Geheimnis gelüftet

Kind im Sarg von Bischof ist vermutlich sein Enkel

Wissenschaft
12.04.2021 12:48

Die Mumie des dänisch-schwedischen Bischofs von Roskilde, Peder Winstrup (1605 bis 1679), gilt als eine der am besten erhaltenen des 17. Jahrhunderts. Bei Röntgenuntersuchungen hat man zu Füßen des evangelisch-lutherischen Gottesmannes die Überreste eines Fötus entdeckt. Jetzt konnten Forscher dessen Identität lüften. Der Bischof liegt wahrscheinlich mit seinem Enkel in dem 342 Jahre alten Sarg.

Schwedische Forscher haben nun mithilfe von DNA-Material des Bischofs und des Fötus einen familiären Zusammenhang hergestellt, wie die Universität Lund mitteilte. Der in ein Leinentuch eingewickelte Fötus (Bild unten) soll fünf bis sechs Monate alt gewesen sein.

(Bild: Lund University/Gunnar Menander)

Verwandtschaft zweiten Grades
Die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen zeigten, dass es sich bei dem Fötus um einen Buben und eine Verwandtschaft zweiten Grades handelte. Winstrup, der 1679 gestorben war, und der tot geborene Bub teilten 25 Prozent der Gene. Die beteiligten Forscher vom Zentrum für Paläogenetik der Universität Stockholm fanden heraus, dass die Verwandtschaft über die Linie des Vaters ging.

Peder Pedersen Winstrup verlor 1680 das Eigentum seines Vaters und lebte nach Ansicht von Historikern am Ende seines Lebens von Almosen. Den verstorbenen Fötus in den Sarg des Bischofs zu legen, könnte demnach eine symbolträchtige Handlung gewesen sein.

„Es war nicht ungewöhnlich, dass kleine Kinder mit Erwachsenen in Särge gelegt wurden. Der Fötus wurde möglicherweise nach der Beerdigung in den Sarg gelegt, als er sich in einem Gewölbegrab im Dom von Lund befand und daher zugänglich war“, sagt Torbjörn Ahlström, Professor für historische Osteologie an der Universität Lund.

Verblüffend gut erhaltener Körper
Die Leiche des Bischofs Winstrup gilt als einer der am besten erhaltenen menschlichen Körper aus dem 17. Jahrhundert. Die Kleidung, die Haut, die Knochen und inneren Organe sind auch Jahrhunderte später verblüffend gut erhalten. Dass sich der Körper des Geistlichen so gut gehalten hat, habe mehrere Gründe wie sein Tod im Winter und eine ständige Luftzirkulation seiner Leiche. Auch die im Sarg hinzugefügten Beigaben wie Hopfen, Wacholderbeeren und Wermut haben den Verwesungsprozess vermutlich aufgehalten.

(Bild: Lund University/Gunnar Menander)

Winstrup wurde anno 1605 in Kopenhagen geboren. Er war Professor der Philosophie und Physik, Doktor der Theologie, Architekt und Drucker. Mit 33 Jahren wurde er Bischof in Lund und nahm die schwedische Staatsbürgerschaft an. Er galt nach Angaben der Historiker als geschickter Diplomat, da er zwischen dem schwedischen und dem dänischen König vermittelte. Auf die Initiative Winstrups hin war die Universität in Lund gegründet worden.

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