Eine große Rolle spielten geheime Boten in der grotesken Welt von Pleitebanker Martin Pucher. Ein Verdächtiger, der in seinem Auftrag mit gefälschten Bankbriefen in Österreich unterwegs gewesen sein soll, gab im U-Ausschuss kein gutes Bild ab. Vieles, was er den Ermittlern zu Protokoll gegeben hatte, stritt er nun ab.
Im Auftrag des Pleitebankers und SVM-Bosses soll der vorgeladene Beschuldigte mit einem Zeugwart vielerorts fingierte Bankbriefe aufgegeben haben. Das hat Pucher angegeben. Mitunter könnte es sich um vorgetäuschte Kreditbestätigungen auf gefälschten Unterlagen anderer Banken gehandelt haben, aber mit echtem Poststempel. „Ich habe weder Kuverts noch Schwarzgeld transportiert“, verteidigte sich der Verdächtige. Zu anderen Fragen schwieg er und berief sich auf die laufenden Ermittlungen gegen ihn. Weiters abgestritten hat der Unternehmer - zuständig für Instandhaltungen im Pappelstadion Mattersburg und in Bankfilialen -, dass er mit Pucher nach Zürich geflogen sei. In einer früheren Einvernahme hatte er jedoch bereits zugegeben, diesen Flug mit dem Ex-Bankchef unternommen zu haben. Ein Beleg des betreffenden Tickets liegt der „Krone“ vor (siehe Faksimile).
Wie das „System Pucher“ aufgebaut war, zeigte auch die Befragung des früheren Geschäftsführers des Florianihofes und des SVM-Cafés in Mattersburg. Sein Verhältnis zu dem Ex-Banker beschrieb er - so wie etliche andere Zeugen in den vergangenen Wochen - kurz und bündig: „Wenn Pucher was wollte, mussten wir springen.“ Privat gab es keinen Kontakt. Dreimal sei der Geschäftsführer bei dem Banker daheim gewesen: „Einmal ging es ums Catering, ein anderes Mal um neue Bons auf dem Sportplatz. 2017 habe ich ihm erstmals persönlich Frohe Ostern gewünscht, und wurde dann aus dem Haus rausgeschmissen.“ Mit dem Abstieg des SVM sei Pucher grantiger geworden. Ob es verdeckte Zahlungen zwischen der Bank und dem SVM-Café gegeben habe, wollte der Ex-Geschäftsführer nicht sagen. Auch nicht, ob direkte Zahlungen an ihn selbst gegangen seien. Er ist einer der Beschuldigten im Bankskandal, ein Strafverfahren ist anhängig. Detail am Rande: Zum Geburtstag gab es einen Silberbarren, zur Hochzeit Golddukaten.
Neun Millionen Euro hat das Budget des Fußballklubs SVM in den besten Zeiten ausgemacht. Das gab der frühere Trainer Franz Lederer an. Mit den Finanzen habe er sich aber nicht befasst. Wie das Geld aus dem Sponsoring zum Klub gekommen ist, habe ihn nie interessiert. Seine ganze Aufmerksamkeit galt den Spielern, der Mannschaft und den sportlichen Leistungen. „Pucher war der Chef. Das hat jeder gewusst, das hat er auch jeden spüren lassen. Das wird in der Fußballbranche öfter so sein“, sagte Lederer, der bis 2018 beim SVM sportlicher Leiter war. Dass ihn der damalige Landesrat Christian Illedits danach bei der Jobsuche unterstützt hatte, kritisierten sowohl ÖVP als auch die Grünen als „Freunderlwirtschaft“ und „Postenschacher“. Positive Worte bekam Lederer ganz zum Schluss der Sitzung zu hören: „Wir danken, was Sie für den Sport geleistet haben!“
Karl Grammer, Kronen Zeitung
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