"Lasst uns Schlussmachen mit Bescheidenheit", appellierte Vassilakou in der Arena 21 des Museumsquartiers vor rund 300 Gästen in ihrer mehr als halbstündigen Rede. Mit den Grünen in der Regierung bestehe die Möglichkeit, in Wien Pionierleistungen europäischen Ausmaßes von der Energie- über die Schul- bis hin zur Sozial- und Bildungspolitik zu schaffen: "Wir kämpfen gegen die Gartenzwergigkeit des Denkens."
Häupl und Strache als "Fernsehprediger"
Trotz Kooperationsambitionen mit der SP sparte die Spitzenkandidatin freilich nicht mit Kritik an der Mehrheitsfraktion. Bürgermeister Michael Häupl (SP) sei - wie FP-Chef Heinz-Christian Strache - ein "Fernsehprediger". Die Grünen würden sich unter anderem darin von den Roten unterscheiden, dass sie für die Zukunft der Stadt arbeiteten und nicht für die Zukunft der eigenen Parteikassen. Außerdem rede man sich nicht auf "beamtete Sachzwänge" aus.
Die FP wiederum habe in Wien nichts verloren. "Sie gehört dorthin, wo sie am liebsten herumwühlt: in den Mistkübel der Geschichte", so Vassilakou. Als Vizebürgermeisterin werde sie daran arbeiten, dass aus Strache das werde, was er verdiene - "ein würdiger Lugner-Nachfolger in der Societyberichterstattung".
"Persönliche Querelen? Vergiss es, na und?!"
Bezug nahm die Parteichefin auch auf die monatelangen internen Streitigkeiten: "Wenn Mitstreiter den Grünen den Rücken kehren und wir wochenlang eine Soap-Opera haben, ist das nicht gut. Aber wir wissen, dass es am 10. Oktober um viel mehr geht als um persönliche Befindlichkeit. Wir werden kämpfen, und wir werden siegen."
Ex-Bundessprecher Alexander Van der Bellen, der für Wien in vier Wahlkreisen um Vorzugsstimmen buhlt, sah die Wickel offenbar lockerer: "Persönliche Querelen? Vergiss es, na und?!" Man habe nach der Wahl freilich einiges zu besprechen, aber aktuell gelte: "Ich möchte ins Rathaus, Maria Vassilakou als Vizebürgermeisterin und mindestens sieben Stadträte für die Grünen", so der Herr Professor nicht ganz ironiefrei. Wien sei nicht das Privateigentum der SP, kritisierte "VdB" die von ihm georteten "Verflechtungen von Wirtschaftsbetrieben und Partei". Rot-Grün wäre jedenfalls die energischste Ansage gegen die Freiheitlichen und den "Rechtsextremismus des Herrn Johann Gudenus (hinter Strache FP-Listen-Zweiter, Anm.)", versicherte Van der Bellen.
"Wien braucht politisch denkende und handelnde Menschen"
Unterstützung zum Auftakt gab es auch von Bundessprecherin Eva Glawischnig, die vorrangig Spitzen gegen die Regierung austeilte. Häupl habe ein Sprechverbot erteilt, während die Regierung gerade das "größte Sparpaket der Zweiten Republik" vorbereite. Die SP mache vor allem eines, "nämlich umfallen", bezog sich Glawischnig auf die jüngste Einigung in Sachen Aufenthaltspflicht für Asylwerber.
In einem Punkt seien sich die Koalitionsparteien jedenfalls einig: "im Wegschauen beim Ernstnehmen und Umdenken des Klimaschutzes". Verbale Schützenhilfe ließ Glawischnig Vassilakou zuteilwerden, die auch stellvertretende Bundessprecherin ist: "Wien braucht politisch denkende und handelnde Menschen - und so ein Mensch ist Maria Vassilakou."
Grüne düsen mit Ökofahrzeugen zum Wahlkampfauftakt
Zahlreiche Kandidaten und Bezirksräte - allen voran Parteichefin Maria Vassilakou - hatten sich in Formation per Ökofahrzeug wie E-Bike oder Segway zum Museumsquartier begeben. Nachdem der Tross unter Klängen der polnischen "Swingcombo" eingezogen war, wurden die rund 300 Gäste vom grünen Neubauer Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger begrüßt. "Die letzten Tage und Wochen waren sicherlich nicht einfach für uns", verwies Blimlinger auf die internen Querelen in Vorwahlkampfzeiten. "Aber jetzt ist es wichtig, zusammenzustehen", schwor er die grüne Gemeinde ein. Man werde auf der Straße womöglich ein wenig Zorn und Enttäuschung bei den Menschen spüren - "aber das müssen wir aushalten".
Im Herbst 2005 hatten die Wiener Grünen noch allen Grund zum Jubeln: Die Partei konnte bei der vergangenen Gemeinderatswahl um 2,18 Prozentpunkte zulegen und fuhr mit 14,63 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis in der Bundeshauptstadt ein. Außerdem gelang es bei der gleichzeitig durchgeführten Bezirksvertretungswahl, nach Neubau auch in der Josefstadt einen Bezirksvorsteher zu stellen.
Fünf Jahre später kämpft Vassilakou mit internen Querelen, die Parteispaltungen in zwei Bezirken und einen Überläufer zur politischen Konkurrenz zur Folge hatten.
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