02.12.2020 16:10 |

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Eine kleine Revolution: Hyundais neue E-Plattform

Hyundai hat eine reine Elektroauto-Plattform präsentiert, die künftig konzernweit in Fahrzeugen vom Kleinwagen bis zum Mittelklasse-Stromer oder Sportwagen eingesetzt werden soll. Sie soll Reichweiten bis zu 500 Kilometer nach WLTP ermöglichen, für eine 80-Prozent-Ladung sollen gerade mal 18 Minuten nötig sein.

Der Standard-Radstand misst opulente drei Meter, verspricht also viel Platz im Innenraum. Je nach Bedarf kann die Plattform adaptiert werden, Radstand und Überhänge sind variabel, ebenso natürlich die Karosserieformen. Allen Modellen gemeinsam sein sollen besondere Fahrdynamik und -sicherheit sowie maximale Raumausnutzung.

Die Lithium-Ionen-Akkus befinden sich im Fahrzeugboden zwischen den Achsen, wodurch der Fahrzeugschwerpunkt tief gehalten wird, was wiederum den Fahreigenschaften zugutekommt. Alle Fahrzeuge, die mit der E-GMP-Plattform entwickelt wurden, verwenden einen einzigen standardisierten Typ von Batteriemodulen. Dieses Modul besteht aus Pouch-Zellen und kann je nach Bedarf für jedes Fahrzeug in unterschiedlichen Mengen verpackt werden.

Das erste Auto, das auf der E-GMP genannten Plattform basiert, wird der Ioniq 5 sein, der in Europa im April/Mai 2021 auf den Markt kommen soll (Ioniq ist die neue Elektro-Marke der Hyundai Motor Corporation).

800 Volt für alle
E-GMP setzt auf eine Batteriespannung von 800 Volt, womit diese hohe Spannung erstmals in einem Volumenmodell verfügbar sein wird (das erste Auto mit 800-Volt-Netz war der Porsche Taycan). Im Vergleich zu den üblichen 400 Volt fast aller anderen Elektroautos halbiert sich die Schnellladezeit mit 800 Volt. Im besten Fall lädt Hyundai mit 300 kW, wodurch die extrem kurze Ladezeit von 18 Minuten für 80 Prozent oder fünf Minuten für eine Reichweite von 100 Kilometer möglich wird. Es kann jedoch auch an 400-Volt-Stationen geladen werden, dann jedoch naturgemäß nur mit maximal 150 kW. Beim Wechselstromladen zu Hause zieht die E-GMP-Batterie Strom mit bis zu 11 kW.

Eine Besonderheit von E-GMP: Es kann nicht nur geladen werden, sondern auch selbst als Energielieferant dienen. Die neu entwickelte Integrierte Ladekontroll-Einheit (ICCU) ermöglicht eine neue Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), mit der man andere elektrische Verbraucher (110/220 V) betreiben oder mit bis zu 3,6 kW sogar ein anderes Elektrofahrzeug laden kann.

Heck- oder Allrad, einer oder zwei Motoren
Grundsätzlich basiert E-GMP auf Heckantrieb, d.h. es sitzt immer ein Elektromotor an der Fünflenker-Hinterachse, der diese auch antreibt. Optional wird es einen zweiten Motor und damit Allradantrieb geben, der die Vorderachse versorgt und abgekuppelt wird, wenn er gerade nicht benötigt wird.

Motor, EV-Getriebe und Wechselrichter sind in einem einzigen kompakten Modul integriert. Die maximale Drehzahl des Motors liegt nach Hyundai-Angaben im Vergleich zu bestehenden Motoren um bis zu 70 Prozent höher. Der Hochdrehzahlmotor soll bei vergleichbarer Leistung kleiner sein als andere Motoren und einen hohen Wirkungsgrad bei geringem Platzbedarf und Gewicht bieten.

Das Wechselrichter-Leistungsmodul verwendet Siliziumkarbid (SiC)-Halbleiter, was die Systemeffizienz verbessern und etwa fünf Prozent mehr Reichweite mit derselben Batterieenergie ermöglichen soll.

Bis zu 600 PS geplant
Offiziell noch nicht final beschlossen, aber „sehr wahrscheinlich“ (Entwicklungsleiter Albert Biermann bei der Online-Präsentation) ist ein Hyundai-N-Performance-Modell mit 600 PS Gesamtleistung. Dieser Sportwagen soll in weniger als 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten können und bis zu 260 km/h erreichen.

Selbst in diesem Fall ist kein Zweigang-Getriebe wie im Porsche Tycan vorgesehen, da die E-Maschinen mit bis zu 20.000 Umdrehungen pro Minute arbeiten können.

Wie viel Garantie auf die E-GMP-Akkus gegeben wird, ist noch nicht beschlossen. Biermann sprach allerdings davon, dass die Leistung zu den weitestreichenden am Markt gehören soll.

Bis zum Jahr 2025 wollen die Koreaner elf reine Elektroautos auf den Markt bringen, die meisten davon auf E-GMP basierend, aber es werden auch weiterhin Stromer produziert, die auf Verbrenner-Plattformen aufbauen. Außerdem Hybridantriebe und Brennstoffzellenfahrzeuge.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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