18.10.2020 13:59 |

Vermisst hier Elan

Anderl drängt auf Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit

Erhöhung des Arbeitslosengeldes, Maskenpausen und ein Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeiten - das wären aus Sicht von AK-Präsidentin Renate Anderl wichtige Maßnahmen im Kampf gegen die pandemiebedingte Arbeitslosigkeit. Die Regierung müsste den gleichen Elan, den sie bei Maßnahmen zur Eindämmung des Virus an den Tag legt, auch am Arbeitsmarkt zeigen, meinte die Arbeiterkammer-Chefin am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“.

Derzeit sind rund 400.000 Menschen auf Arbeitssuche, 300.000 weitere befinden sich in Kurzarbeit. Es sei zu befürchten, dass die Arbeitslosigkeit im Winter steigt. Also müsse dringend gehandelt werden. Dass Wirtschaftsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) die „größte Arbeitsstiftung der Zweiten Republik“ angekündigt hat, sei prinzipiell begrüßenswert. Aber da hätte man „früher in die Gänge kommen müssen“, vermisst Anderl bis jetzt eine wirtschaftspolitische Strategie. Der Start sei für Oktober angekündigt, bis jetzt aber nichts geschehen - „weil man erst schaut“, man Arbeitskräfte brauche.

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege
Die Arbeiterkammer plädiert für Umschulungen in die Bereiche Pflege, Digitalisierung und Klimaschutz. Einwänden, dass die Arbeit im Pflegebereich für viele zu schwer sei, hielt Anderl - unter Hinweis auf den dort häufigen 12-Stunden-Arbeitstag - die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen in diesem Bereich entgegen.

„Dringend“ nötig wäre aus Anderls Sicht die Anhebung des Arbeitslosengeldes (70 statt 50 Prozent), um die Kaufkraft zu stärken. Für Arbeitnehmer, die den ganzen Tag über Masken tragen müssen, forderte sie eine viertelstündige Maskenpause alle zwei Stunden. Dass die Sonderbetreuungszeit für Eltern angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie bis Jahresende erstreckt wurde, begrüßte Anderl - aber sie pochte auch auf einen Rechtsanspruch der Eltern darauf.

Gesprächsbereitschaft signalisierte die AK-Chefin in der Frage der Zumutbarkeitsbestimmungen. Auf die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung will Anderl nicht verzichten, wobei sie branchenweise über die Kollektivverträge ansetzen möchte.

Sozialpartner verhandeln über Home-Office
Verhandelt wird übrigens derzeit auf Sozialpartnerebene über neue Regelungen für das Home-Office. Der Zeithorizont dafür ist März, Anderl hofft aber, dass es schneller geht. Nicht hinnehmen will die Bundesarbeitskammer, dass die Arbeitnehmer auf Kosten für Heizung oder Arbeitsmittel sitzen bleiben. Hier müsse es eine Abgeltung - steuerlich oder auch ein Pauschale - geben.

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