06.08.2020 12:45 |

Samsung-Flaggschiff

1300-Euro-Handy Note 20 Ultra im ersten Kurztest

Der südkoreanische IT-Konzern Samsung hat am Mittwoch sein neues Android-Flaggschiff enthüllt: das Galaxy Note 20 (Ultra). Vor allem das Ultra-Modell soll mit 108-Megapixel-Kamera, 5G-Funk, 120-Hertz-Display und seinem Eingabestift neue Maßstäbe setzen. Wir hatten bereits Gelegenheit, ein Vorseriengerät des Galaxy Note 20 Ultra auszuprobieren.

Mindestens 1300 Euro will Samsung für sein Galaxy Note 20 Ultra - ein gesalzener Preis für ein Gerät, das die meisten Menschen nach zwei, drei Jahren gegen ein neues tauschen werden. Da muss man auch etwas bieten: Samsungs neues Vorzeigegerät kommt - wie das Frühlings-Flaggschiff S20 - mit 108-Megapixel-Kamera, extra Zoomlinse, 5G-Mobilfunk, scharfem 120-Hertz-Display und 7-Nanometer-Prozessor zum Nutzer.

Allerfeinste Hardware also, aber wie fühlt es sich nun an, das neue Note? Kennern der Serie wird zunächst auffallen, dass der im Gehäuse versenkbare Eingabestift nun links statt rechts im Note untergebracht ist - für manch einen vielleicht eine kleine Umstellung. Außerdem verzichtet man heuer dankenswerterweise auf die generische Hochglanz-Optik, die sich am Smartphone-Markt herstellerübergreifend etabliert hat.

Mattes Finish, Hülle ist aber trotzdem Pflicht
Stattdessen gibt’s ein wertiges und sauber verarbeitetes Chassis aus Metall und Glas mit mattem Finish, wodurch das Gerät weniger anfällig für Fingerabdrücke ist als der Vorgänger. Eine Hülle ist trotzdem Pflicht - schon allein, weil das ausladende 108-Megapixel-Kamerasystem des Ultra-Modells weit aus dem Chassis herausragt und wohl schnell zerkratzt wird, wenn keine Hülle im Einsatz ist. Der für Fehleingaben berüchtigte Bixby-Knopf, den Samsung letztes Jahr abgeschafft hat, ist erfreulicherweise nicht zurückgekehrt.

Besitzer kleiner Hände bekommen ein Problem
Mit 6,9 Zoll Diagonale ist das neue Ultra-Modell schon fast ein kleines Tablet, bietet also eine Menge Bildfläche. In puncto Handling operiert man hier aber hart am Limit, handlich ist ein so großes Smartphone nun wirklich nicht mehr - trotz beinahe nicht existenter Ränder ums Display. Mit einer durchschnittlichen Männerhand lässt es sich durch das lang gezogene 19:9-Seitenverhältnis zwar noch akzeptabel greifen, wer kleinere Hände hat, könnte aber Probleme bekommen.

Exzellentes Display mit variabler Bildrate
Samsung-typisch einen exzellenten Eindruck macht das Display des Note 20 Ultra. Dank OLED-Technik gibt’s sattes Schwarz, leuchtende Farben und viel Kontrast, die Bildschärfe ist bei 3200 mal 1440 Pixeln ohnedies tadellos. Die maximale Helligkeit genügt auch für draußen, das kleine Loch im Display, in dem die Frontkamera sitzt, ist dankenswerterweise nicht allzu auffällig.

Während die genannten Stärken allesamt auch schon für das Galaxy S20 Ultra galten, hat Samsung beim Note 20 Ultra noch etwas Optimierungsarbeit geleistet. So hat man nun ein adaptives 120-Hertz-Display eingebaut, das automatisch die Bildrate erhöht, wenn sich der Bildschirminhalt bewegt, bei statischen Bildern wiederum auf 60 Hertz runterschaltet. Eine sehr sinnvolle Neuerung, die den Akku schont und das Display dann ausreizt, wenn es sinnvoll ist. Beim S20 Ultra musste der Nutzer noch selbst zwischen den Bildwiederholraten hin- und herschalten - und zwischen Laufzeit und Darstellungsqualität wählen.

Stiftbedienung nun spürbar responsiver
Etwas besser als bisher klappt auch die Bedienung mit dem im Gehäuse versenkbaren Eingabestift. Auch wenn man über die Ergonomie des winzigen Stiftes streiten und über das Schreibgefühl auf Glas lang diskutieren kann, hat Samsung die Eingabelatenz spürbar verbessert, wodurch sich das Schreiben nun etwas natürlicher anfühlt.

Kamera ohne Hundertfach-Zoom-Werbeschmäh
Bei der Kamera hat man sich erfreulicherweise vom Hundertfach-Zoom-Werbeschmäh des Galaxy S20 Ultra verabschiedet und die Zoomfähigkeit diesmal auf den Faktor 50 (fünffach optisch, der Rest digital) begrenzt. Bedenkt man, dass hundertfach vergrößerte Motive mit dem Galaxy S20 Ultra ohnedies höchst unscharf waren, ist das eine ehrlichere und praxistauglichere Herangehensweise, bei Faktor 50 erkennt man zumindest noch etwas.

Generell hat Samsung dem Gerät ein vielseitiges Kamerasystem spendiert: Die 108-Megapixel-Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung liefert scharfe und detailreiche Ergebnisse und hat bei Bedarf enorme Auflösungsreserven, die Zusatzlinsen zum Zoomen und für Weitwinkelfotos erhöhen die Flexibilität. Beim Kurztest lieferte Samsungs Kamerasystem auch in einem abgedunkelten Raum scharfe und rauscharme Ergebnisse, wie gut es in der Praxis wirklich ist, muss aber erst ein ausführlicher Test zeigen.

Flottes Arbeitstempo, erweiterbarer Speicher, keine Klinke
Das Arbeitstempo hat beim ersten Kontakt überzeugt: Samsungs Achtkern-Chip liefert, gepaart mit zwölf Gigabyte RAM, mehr als genug Leistung für ein flüssiges Android-Erlebnis, Multi-Tasking und Smartphone-Games. Die Funkausstattung - neuestes .ax-WLAN, Bluetooth 5.1 und sogar 5G - überzeugt ebenfalls, wenngleich vom 5G-Modem derzeit noch kaum jemand profitiert. Immerhin werden die Netze gerade erst umgerüstet, bis weite Teile Österreichs mit 5G versorgt sind, wird es wohl noch bis 2021 dauern.

Die Anschlussausstattung umfasst lediglich USB-C. Einen Klinkenanschluss für verkabelte Kopfhörer gibt es, wie schon beim Vorgänger, nicht mehr. Einen microSD-Slot zur Speichererweiterung gibt es dagegen schon - allerdings nur beim Ultra-Modell, beim regulären Note 20 muss man mit 256 Gigabyte internem Flash-Speicher das Auslangen finden.

Erster Eindruck: Mit seiner Note-20-Reihe spendiert Samsung seinen Stift-Smartphones Features, die im Frühjahr schon in der Galaxy-S-Reihe Einzug hielten. Diesmal verzichtet man aber auf Marketing-Superlative wie den in der Praxis unbrauchbaren Hundertfach-Zoom und geht es ehrlicher und - neben der Kamera auch beim 120-Hertz-Display - praxistauglicher an. Display, Kamera und Rechenkraft überzeugen auf den ersten Blick, vom 5G-Funk profitiert momentan aber noch kaum jemand und auch das abermals sehr gewagte Preisniveau wird wohl für viele Interessenten ein Dealbreaker sein.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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