Bei Autoverkauf im Web

Internet-Betrüger gekonnt an der Nase herumgeführt

Tirol
24.06.2026 08:00

Gestohlene Ausweise, gefälschte Belege und viel Druck: Ein Fotograf ließ sich von Betrügern nicht täuschen und führte sie sogar an der Nase herum. Doch die Masche der Gauner kann jeden treffen.

Immer wieder täuschen fiese Betrüger auf Gebrauchtwagen-Portalen ihr Kaufinteresse vor, um sensible Daten zu erlangen. Unlängst geriet ein 35-jähriger Tiroler ins Visier der Kriminellen.

Auch der Wiener Edwin Walter wollte online einen VW Golf um etwas mehr als 14.000 Euro verkaufen. Schnell meldeten sich zwei vermeintliche Kaufinteressenten aus Deutschland, die zunächst seriös wirkten und sogar Fotos von Ausweisen schickten. Diese stellten sich später jedoch als gestohlen heraus. Bei Nachforschungen fand der Fotojournalist den tatsächlichen Besitzer von einem der Dokumente – einen netten, älteren Herrn aus Hannover, der bereits ähnliche Fälle erlebt hatte.

Edwin Walter wollte einen VW Golf verkaufen, geriet aber ins Visier von Betrügern, die ihn mit ...
Edwin Walter wollte einen VW Golf verkaufen, geriet aber ins Visier von Betrügern, die ihn mit gestohlenen Ausweisen abzuzocken versuchten.(Bild: Walter)

„Zahlungsfreigabegebühr“ als dreiste Betrugsfalle
Obwohl Walter längst wusste, dass ihn Betrüger abzocken möchten, spielte er das Spielchen zunächst mit. „Ich eröffnete vorsorglich ein neues Konto und wies meine Bank an, keinerlei Abbuchungen zuzulassen.“ Und er erstattete Anzeige.

Einer der echten Besitzer mit dem „gestohlenen“ Ausweis
Einer der echten Besitzer mit dem „gestohlenen“ Ausweis(Bild: Walter, Krone KREATIV)

Nach einigen Mails, in denen man sich über den Kaufpreis einigte, einen Kaufvertrag aufsetzte und sonstige Modalitäten klärte, sollte der Wiener dann plötzlich eine „Zahlungsfreigabegebühr“ von 886 Euro vorab bezahlen. Erst danach würde die Bank den Kaufbetrag von 14.096 Euro freigeben, hieß es in mehreren Schreiben der Betrüger.

Die Nachrichten klangen offiziell, verwiesen auf „Sicherheitsüberprüfungen“ und „Standardanforderungen des Zahlungsdienstleisters“. Ebenso wurden gefälschte Kontoauszüge übermittelt, die eigentlich die getätigte Bankanweisung aufzeigen sollten.

Und die Täter begannen, den Berufsfotografen zu drängen. „Bitte überweisen Sie den Betrag so schnell wie möglich“, so die Unbekannten. Für Walter war spätestens jetzt klar: „In meinen Augen war damit schon ein versuchter Betrug verwirklicht.“ Offenbar aber nicht für die Polizei, die den Fall zwar aufgenommen und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat, laut dem Journalisten aber keine konkreten Ermittlungen eingeleitet hat. Begründung der Beamten: Es sei „noch kein Schaden entstanden“.

Ausschnitt aus einem Schreiben der Betrüger.
Ausschnitt aus einem Schreiben der Betrüger.(Bild: Walter, Krone KREATIV)

Nachdem der Paparazzo, der zuletzt Formel-1-Rekordmeister Lewis Hamilton und Reality-Star Kim Kardashian turtelnd in Malibu vor die Linse bekam, dann doch kein Geld vorab überwies, riss der Kontakt nach Androhungen der Gauner, zur Polizei zu gehen, ab.

Der echte Besitzer des Ausweises kennt die Spielchen der Betrüger bereits bestens. „Immer wieder bekommt er Anrufe von Unbekannten, die auf gefälschte Inserate hineingefallen seien“, erzählt Walter. Der Deutsche denke mittlerweile sogar darüber nach, seine Telefonnummer aus öffentlichen Verzeichnissen löschen zu lassen. „Besonders besorgt zeigt er sich wegen möglicher Online-Kredite oder anderer Geschäfte unter seinem Namen. Daher kontrolliere er regelmäßig seinen Schufa-Status sowie ähnliche Bonitätsdaten.“

KI macht Internet-Betrug noch professioneller
Walter selbst glaubt mittlerweile, dass man ihn vielleicht sogar mithilfe von Künstlicher Intelligenz abzocken wollte und er gar nicht mehr mit einer realen Person hin- und hergeschrieben hat. Der Fall zeigt jedenfalls, wie professionell Internet-Betrüger mittlerweile vorgehen: Gestohlene Ausweise, glaubwürdige Mails und psychologischer Druck sollen Opfer dazu bringen, vorab Geld zu überweisen. Bei Sätzen wie „Kaufvertrag per Mail“, „Ich hole das Auto nicht selbst ab“ oder „Kaufpreisüberweisung mittels Bankauftrag“ sollten stets die Alarmglocken läuten. Experten raten deshalb, niemals Transport, Freischalt- oder Bearbeitungsgebühren bei Privatverkäufen vorab zu bezahlen – egal, wie echt die Unterlagen wirken.

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