26.06.2020 12:32 |

Alle Regeln missachtet

Großbritannien droht mit Schließung von Stränden

Die Bilder von den überfüllten Stränden im südenglischen Bournemouth sorgten für Aufregung. Aber auch in vielen anderen Teilen des Landes kam es zu Menschenaufläufen. Gesundheitsminister Matt Hancock hat nun mit der Schließung von Stränden gedroht, sofern die Corona-Vorschriften weiterhin derart missachtet werden.

„Das Letzte, was die Leute wollen, ist, dass das Virus wiederkommt“, erklärte Hancock am Freitag. Die Vorschriften zur sozialen Distanz müssten eingehalten und eine zweite Pandemie-Welle verhindert werden. Sollten die Fallzahlen wieder steigen, dann werde die Regierung handeln, warnte der Ressortchef. „Wir dürfen nicht rückwärtsgehen. Wir müssen diese Krankheit stoppen“.

Hoffnung auf schlechtes Wetter
Da das Wetter sich in Teilen des Landes verschlechtern soll, rechneten die Behörden zum Wochenende mit einer Entspannung der Lage. Am Donnerstag kam es bei schönstem Sonnenschein zu riesigen Menschenansammlungen an der Südküste Englands.

Besonders betroffen war dabei der Badeort Bournemouth, der wegen seines breiten Strandes und der viktorianischen Architektur beliebt ist. Da die Lage vor Ort nicht mehr zu beherrschen war, lösten die Behörden einen „ernsten Zwischenfall“ aus, wodurch die Einsatzkräfte mehr Rechte und Abstimmungsmöglichkeiten zur Verfügung hatten. Polizei und Anrainer klagten zudem über illegales Parken, Müllverschmutzungen, aggressives Verhalten der Strandbesucher und Alkoholmissbrauch.

Verkehr überlastet
Viele Besucher reisten aus London und sogar aus Birmingham an. Das führte zu Staus mit bis zu zwei Stunden Wartezeit kurz vor der Stadt. Auch die Züge waren überfüllt. Am Strand wurden Tonnen von Mist hinterlassen. Ordnungskräfte und Vertreter der Stadt sagten, dass sie beim Eingreifen bespuckt worden seien. Es war der bisher heißeste Tag des Jahres im Land.

Das Video zeigt die heillos überfüllten Strände in Bournemouth. Selbst riesige Warnhinweise konnten die Menschen nicht dazu bewegen, wieder nach Hause zu gehen:

Weitere Menschenansammlungen im Land
Auch andernorts schenkten viele Briten dem Versammlungsverbot wenig Beachtung: So feierten am Donnerstagabend Tausende Menschen den Gewinn der Fußballmeisterschaft des FC Liverpool. In London wurde die Polizei das zweite Mal infolge beim Auflösen einer illegalen Straßen-Party attackiert. Auch Wales meldete überfüllte Strände und eine Massenschlägerei beim Küstendorf Ogmore-by-Sea mit Verletzten.

Großbritannien ist am schlimmsten in Europa von der Corona-Krise betroffen. Jeder Landesteil hat eigene Vorschriften im Kampf gegen die Pandemie. Premier Boris Johnson hatte schon vor Wochen Tagesausflüge in England erlaubt und war damit auf Kritik gestoßen.

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