03.05.2021 09:08 |

„Gibt kein Nullrisiko“

Virologe warnt vor mehr Rechten für Geimpfte

Mit dem zunehmenden Anlaufen der Corona-Impfkampagne mehrt sich auch der Wunsch zur Rückkehr in ein möglichst normales Leben. Der bekannte deutsche Virologe Martin Stürmer tritt bei derlei Forderungen aber noch auf die Bremse. Es gebe auch bei Geimpften noch ein Restrisiko für eine Infektion und sie könnten das Virus auch noch übertragen, so der Forscher. Durch zu rasche Lockerungen würde sich zudem die Gefahr vor impfresistenten Varianten erhöhen.

Der Nationalrat wird am Montag mit den Stimmen der Koalition den Status von bereits gegen das Coronavirus geimpften Personen aufwerten. Ab dem 19. Mai ist für sie dann kein Zugangstest für den Handel, körpernahe Dienstleister (Friseur und Co.) oder auch die Gastronomie erforderlich.

Die exakte Regelung muss das Gesundheitsministerium noch per Verordnung festlegen, derzeit wird aber davon ausgegangen, dass man drei Wochen nach dem Erhalt der ersten Impfdosis von der Testpflicht befreit wird.

Mit Getesteten gleichstellen?
Eine solche Vorgangsweise mache in einem ersten Schritt durchaus Sinn, erklärte Martin Stürmer in der ARD-Diskussionssendung „Anne Will“. Er begründete dies damit, dass die vorrangig genutzten Antigen-Schnelltests doch recht fehleranfällig seien und oft auch falsch negative Ergebnisse produzieren.

Auch Geimpfte können Virus übertragen
Mit Blick auf die Impfung mahnte der Forscher aber davor, den Eindruck zu haben, dass von Geimpften Personen keinerlei Gefahr mehr ausgehe. „Es gibt kein Nullrisiko“, verwies Stürmer auf die derzeit vorliegenden Studien, die sehr wohl gezeigt hätten, dass sich Menschen nach der Immunisierung angesteckt oder das Virus gar übertragen haben. Die Virusmengen seien dann zwar nicht mehr so hoch, es gebe aber dennoch ein Restrisiko.

Trotz Impfung sei es also weiter geboten Abstand zu halten und die Kontakte zu reduzieren. Schlicht: sich dennoch an die gängigen Corona-Regeln zu halten.

„Riskieren impfresistente Varianten“
„Wir erlauben uns derzeit eine unkluge Situation“, warnt Stürmer: Auf der einen Seite komme man mit den Impfungen mittlerweile recht gut voran, auf der anderen Seite gebe es noch immer zu viele Neuinfizierte pro Tag. Durch diese Kombination „der Virusvermehrung auf einem hohen Level und dem Selektionsdruck durch die Impfung riskieren wir impfresistente Varianten“, so der Forscher.

Parallel zum Impfen müsse man also darauf achten, dass auch die Fallzahlen deutlich gedrückt werden, spielte der Virologe auf Öffnungsschritte an. „Wir dürfen das Virus nicht unterschätzen.“

Normalität erst, wenn genug Menschen geimpft sind
Dass Geimpften also bereits bald mehr Rechte zugesprochen werden würden, sieht der Virologe kritisch. Erst, wenn es tatsächlich die Möglichkeit gibt, jeden gegen das Virus zu impfen, mache es Sinn wieder ein Stück in Richtung Normalität zurückzukehren, meint Stürmer.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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