Wir haben uns den Babler-Film angesehen, damit Sie es nicht müssen. Und mit uns waren bei dem mit mehr als einer halben Million Euro geförderten Film fünf weitere Personen im Kinosaal. Es war ein einsames Kino-Erlebnis.
Seit Ende April läuft eine ganz besondere heimische Filmproduktion in unseren Kinos. Für den Dokumentarfilm „Wahlkampf“ begleitete der Regisseur Harald Friedl Andreas Babler beim Nationalratswahlkampf 2024, der bekanntlich mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der SPÖ, aber dennoch mit einer roten Koalitionsbeteiligung endete. Das alleine wäre vielleicht inhaltlich hinterfragenswert, aber noch kein Skandal.
550.000 Euro Steuergeld
Pikant ist aber: dieser filmische Blick hinter die Kulissen, der wohl weniger die breite Masse als eingefleischte Babler-Fans ansprechen soll, wurde mit der stattlichen Summe von 553.000 Euro Steuergeld gefördert. Durchgewunken wurde das Ganze obskurer Weise aber nicht von der SPÖ, sondern von der schwarz-grünen Vorgängerregierung. „Die Filmförderung wird in Österreich von unabhängigen Jurys vergeben, auch für den Film ‘Wahlkampf‘ unter meinem Vorgänger. Auf die Förderentscheidungen können Politiker keinen Einfluss nehmen“, lässt uns Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler selbst wissen. In Zeiten des Spardrucks unseres Landes ist die Frage dennoch legitim: ist die Doku ihr (oder vielmehr unser) Geld wert?
Weniger Zuseher als Besucher bei SPÖ-Parteitag
Für die österreichischen Kinogänger offenbar weniger. Innerhalb der Premierenwoche wollten laut offiziellen Zahlen der „Film Austria“ nur 895 Besucher den Film sehen. Zum Vergleich: selbst beim roten Parteitag, der Ende März stattfand, nahmen mehr rote Delegierte teil, als sich Interessierte für den Babler-Film fanden. In der ersten Woche wurde jede einzelne, verkaufte Kinokarte demnach mit 617 Euro gefördert. Ein für den Staat teures Kino-Ereignis.
Andreas Babler ist nicht der einzige Politiker, dem ein ganzer Kinofilm gewidmet wurde. International erschien zuletzt der Film „Melania“ über die Gattin des US-Präsidenten. Zwar spielte der Film etwa 14 Millionen Euro an den Kinokassen ein, die Ausgaben für den Film konnte er aber bei weitem nicht wieder hineinholen. Offizielle Zahlen über Abrufe gibt der Streamingdienst Amazon Video nicht frei – wohl, weil Amazon selbst den Film auch produziert hat und Amazon-Chef Jeff Bezos zumindest zuletzt die Nähe zu Trump sucht.
In Österreich war mit „Kurz. Der Film“ die letzte größere Polit-Doku im Kino gelaufen. Kritiker sahen in der Veröffentlichung des Filmes den Versuch des „Abstechens“ des Kurz-kritischen Konkurrenzfilmes „Projekt Ballhausplatz“, der zeitgleich im Kino lief. Aber auch Sebastian Kurz interessierte nur wenige – innerhalb einer Woche kamen lediglich rund 4000 Besucher, um den Film zu sehen. Dennoch mehr als bei Andreas Babler.
Der nächste Polit-Film steht schon in den Startlöchern. In „BRUNO“ spielt Nils Arztmann den jungen Bruno Kreisky. Auch dieser Film ist gut gefördert: er erhält fast 4 Millionen Euro Fördermittel, davon 750.000 Euro vom ORF. Kinostart ist im Herbst 2026.
Redakteurin war fast alleine im Kino
Auch bei unserem Kino-Besuch blieb der große Besucherandrang aus. Krone.tv-Infochefin Katia Wagner genoss den Film mit viel Bewegungsfreiheit – mit ihr waren nur fünf andere Zuseher im Saal, der insgesamt Platz für 66 Zuseher hätte. „Drei Männer sahen sich den Film alleine an. Und ein verliebtes Pärchen – ich persönlich könnte mir ja ein romantischeres Date vorstellen, als zu Andreas Babler zu kuscheln“, sagt sie lachend. Wer glaubt, dass die geringe Auslastung Zufall sei, irrt, denn: Auch an den Folgetagen finden sich im Online-System noch genügend freie Plätze zur Reservierung. Man hatte bis kurz vor Filmbeginn noch den ganzen Saal zur Auswahl.
Babler im Auto, Babler bei Besprechungen, Babler für Social Media
Der Film selbst überrascht auch inhaltlich mit nichts Neuen. Mit nüchternem Blick „darf“ der Zuseher dem Wahlkampfteam von Andreas Babler folgen. Er lernt, dass Babler nicht nähen kann, sieht, wie Babler sich auf Interviews vorbereitet (unter anderem auf das mit „Krone“-Interviewerin Conny Bischofberger) und staunt, wie Bablers Social Media Videos produziert werden. Kritische Einordnungen fehlen, zu Hinterfragen ist aber auch nicht die Intention des Regisseurs. Er möchte nur beobachten.
Hätte der Regisseur auch eine geförderte Doku über Kickl gedreht?
Unsere Nachfrage, ob Harald Friedel auch eine Dokumentation über Herbert Kickl (FPÖ) gedreht hätte und ob er selbst die Förderung von mehr als einer halben Million Euro gerechtfertigt findet, kam übrigens keine Antwort. Wahrscheinlich ist das aber auch schon Antwort genug.
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