02.08.2020 22:55 |

Während Feuerpause

Blutiger IS-Angriff auf Gefängnis in Afghanistan

Am Montag läuft eine dreitägige Waffenpause in Afghanistan aus. Diese hatte in den vergangenen Tagen die Hoffnungen auf Friedensgespräche zwischen der Regierung und den radikalislamischen Taliban wachsen lassen. „Es ist eine historische Chance für Frieden - und niemand sollte sie kaputt machen“, wurde ein Lehrer von der Nachrichtenagentur AFP noch am Freitag zitiert. Der Sonntag zeigte allerdings wieder das blutige Gesicht Afghanistans: Bewaffnete haben einen Großangriff auf ein Gefängnis im Osten des Landes verübt. Während die Kämpfe am späten Sonntagabend noch im Gange waren, bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Tat zur Attacke.

Die Angreifer hatten zunächst eine Autobombe gezündet und eröffneten anschließend das Feuer auf Wachmänner der Haftanstalt in Dschalalabad. Laut Behördenangaben wurden mindestens drei Menschen getötet, Dutzende weitere verletzt. Es sollen auch zahlreiche Häftlinge aus dem Gefängnis geflohen sein. Die Provinz Nangarhar galt einst als Hochburg des IS in Afghanistan, bevor Afghanistan Ende 2019 den militärischen Sieg über die Terroristen verkündet hatte. Dennoch verübt der IS immer wieder Anschläge im Land. Auch ein schwerer Anschlag am Freitag dürfte auf das Konto der Islamisten gehen.

Regierung lässt Hunderte Taliban-Kämpfer frei
Anlässlich des islamischen Opferfestes Eid al-Adha hatten die afghanische Regierung und die radikalislamischen Taliban eine dreitägige Feuerpause vereinbart. Sowohl Präsident Ghani als auch die Taliban hatten im Vorfeld signalisiert, dass womöglich sofort nach dem Opferfest Friedensgespräche beginnen könnten, das noch bis einschließlich Montag dauert. Seit Freitag wurden nach Regierungsangaben zudem vor dem Hintergrund eines vereinbarten Gefangenenaustausch 300 Taliban-Kämpfer freigelassen. Damit sei die Zahl der freigekommenen Extremisten auf 4900 gestiegen. Kabul sollte 5000 Taliban aus Gefängnissen entlassen, die Aufständischen sollten dafür 1000 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte freilassen. Allerdings weigerte sich die Regierung, Hunderte Kämpfer von der Forderungsliste der Taliban freizulassen, die sie als zu gefährlich einstuft.

US-Truppenabzug, Einigung mit Taliban und Frieden?
Die USA und die Taliban hatten im Februar das Abkommen von Doha geschlossen. Ziel ist die Regelung des US-Truppenabzugs aus Afghanistan nach fast zwei Jahrzehnten Krieg. Im Gegenzug sollen die Taliban die Gewalt in Afghanistan reduzieren und Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekämpfen. Dafür soll es ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Taliban geben. Bisher sind Versuche, das Abkommen auf den Weg zu bringen, gescheitert.

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