Lediglich mit 14 zu 9

Marek mit knapper Mehrheit zur VP-Klubobfrau gewählt

Wien
12.11.2010 17:22
Nun ist es offiziell besiegelt: Christine Marek wird neue Klubobfrau der Wiener ÖVP. Sie wurde am Freitagnachmittag in einer knapp eineinhalbstündigen Klub-Vollversammlung mit 14 zu neun Stimmen gewählt. Damit ist Marek nun nicht nur Landesparteichefin der Stadtschwarzen, sondern auch deren Klubchefin.

Mareks Wien-Wechsel sorgte seit dessen Bekanntgabe am vergangenen Sonntag für heftige Unruhe in der Partei - vor allem seitens des Wirtschaftsflügels, der eine ÖAAB-Dominanz bei den Stadtschwarzen ortete, etwa bei der Bestellung von Wolfgang Gerstl zum nicht-amtsführenden Stadtrat (mehr siehe Infobox). Kürzlich hatte Marek bereits angekündigt, in den kommenden Monaten an der Neupositionierung und -strukturierung der Wiener Volkspartei zu arbeiten.

Marek will "Zweifler ins Boot holen"
Nach der äußerst bescheidenen Zustimmung bei ihrer Wahl will Marek jene, die gegen sie votiert haben, auf ihre Seite ziehen. "Es wird eine meiner zentralen Herausforderungen sein, intern für Einigkeit zu sorgen und die Zweifler ins Boot zu holen", sagte Marek nach dem Ende der Klub-Vollversammlung. Die Partei befinde sich nach dem schlechten Wahlergebnis bei der Wien-Wahl in schwierigen Zeiten, interpretierte die designierte Klubchefin die relative hohe Zahl an Gegenstimmen.

"Ich übernehme einen gut geführten Klub, der gut dasteht", versicherte Marek. Dem inneren Frieden der Stadtschwarzen keinesfalls abträglich sah sie die Tatsache, dass nach den aktuellen Personalentscheidungen sämtliche Spitzenpositionen in der Wiener ÖVP mit Vertretern des ÖAAB besetzt sind – wobei: "Es wird vielleicht einzelne geben, die das als Argument für ihre Stimme (gegen Marek, Anm.) herangezogen haben." Es sei dabei aber weniger um bündische Überlegungen gegangen, sondern um die betreffenden Persönlichkeiten. Zudem seien im künftigen Landtag bzw. Gemeinderat eine Reihe von Wirtschaftsbündlern vertreten.

Bis 2013 soll Wiener ÖVP wieder auf die Beine kommen
In ihrer neuen Funktion und als - bereits vor der Wien-Wahl bestellte - Landesparteichefin will Marek der Partei eine inhaltliche Neuorientierung verpassen. Besonders die Bezirke und Funktionäre sollen eingebunden werden. Danach gefragt, wie viel Zeit sie sich für diese Aufgabe gebe, nannte die Noch-Staatssekretärin die Nationalratswahl im Jahr 2013. Diese sei die erste große Herausforderung für die Wiener ÖVP, wieder Tritt zu fassen.

Marek bedankte sich zudem bei Noch-Klubobmann Matthias Tschirf für die "sehr amikale Übergabe", die in diesen schweren Zeiten besonders wichtig sei. Tschirf wünschte wiederum seiner Nachfolgerin viel Erfolg "für die interessante, auch oft schwierige Aufgabe". Offiziell übernehmen wird Marek ihr neues Amt bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung, die Ende November stattfinden soll.

Seit knapp einem Jahr in Wien aktiv
Vor ziemlich genau einem Jahr, im November 2009, tat Marek ihren ersten Schritt in die Kommunalpolitik. Als Nachfolgerin von Johannes Hahn, der als EU-Kommissar nach Brüssel ging, übernahm sie die Wiener ÖVP, die traditionell als schwieriges Pflaster gilt und diesem Ruf zuvor auch durch interne Querelen um die Parteispitze einmal mehr gerecht geworden war. Dabei war der mitunter als "quirlig" beschriebenen Politikerin die Wiener Kommunalpolitik keineswegs in die Wiege gelegt worden: Geboren ist Marek am 26. Jänner 1968 in Kempten (Bayern), aufgewachsen ist sie großteils in Oberösterreich. Seit 1991 wohnt sie in der Bundeshauptstadt.

Kaum an der Parteispitze, galt es für Marek denn auch schon, in den Wahlkampf zu ziehen. Und der brachte für manche, die mit ihr als Vertreterin einer liberalen, urbanen Stadtpartei in der Tradition der "Bunten Vögel" gerechnet hatten, die eine oder andere Überraschung. Eine harte Hand gegen Kriminelle wurde in Aussicht gestellt, in der Integrationsfrage wurde ihr angesichts strenger Sager zur Sprachkompetenz "Gouvernantenhaftigkeit" attestiert. Bekannt wurde auch ihre Ablehnung eines "Pipifax-Ressorts".

Ferry Maier sah Marek "vercoacht"
Die Wiener ÖVP habe im Wahlkampf versucht, die FPÖ in Sachen Hardlining zu überholen - ein sinnloses Unterfangen, das letztendlich der Glaubwürdigkeit der Kandidatin geschadet habe, monierten Kritiker auch in den eigenen Reihen. "Vercoacht" etwa sah der Wiener ÖVP-Politiker Ferry Maier die Spitzenkandidatin im Nachhinein. Die offizielle ÖVP-Erklärung verweist auf die sehr kurze Zeit, die Marek an der Parteispitze hatte.

Am Wahlabend stand Marek mit versteinerter Miene vor einem historisch schlechten Ergebnis. Die ÖVP kam nach Auszählung der Briefwahlstimmen auf 14 Prozent und 13 Mandate - 4,8 Prozentpunkte und fünf Mandate weniger als 2005. Die nächsten Wochen machten es der Parteichefin nicht leichter. Ihren Kandidaten für die Landesgeschäftsführung, Christoph Hörhan, brachte sie nicht durch. Die Entscheidung des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl, mit den Grünen in Koalitionsverhandlungen zu treten, konnte sie da nur mehr resigniert kommentieren.

Verbleib in Regierung oder Wien-Wechsel lange unklar
Immer wieder wurde vonseiten der Bundes-ÖVP in der Folge versichert, dass die Frage nach Mareks Zukunft auf Bundesebene allein von ihr selbst zu beantworten sei. Parteichef Pröll äußerte sich in diesem Sinne, ÖAAB-Obmann und Außenminister Michael Spindelegger machte sich dagegen dezidiert für ihren Verbleib in der Regierung stark. Am Freitag wurde es dann fix: Marek wurde zur Klubobfrau der Wiener ÖVP bestellt. Als Nachfolgerin im Staatssekretariat wurde am selben Tag die Tirolerin Verena Remler präsentiert.

Von Parteifreunden und -gegnern wird Marek mehrheitlich als umgänglich und warmherzig beschrieben. Ihr Hobby ist die Musik, teils in eigener Ausprägung: So ist die Parteichefin leidenschaftliche Karaokesängerin. Aber auch der Chor des Parlaments und des Bundesrates war auf ihre Initiative 2004 hin gegründet worden. Vor und neben der politischen Karriere sammelte Marek ab 1988 berufliche Erfahrungen als kaufmännische Angestellte etwa der Voest Alpine oder der Österreichischen Lotterien.

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