Postings auf Befehl?

Warum Dubais Influencer jetzt alle dasselbe sagen

Ausland
03.03.2026 17:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Bilder sind erschreckend – und vor allem vor der Luxus-Kulisse ungewohnt: Rauchwolken über der Palm Jumeirah, Trümmer nach Einschlägen, Sirenen und Panik in der Stadt. Doch nur wenige Stunden nach den iranischen Raketen- und Drohnenangriffen auf Dubai und andere Golfstaaten zeichnen viele dort lebende Influencer plötzlich ein ganz anderes Bild. Selfies am Strand, entspannte Blicke vom Balkon, Kinder beim Spielen – und stets die gleiche Botschaft: „Wir fühlen uns sicher.“ Diese Botschaften haben allerdings einen schalen Beigeschmack.

Die israelische Socialite und Influencerin Hofit Golan (40) berichtete etwa via Instagram, dass sie zwar erschöpft sei und die Nacht kaum geschlafen habe, sich aber sicher fühle: „Die Nachbarschaft ist ruhig und friedlich, wir sind sicher. Ich bin sehr dankbar, hier zu sein.“

Ähnlich reagierte Kate Ferdinand mit ihrer Familie, die wegen der Raketenangriffe in den Keller floh: „Wir sind safe. Die Regierung tut alles, um uns zu schützen.“

Ein einheitliches Social-Media-Narrativ
Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt derzeit vor allem ein etwas dubioses Bild: Zahlreiche Influencer posten nahezu identische Clips: Die Frage „Du lebst in Dubai. Hast du keine Angst?“ wird beantwortet mit „Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt“, untermalt von epischer Musik und Zeitlupen-Aufnahmen von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktum, Kronprinz Hamdan und den Flaggen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Diese Videos erscheinen so uniform, dass Follower bereits kommentieren: „Warum posten alle dasselbe?“ Experten werten dies als Mischung aus Imagepflege, Geschäftsinteresse und Loyalität gegenüber der Regierung. Die VAE wirtschaften stark über ihr Sicherheits- und Luxusimage: Tourismuseinnahmen, Investoren und Expats hängen davon ab, dass Dubai als „sicheres Paradies“ wahrgenommen wird.

Meldeten sich viele Influencer zuerst noch sorgenvoll zu den Attacken zu Wort, sind derlei ...
Meldeten sich viele Influencer zuerst noch sorgenvoll zu den Attacken zu Wort, sind derlei Stimmen mittlerweile fast vollständig verstummt.(Bild: AP/Altaf Qadri)

Realität vs. Inszenierung
Fakt ist: Seit Ende Februar 2026 flogen die USA und Israel Luftangriffe auf Iran, als Vergeltung feuerte Iran Hunderte Raketen und über 500 Drohnen auf Golfstaaten, darunter Dubai. Offiziell wurden zivile und militärische Ziele getroffen. Die VAE-Abwehrsysteme haben nach Angaben der Behörden über 90 Prozent der Raketen abgefangen – dennoch gab es drei Tote, Dutzende Verletzte, Schäden an Gebäuden und Flughafenschließungen.

Einige Influencer berichteten zuerst offen über ihre Angst und die Schäden, löschten diese Inhalte aber später wieder. „Wir dürfen nichts posten! Ich musste alles löschen!“, schrieb etwa Zara Secret. Andere, wie Nathalie Bleicher-Woth, bestätigten Zensur und den strikten Kodex der VAE: Kritik an der Regierung kann Visaverlust, Abschiebung oder Haft nach sich ziehen.

Zwischen Luxusleben und Risiko
Die Influencer sind nicht die Einzigen, die vom Konflikt betroffen sind: Rund 90  Prozent der Bevölkerung Dubais sind Expats. Viele leben dort wegen Steuerfreiheit, Luxus und Sicherheitsversprechen – und sind jetzt direkt von geopolitischen Spannungen betroffen. Während einige wie Fiona Erdmann Dubai vorübergehend verlassen, inszenieren andere ihr Leben weiter in Social-Media-Videos.

So wird deutlich: Hinter den beruhigenden Posts steckt eine Mischung aus tatsächlicher militärischer Absicherung, wirtschaftlichem Interesse und politischer Loyalität – die Grenze zwischen Realität und Inszenierung verschwimmt, während die Stadt versucht, ihr Image als sicheres Luxusparadies zu wahren.

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