Eigentlich sollte der elektronische Eltern-Kind-Pass am 1. Oktober österreichweit an den Start gehen. Eigentlich! Jetzt steht fest: Er kommt erst ein Jahr später. Wer genau hinschaut, erkennt schnell, wer dafür verantwortlich ist. Wien hatte Bauchweh – und findet dafür klare Worte.
SPÖ-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig hatte noch große Worte parat: „Digitalisierung ist zentral, wenn wir unser Gesundheitssystem in die Zukunft bringen wollen. Österreich hat hier dringenden Aufholbedarf. Darum können wir uns keine Verzögerungen leisten.“ Wenig später verkündete sie genau das: eine Verzögerung um ein volles Jahr. „Wir können es uns aber auch nicht leisten, das Vertrauen in ein so wichtiges Projekt zu gefährden, weil es in der Praxis nicht verlässlich funktioniert“, schob sie nach.
Ohne Testlauf hätten Komplikationen bei der Einführung medizinische Folgen für Mütter und Kinder haben können. Das widerspricht fachlichen Standards.

Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat Wien
Bild: Mario Urbantschitsch
Die deutliche Warnung aus dem Wiener Rathaus
Was in der offiziellen Aussendung fehlt: Schon am Wochenende sprach die Ärztekammer von einer „Intervention der Stadt Wien“. Die „Krone“ konfrontierte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker mit dem Vorwurf – und bekam eine klare Antwort. Der Bund wollte den Pass „ohne vorherige Erprobungsphase vollumfänglich“ einführen. Hackers Urteil: „Das Festhalten an einem ,Big-Bang-Szenario‘ ohne ausreichende Testphasen widerspricht auch fachlichen Standards.“
Medizinische und finanzielle Folgen für Eltern und Kinder
Die Folgen eines Fehlstarts hätten laut Hacker vor allem medizinisch und finanziell jene getroffen, die sich nicht wehren können: „Das Risiko des Gelingens tragen im Wesentlichen die Mütter und die Kinder.“ Erst im Laufe des Jahres 2027 wären technische Fehler im laufenden Betrieb überhaupt feststellbar gewesen – korrigierbar erst danach.
Deshalb pochten Wien und weitere Bundesländer auf eine schrittweise Einführung „in ausgewählten Pilot-Geburtsstationen“, mindestens ein halbes Jahr lang. „Diesen Beschluss in der Bundeszielsteuerungskommission hat Wien eingebracht und wurde von den Ländern mitgetragen“, so Hacker.
Einig sind sich alle nur bei einem Punkt
Gegen den digitalen Pass an sich hat freilich niemand etwas – alle Bundesländer befürworten die Einführung. Nur eben nicht auf Kosten der Sicherheit.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.