16.03.2020 01:49 |

1,5 m Abstand im ORF

In Gesundheitsberufen wird nun verstärkt getestet

Mitarbeiter der Kriseninfrastruktur in Österreich sollen nun verstärkt auf Ansteckungen mit dem Coronavirus getestet werden. Das betreffe vor allem Gesundheitsberufe, „weil uns da teilweise ganze Abteilungen ausfallen“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in der ORF-Sendung „Im Zentrum“. Die Sendung am Sonntagabend fand ohne Publikum und mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Studiogästen statt. Anschober berichtete von 880 bestätigten Infektionen in der Bevölkerung am Sonntagabend.

Der Fall eines positiv auf das Coronavirus getesteten Anästhesisten im Uniklinikum Salzburg hatte am Wochenende die Quarantäne für mehr als 100 Ärzte, Pfleger und die Besatzung eines Rettungshubschraubers zur Folge. Schutzausrüstung für medizinisches Personal sei derzeit ausreichend vorhanden, betonte Anschober. Aber je nach Entwicklung der Infektionszahlen könnte mehr gebraucht werden. „Deshalb klappern wir auch den Weltmarkt ab, aber der Weltmarkt ist derzeit eng“, sagte er.

Rendi-Wagner fordert Schulungen und Schutzausrüstung
„Es braucht Schulungen“, betonte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die größte Infektionsquelle bei der Ausbreitung von SARS im Jahr 2003 war, „dass sich Personal beim An- und Ausziehen der Schutzkleidung infiziert hat“, erläuterte die Medizinerin. Außerdem habe sie aktuell „Aufschreie gehört von Allgemeinmedizinern“, es gebe eine „Ausfallquote von fünf Prozent bei Hausärzten wegen Quarantänisierung“. Rendi-Wagner forderte neben genügend Schutzausrüstung auch ausreichend Beatmungsgeräte für schwere Krankheitsfälle. Bezüglich etwaiger Bestellungen von Beatmungsgeräten wird laut Anschober am Montag eine Bestandsaufnahme in den Bundesländern durchgeführt.

Nehammer: In Tiroler Skigebieten „richtig vorgegangen“
Kritik an der Behörden-Reaktion auf die rasche Ausbreitung des Virus in Tiroler Skigebieten wies Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) zurück. „Aus der Jetzt-Situation sagen alle Experten, dass da richtig vorgegangen worden ist.“ Er appellierte auch an die Eigenverantwortung, wenn man Symptome hat, die Hotline 1450 anzurufen. FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch vermutete, „dass es sich einige richten konnten in der Tourismusbranche“. Dadurch seien viele Menschenleben riskiert worden - „und zwar bewusst und vorsätzlich“.

Meinl-Reisinger: „Klarheit auch in Bezug auf die Wirtschaft“
NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger zeigte sich von den drastischen Maßnahmen der Regierung überzeugt, forderte jedoch „Klarheit bei Anweisungen“ und nicht nur den Verweis auf die teilweise überlastete Gesundheits-Hotline. „Klarheit brauchen wir auch in Bezug auf die Wirtschaft“, sagte sie und sprach sich dabei für „maximale Sicherheit und minimale Bürokratie“ aus. Weitere Kündigungen sollten verhindert werden, sagte Rendi-Wagner. Beim AMS in Niederösterreich seien diese Woche bereits drei Mal so viele Arbeitslose angemeldet worden wie in der Woche davor. Belakowitsch vermisste eine „klare Aufteilung“ der vier Milliarden Euro aus dem Krisenfonds. „Wenn‘s Nachbesserungsbedarf gibt, wird sich diese Regierung nicht verweigern“, versprach Nehammer.

Auch in Österreich dürften „60 bis 70 Prozent erkranken“
Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Zentrum für Virologie in Wien teilte eine frühere Einschätzung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung an dem Virus erkranken werden. „Das gilt sicher auch für Österreich“, sagte sie. „Wir hoffen, dass wir bis zum Sommer ein Abklingen der Epidemie schaffen, aber es wird sicher ein paar Wochen und Monate dauern“, erläuterte die Virologin. „Ende April, Mitte Mai wird es vielleicht beginnen, wieder weniger zu werden.“ Die Expertin appellierte an jeden Einzelnen, der selbst - etwa bei einem Herzinfarkt oder Motorradunfall - ein Krankenhausbett brauchen könnte. „Es ist in jedem einzelnen Interesse, dass das Gesundheitssystem funktioniert.“

Je weniger soziale Kontakte wir derzeit haben, desto besser ist es, erinnerte Anschober. Der Gesundheitsminister erwartete „eine Krise, die uns monatelang beschäftigen wird“.

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