Auch wenn Lewis Hamiltons letzter WM-Titel bereits fünfeinhalb Jahre zurückliegt, ist Gerhard Berger nach wie vor davon überzeugt, dass Lewis Hamilton das Zeug zum Weltmeister hat. Und auch Toto Wolff traut sich nicht, gegen seinen ehemaligen Schützling zu wetten ...
Mit seinem Premierensieg für Ferrari hat sich Lewis Hamilton in Barcelona nicht nur einen Kindheitstraum erfüllt, sondern auch seine Ambitionen auf den achten Weltmeistertitel in der Formel 1 untermauert. „Wenn er wieder Blut riecht, ist er nicht zu unterschätzen“, sagte Gerhard Berger vor dem Großen Preis von Österreich am Sonntag. Hamilton habe „absolut“ das Zeug dazu, alleiniger Rekordweltmeister zu werden.
Der Aufschwung des siebenfachen Champions nach einem Jahr voller Probleme und Sorgen hat viele Gründe – und lässt sich auf einen Umstand reduzieren: Hamilton fühlt sich wieder wohl. Mit seinem neuen Renningenieur Carlo Santi versteht sich der 41-jährige Brite ausgezeichnet, zuletzt adelte er ihn als seinen „italienischen Bono“ in Anlehnung an seinen langjährigen Mercedes-Renningenieur Peter „Bono“ Bonnington.
Renningenieur, Kardashian und neue Regeln als Erfolgsfaktoren
Auch mit den neuen Boliden kommt Hamilton seit der Regelrevolution zur laufenden Saison besser zurecht. „Das Auto braucht sehr viel Gehirnschmalz für die Bedienung der elektrischen Seite“, sagte Berger, das komme Hamilton durch seine Erfahrung entgegen. Genauso wie das Ende der Ground-Effect-Ära, in der Hamilton oft Probleme hatte. „Das Auto scheint anders zu sein als in der Ära zuvor mit dem Hüpfen und der steifen Fahrweise, die das Fahrgefühl beeinträchtigten“, erklärte Mercedes-Boss Toto Wolff. Nun sei wieder eine „konventionellere“ Fahrweise gefragt.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist das private Glück. In Monaco drückte Partnerin Kim Kardashian nicht ganz ohne Aufsehen an der Strecke die Daumen. „Ich habe ihn auf dem Podium gesehen, im Fernsehen. Sein Gesichtsausdruck zeigt mir, dass er sehr glücklich ist. Vielleicht hilft ihm seine Freundin dabei“, sagte Wolff über seinen früheren Schützling, der sechs WM-Titel mit den „Silberpfeilen“ geholt hatte. „Es sind all diese Faktoren zusammen – die emotionale, die persönliche und die berufliche Perspektive. Wenn es in diesen Bereichen gut läuft, hat man gewonnen.“
Brisanz im internen Ferrari-Duell
Hamiltons Topform bringt Brisanz in das teaminterne Duell bei Ferrari mit Charles Leclerc. Der Monegasse, derzeit WM-Vierter und 40 Punkte hinter seinem Kollegen, hatte in den vergangenen Jahren stets die Führungsrolle bei der Scuderia inne. Nun könnte ihm Hamilton den Rang ablaufen. „Das ist immer ein Thema, das sich von selbst ergibt“, sagte Berger, der die Hälfte seiner zehn Grand-Prix-Siege mit Ferrari eingefahren hatte. Lewis habe 2025 ein schwieriges Jahr gehabt und dadurch auch weniger Erfolge als Leclerc. „Vielleicht ist er jetzt in der Lage, das zu drehen.“
Mit drei Podestplätzen in Serie (zweimal Zweiter, ein Sieg) kletterte Hamilton in der WM-Gesamtwertung auf den zweiten Rang, 41 Punkte hinter Mercedes-Shootingstar Kimi Antonelli. „Ich würde lieber nicht gegen ihn um den Titel kämpfen, weil ich weiß, wozu er fähig ist“, sagte Wolff nach dem Rennen in Barcelona. „Wenn der Lewis-Hamilton-Zug erst einmal ins Rollen kommt, ist es sehr schwer, ihn noch aufzuhalten.“ Der Wiener sah es ähnlich wie sein Tiroler Landsmann Berger: „Wenn er Blut riecht, legt er los.“
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