27.11.2020 14:14 |

Trotz Widerstands

Facebooks Kryptogeld Libra offenbar kurz vor Start

Facebook möchte offenbar bereits im kommenden Jänner seine umstrittene Kryptowährung Libra an den Start bringen. Das berichten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach will die in der Schweiz für den Aufbau des Kryptogeldes gegründete Libra Association zunächst eine digitale Münze anbieten, die an den Dollar gekoppelt ist. Damit würde der Marktstart schmaler als erwartet ausfallen.

Noch im Frühjahr hatte der US-Konzern - nach massiven Bedenken von Regierungen und Finanzwächtern - seine Pläne zurückgeschraubt und angekündigt, mehrere Cyberdevisen anbieten zu wollen, die an einzelne Währungen wie möglicherweise den Euro, den Dollar oder an das britische Pfund angebunden sind. Facebook wollte keine Stellung zu dem Bericht der „Financial Times“ nehmen. Das soziale Netzwerk will mit Libra nach eigenen Angaben einerseits Bezahlvorgänge beschleunigen und andererseits rund einer Milliarde Menschen ohne Bankkonto einen Anschluss an Finanzflüsse erleichtern. Die Idee stößt aber bei Politikern und Zentralbanken zum Teil auf heftigen Widerstand. Sie befürchten, dass Facebook in die Hoheit von Notenbanken eingreifen könnte.

Deutscher Finanzminister lehnt unreguliertes privates Digitalgeld ab
Erst am Freitag erteilte Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz unregulierten Digitalwährungen von Privatunternehmen eine Abfuhr. Sie dürften aus Sicht des Ministers nicht in Europa eingeführt werden. Solche Digitaldevisen stellten keine Option dar, sagt Scholz auf einer Veranstaltung der Deutschen Bundesbank. „Das ist eine Frage der Finanzstabilität und daher auch eine Frage der Stabilität unserer Volkswirtschaften“, sagte er. „Ich werde keine privatwirtschaftlich herausgegebene Parallelwährung unterstützen.“

Scholz für digitalen Euro
Scholz sprach sich stattdessen für einen digitalen Euro aus, an dem die Europäische Zentralbank derzeit arbeitet. „Es gibt eine Nachfrage nach digitalem Geld unter Verbrauchern und Unternehmen gleichermaßen“, so Scholz. Dieser Nachfrage müsse nachgekommen werden. Das könnte Erneuerungen in Europa ankurbeln. Überlegtes, aber rasches Handeln sei notwendig. Es gehe um Neuerungen, technologische Führung und den Euro. „Zum digitalen Euro, denke ich, wir sollten sehr hart arbeiten.“ Einfach abwarten und sehen, gehe nicht.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde forderte im Oktober, den Euro „fit für das digitale Zeitalter“ zu machen. Daher sollte aus ihrer Sicht die EZB vorbereitet sein, einen digitalen Euro bereitzustellen, falls es Bedarf dafür gebe. Bis etwa Mitte 2021 will die Europäische Zentralbank entscheiden, ob ein solches Projekt auf den Weg gebracht werden soll.

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