Feuchtigkeit. „Das ist ein entscheidender Faktor für die Abwehrkräfte gegen Borkenkäfer.“ Über den Landesforstgarten wurden rund drei Millionen Bäume verteilt. Der Anteil der Fichte geht dabei weiter zurück – zugunsten von Lärche, Tanne, Zirbe, Kiefer, Buche usw. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,8 Millionen Festmeter Holz genutzt. Der Schadholzanteil war geringer als in vielen anderen Jahren, betrug aber immer noch 60 Prozent. Der Tiroler (Schutz-)Wald kann also etwas aufatmen.
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