Drei Haftstrafen
KZ-Schriftzug gestohlen: Urteile für Hintermänner
Ebenfalls ohne Verhandlung wurden zwei in den Diebstahl verwickelte Polen verurteilt. Marcin A., der den Kontakt zwischen H. und den Dieben herstellte, erhielt zwei Jahre und sechs Monate Haft. Andrzej S., der die Diebe anwarb, verliert für zwei Jahre und vier Monate die Freiheit. Die eigentlichen drei Diebe hatten schon im vergangenen März Haftstrafen zwischen 1,5 und zwei Jahren ohne Bewährung erhalten. Sie hatten die Tat ebenfalls zugegeben und so eine Verhandlung vermieden.
Der Diebstahl am 18. Dezember sorgte weltweit für Aufsehen. Der ehemalige Auschwitz-Häftling und spätere polnische Botschafter in Wien und Außenminister Wladyslaw Bartoszewski sagte zu Journalisten, die Tat "errege im katholischen Polen besondere Empörung". Der israelische Präsident Shimon Peres erklärte der Zeitung "Jerusalem Post", er erwarte von den polnischen Behörden "Schritte, damit die Verbrecher gefasst werden und die Schrift an ihren Ort zurückkehrt".
Hintergründe unklar
Die polnische Polizei fand den Schriftzug am vierten Tag nach dem Diebstahl in einem Dorf bei Torun, der Hinweis war von einem der Diebe gekommen. Allerdings war das Diebesgut in drei Teile zersägt worden. Über die festgenommenen Polen führte die Spur zu H., der sich freiwillig bei der Polizei meldete, als ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorlag. Im April lieferte Schweden ihn nach Polen aus.
Rätselhaft bleiben nach wie vor die Hintergründe der Straftat. Der 35-jährige Anders H. gehörte nach schwedischen Medienberichten früher der dortigen rechtsradikalen Szene an, sagte sich aber schon vor über zehn Jahren öffentlich von deren Anschauungen los. Gegenüber den Behörden gab er an, für einen reichen Auftraggeber gehandelt zu haben. Über mögliche Personen tauchten in der Öffentlichkeit immer wieder Mutmaßungen auf, darunter die Namen von Millionären in Schweden und Großbritannien. Die polnische Staatsanwaltschaft klammerte die Frage nach einem möglichen Auftraggeber für H. mangels Beweisen aus dem Ermittlungsverfahren aus.
Symbol für Faschismus und Völkermord
Der Schriftzug "Arbeit macht frei" wurde in einer zum Konzentrationslager gehörenden Schlosserei angefertigt. Er befand sich über dem sogenannten Stammlager Auschwitz I, das 1940 eingerichtet wurde und wo zunächst vor allem nicht-jüdische polnische Gefangene untergebracht waren. Weit mehr der insgesamt rund 1,1 Millionen in Auschwitz ermordeten Menschen kamen im Lager Auschwitz II-Birkenau um, unter ihnen rund eine Million Juden. Seit dem Diebstahl vor einem Jahr ist über dem Lagereingang eine Kopie des Schriftzuges "Arbeit macht frei" angebracht.
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