03.03.2020 06:23 |

Streiks angekündigt

Verhandlungen um Pflege-KV: Neuerlich kein Lösung

Rauchende Köpfe bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ): Die siebente Runde ist in der Nacht auf Dienstag nach zwölf Stunden ohne Einigung unterbrochen worden. Die Verhandlungsparteien kamen einander in den Gesprächen über eine Arbeitszeitverkürzung zwar etwas näher, konnten aber noch keine gemeinsame Lösung finden. Die siebente Runde bedeutete bereits einen Verhandlungsrekord, so lange war in der SWÖ noch nie über den Kollektivvertrag verhandelt worden. Die Gewerkschaften kündigten weitere Streikmaßnahmen an.

Die Gewerkschaften freuten sich zwar, dass es erstmals seit Beginn der Gespräche ernsthaft um eine Arbeitszeitverkürzung ging. Die Arbeitgeber hatten zuvor ein dementsprechendes Angebot auf den Tisch gelegt. Die achte Verhandlungsrunde soll am 26. März stattfinden. 125.000 Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich sind von dem Kollektivvertrag betroffen.

Das Angebot der Arbeitgebervertreter sieht ein Dreijahrespaket vor. Noch in diesem Jahr soll es ab 1. März eine Gehaltserhöhung von 2,7 Prozent geben. Im Jahr darauf dann eine VPI-Anpassung plus 0,6 Prozent mehr Lohn und im dritten Jahr, also 2022, eine 37-Stunden-Woche für alle Beschäftigten der Sozialwirtschaft Österreich. Das teilte SWÖ-Chefverhandler Walter Marschitz am Montagabend während einer kurzen Verhandlungspause mit. Ziel sei ohnehin ein Dreijahresabschluss.

„37 Stunden waren bei uns mehrheitsfähig“
„37 Stunden waren bei uns mehrheitsfähig“, sagte Marschitz und berichtete, dass für dieses Angebot einige der Arbeitgeber über ihren Schatten springen mussten. „Für uns ist das ein extremer Schritt“, erklärte er. Nun erwartet er sich von den verhandelnden Gewerkschaften Gesprächsbereitschaft und hofft, dass die weiteren Gespräche darauf aufgebaut werden können. Derzeit gilt in der Branche eine 38-Stunden-Woche.

Die Gewerkschaften gingen dieses Jahr mit nur einer Forderung in die Verhandlungen - nämlich jener nach einer 35-Stunden-Woche für die 125.000 Beschäftigten, die im privaten Sozial-, Pflege- und Gesundheitsbereich von dem Kollektivvertrag betroffen sind. Die Arbeitgebervertreter konnten sich bis dato nicht zu einem für die Arbeitnehmervertreter akzeptablen Angebot durchringen. Deshalb war man aufseiten der Gewerkschafter am Montag zumindest zufrieden damit, dass das Thema Arbeitszeitverkürzung ab sofort konkreter Gegenstand der Verhandlungen ist.

Gewerkschaften stoßen sich an Zeitschulden
Die an den KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) beteiligten Gewerkschaften GPA-djp und vida stoßen sich beim vorgelegten Angebot der Arbeitgebervertreter vor allem an Gegenforderungen, die in einem 16-seitigen Papier vorgelegt wurden. Die Forderungen beinhalten etwa Zeitschulden und eine Reduktion der Mehrarbeitszuschläge von 50 auf 33 Prozent.

Diese Gegenforderungen sollen nun in den weiteren Verhandlungen am Montagabend thematisiert werden, hieß es von einem Sprecher. Dass das Angebot der Arbeitgeber auf 37 Stunden und nicht auf die geforderten 35 Stunden abziele, solle ebenfalls thematisiert werden.

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