30.05.2021 06:01 |

Erstaunliche Kamera

Xiaomi Mi 11 Ultra um 1500 Euro am Prüfstand

Der chinesische Smartphone-Riese Xiaomi - mittlerweile Nummer drei der Weltrangliste - bringt mit dem Mi 11 Ultra eine noch einmal aufgebohrte neue Variante seines Android-Flaggschiffs Mi 11 nach Österreich. Um verwegene 1500 Euro soll es vor allem bei der Kamera noch mehr bieten als der kleine Bruder und sich in der Luxusklasse mit Geräten wie Samsungs Galaxy S21 Ultra messen. Wir haben Xiaomis Herausforderer getestet.

Noch vor ein paar Jahren vor allem für Geräte mit günstigem Preis-Leistungsverhältnis bekannt, buhlt Xiaomi mehr und mehr in der Luxusklasse um Kundschaft. Kein Wunder: Die Gewinnmarge bei einem Smartphone um mehr als 1000 Euro ist schlicht eine andere als bei einem 300-Euro-Gerät. Und wenn Apple, Samsung oder Huawei Abnehmer für superteure Luxus-Smartphones finden, dann doch auch Xiaomi. Oder?

Tolles Display, reichlich Rechenleistung
An der Hardware soll es nicht scheitern, im Mi 11 Ultra haben die Chinesen das Feinste verbaut, was der Markt hergibt. Dazu zählt ein exzellentes OLED-Display mit sehr scharfen 3200 mal 1440 Pixeln Auflösung und 120-Hertz-Bildwiederholrate samt HDR10, das mit viel Kontrast, leuchtenden Farben und hoher Helligkeit brilliert.

Für Rechenpower sorgt, gepaart mit zwölf Gigabyte RAM, Qualcomms Snapdragon 888: Der Achtkerner mit bis zu 2,84 Gigahertz Takt ist der derzeit schnellste Prozessor im Android-Lager und schultert mühelos Alltägliches, Multi-Tasking und Gaming. Es gibt 5G, neuestes WIFI 6E, Bluetooth 5.2, NFC, Infrarot, die üblichen Navi-Dienste, Stereo-Sound, ein wasserdichtes (IP68) Gehäuse, einen Fingerscanner im Display, 256 Gigabyte Speicher, einen dicken 5000-mAh-Akku - und ein Kamerasystem, wie wir es noch in keinem Handy gesehen haben.

Gewaltige Kamera - Hülle ist Pflicht
Das liegt nicht zuletzt an der Größe der gewaltigen Kamera-Ausbuchtung, die rund ein Viertel der Geräterückseite einnimmt und geradezu nach einer Hülle schreit, will man das Kamerasystem vor Kratzern schützen. Im Kamera-Buckel sind eine optisch stabilisierte 50-Megapixel-Kamera mit Laser-Autofokus als Hauptkamera, eine 48-Megapixel-Weitwinkelkamera und eine ebenfalls optisch stabilisierte Zoomkamera mit 48-Megapixel-Auflösung und Periskop-Optik installiert, daneben findet sich ein Dreifach-LED-Blitz - und ein kleines Info-Display, auf dem man bei gesperrtem Gerät die Uhrzeit angezeigt bekommt oder über eingehende Anrufe informiert wird. Nettes Gimmick!

Ersetzt locker die Kompaktkamera
Wie bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht anders zu erwarten, knipst das Mi 11 Ultra bei Tages- oder hellem Kunstlicht scharfe, farbechte und detailreiche Bilder. Bei gutem Licht ersetzt es mühelos die Kompaktkamera. Die hohe Lichtstärke (F/1.95) und der riesige Bildsensor der Hauptkamera sorgen dafür, dass das Mi 11 Ultra auch bei schlechtem Licht noch erstaunlich gute Bilder liefert. Im Test „sah“ das Xiaomi-Smartphone im Nachtmodus in einem nahezu stockdunklen Raum besser als des Rezensenten Augen und lieferte - wenn auch mit einer gewissen Verarbeitungszeit - eine helle und rauscharme, wenn auch nicht superscharfe Aufnahme, die sich nicht vor den Nachtmodi ähnlich teurer Geräte verstecken muss. Dämmerlicht ist folglich überhaupt kein Problem.

120-fach-Zoom bleibt Werbeschmäh
Zweit- und Drittkamera machen ebenfalls einen guten Job. Allerdings erlag Xiaomi hier der Versuchung, wie Samsung beim Galaxy S20, unhaltbare Versprechungen zu machen. Warb Samsung mit hundertfachen Zoom, druckt Xiaomi sogar „120x“-Zoom auf das Kameramodul. Werbewirksam, aber zu viel versprochen: Reizt man den 120-fach-Zoom (fünffach optisch, der Rest digital) aus, hat man es mit verschwommenem Pixelbrei zu tun. Brauchbare Ergebnisse liefert die Kamera bis etwa Zoomfaktor 40, im Schlechtlicht lässt die Performance (Blende F/4.1) - wie bei allen Zoom-Handys - schnell nach.

Nichtsdestotrotz gehört das Mi 11 Ultra bei den Zoomfähigkeiten zu den besseren Smartphones, liefert durchaus Oberklasseleistung - nur halt nicht auf dem Niveau, das der Hersteller prahlerisch aufs Kameramodul druckt. Zu den besten zählt das Mi 11 Ultra auch bei der Weitwinkelkamera: Die ist schön lichtstark (F/2.2), stellt schnell scharf und holt aus ihrem auflösungsstarken Sensor detaillierte Ergebnisse heraus - auch bei nahen Motiven. An der 20-Megapixel-Frontkamera gibt es auch nichts zu mäkeln.

Sauber verarbeitet, keine microSD, keine Klinke
Verarbeitung und Haptik des recht großen Mi 11 Ultra spielen auf dem Niveau anderer Luxus-Smartphones. Aus Metall und Glas gefertigt, mit hoher Gehäusesteifigkeit und ohne hässliche Spalten wirkt das Mi 11 Ultra wie aus einem Guss, die spiegelnde Rückseite und das wie erwähnt enorm große Kamerasystem machen aber eine Hülle nötig.

Der Fingerscanner im Display arbeitet zuverlässig, die Stereo-Speaker klingen vernünftig, Speicherkartenslot und Audioklinke fehlen leider. Der 5000-mAh-Akku bringt das Gerät problemlos durch den Tag - wenn man will auch im 120-Hertz-Modus, der etwas flüssigeres Gaming und Scrollen verspricht und bei Standbildern der Laufzeit zuliebe automatisch auf 60 Hertz drosselt.

Android 11 mit MIUI-Oberfläche
Ab Werk läuft auf dem Mi 11 Ultra Android 11 - überzogen mit Xiaomis hauseigener MIUI-Benutzeroberfläche, die Android-Kenner vor keine Herausforderungen stellen dürfte. Der Hersteller liefert regelmäßig Updates, die üblichen Google-Dienste, viele Xiaomi-eigene Apps und etwas Bloatware - ein Online-Shop, ein soziales Netzwerk, ein Reisebuchungsportal - sind vorinstalliert. Letztere kann ohne Weiteres deinstalliert werden. Die Analyse des Netzwerkverkehrs zeigt, dass das Mi 11 Ultra nach Hause telefoniert - zu Werbe- und Tracking-Servern, nicht nur zum Update-Server.

Fazit: Um 1500 Euro bekommt der Käufer eines Mi 11 Ultra ein sauber verarbeitetes und pfeilschnelles Oberklasse-Smartphone. Es glänzt mit tollem Display, exzellenter, aber übertrieben zoomstark beworbener Kamera, guter Laufzeit und moderner Ausstattung. Die Software ist gut bedienbar, aber neugierig. Bei der Hardware braucht man sich in Summe nicht vor der Konkurrenz aus den USA oder Südkorea verstecken, manch Gimmick - das Mini-Display hinten - findet man nur hier. Ob man dafür den Gegenwert einer digitalen Komplettausstattung aus Mittelklasse-Handy, Laptop und Spielkonsole hinlegen will, hängt von den Prioritäten des Kunden ab.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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