09.11.2020 11:05 |

Power und Carbon satt

BMW M2 CS: Ist er M-otional gesehen der beste BMW?

Eigentlich ist ja bereits der BMW M2 eine ultimativ coole Rakete und es ist ein Traum für Autoenthusiasten, dass es so etwas noch gibt. Der M2 Competition, der ihn ablöste, setzt dem die Krone auf. Doch es geht noch ärger: Der BMW M2 CS ist so scharf, dass man unter CS die Abkürzung für Chilischote verstehen könnte.

Der M-otionator wurde kräftig gewürzt: Mehr Leistung, mehr Steifigkeit, Antrieb und Achsen aus dem M4 und eine ganze Menge Carbon schlagen aufs Konto durch, liefern aber auch die begehrte Extra-Portion Glückshormone. Der M2 CS fühlt sich an wie ein Handschuh, den man sich anzieht, um mit ihm Kunststücke zu vollführen. So direkt setzt er alle Befehle des Fahrers um. Gaspedal wie Lenkung. Aufs Gas und er stürmt los. Am Lenkrad gezupft und er schlägt einen Haken. Dank den serienmäßig adaptiven Dämpfern im M Sportfahrwerk lässt er sich aber doch auch ein wenig auf Kompromisse ein. Comfort, Sport und Sport+, spricht für sich, wobei niemand auf die Idee kommen würde, schwiegermuttertauglichen Komfort zu erwarten. Dafür wird er auf Sport+ wirklich direkt. In jedem Fall empfiehlt es sich, die serienmäßigen Cup-Reifen (Michelin Sport Cup 2) warm zu fahren (wahlweise kann man ohne Aufpreis Michelin Pilot Super Sport ordern), bevor man es richtig laufen lässt.

Leistung aus dem Vollen geschöpft
Hieß es beim M2 Competition noch, die vollen 431 PS, die der S55-Motor im M3 leistet, könne man aus thermischen Gründen in dem kleinen Motorraum nicht aufbieten und man müsse sich auf 410 PS beschränken, geht es jetzt plötzlich doch - und noch viel mehr: Der Dreiliter-Sechszylinder bringt es nun sogar auf 450 PS! Dazu stemmt er kurzfristig 550 statt 500 Nm zwischen 2350 und 5500 Touren. Er bekommt aber auch eine Extraportion Luft durch die Hutze auf der Carbon-Motorhaube (die übrigens darüber hinaus auch für Abtrieb sorgen soll).

Das schlägt sich in verbesserter Spurtfreude nieder: Tempo 100 liegt nach 4,0 Sekunden an, zwei Zehntel früher als im M2 Competition. Jedenfalls mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das auch in unserem Testwagen Dienst tut. Mit zwei Zehnteln mehr erkauft man sich ein manuelles Sechsganggetriebe. Hut ab, BMW, dass es das noch gibt! Serienmäßig ist auch das M Driver‘s Package, d.h. die Höchstgeschwindigkeit ist nicht auf 250, sondern auf 280 km/h begrenzt.

Wie ernst es die Münchner meinen, zeigt auch, dass der Hinterachsträger in Stahl-Fachwerk-Leichtbauweise, wie im Rennsport üblich, ohne elastische Gummielemente starr mit der Karosserie verschraubt ist. An der Fünflenker-Hinterachse sind alle Lenker und Radträger in Aluminium-Schmiedetechnik hergestellt. Überflüssig zu bemerken, dass die vollvariable elektronisch geregelte Differenzialsperre, deren Sperrwirkung zwischen 0 und 100 Prozent beträgt, von Haus aus an Bord ist.

Carbon all over
Neben der Fronthaube bestehen noch viele andere Bauteile aus CFK. Das Dach zum Beispiel, das nicht nur durch sein geringes Gewicht den Fahrzeugschwerpunkt senkt, sondern auch die Steifigkeit der Karosserie erhöht. Die 1,5 kg leichte CFK-Präzisionsstrebe (hat auch der M2 Competition) sorgt für erhöhte Steifigkeit im Vorderwagen und verbessert Lenkpräzision und Einlenkverhalten. Dazu kommen der neue Frontsplitter, der sogenannte Gurney (die Abrisskante an der Heckklappe) sowie der Heckdiffusor.

In der Basisversion werden Scheibenbremsen aus Stahl mit vorne 40 und hinten 38 Zentimeter Durchmesser eingebaut, die Sechs- bzw. Vierkolben-Bremssättel in die Zange nehmen. Optional bremst der M2 CS mit Carbon-Keramik-Scheiben, was insgesamt 22 kg Gewichtsvorteil bringt. Und zu einem DIN-Leergewicht von 1528 kg führt.

Damit kommt er dann auf einen Gewichtsvorteil von 40 kg im Vergleich zum BMW M2 Competition. Sieht so aus, dass die Leichtgewichtskur ansonsten nicht viel gebracht hat.

Unterm Strich
Der BMW M2 CS ist ein Ausbund an Präzision und Agilität und emotional gesehen der wahrscheinlich stärkste BMW zurzeit. Das muss einem 40.000 Euro Aufpreis auf den M2 Competition wert sein, denn der CS kostet 120.000 Euro. Viel Holz, um mit der Chili zu brennen.

Warum?
Weil er extrem präzise zu fahren ist
Pures Sportautofahren

Warum nicht?
120.000 Euro kann er nur echten Spezialisten wert sein

Oder vielleicht ...
... BMW M2, M3, M4 - oder ein echtes Tracktool

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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