29.02.2020 06:01 |

Samsungs Falt-Handy

Fenster zur Zukunft? Das Galaxy Fold am Prüfstand

Ihr Start wurde von Haltbarkeitsproblemen und Verschiebungen überschattet, jetzt sind sie aber endlich da. Samsung bietet die ersten Smartphones zum Auffalten in Österreich an: Das größere Galaxy Fold, das vom Smartphone zum Tablet wird und das Klapp-Handy Galaxy Z Flip, das sich wie die noch weniger smarten Handys vor 15 Jahren kompakt zusammenklappen lässt. Wir haben uns mit dem Galaxy Fold angesehen, wie alltagstauglich Geräte zum Zusammenklappen schon sind und vor allem, was der Bildschirm taugt.

Biegsame Bildschirme basieren immer auf OLED-Technologie. LG macht damit Fernseher zum Aufrollen, Samsung Smartphones zum Aufklappen. Die bildgebende Schicht braucht keine Hintergrundbeleuchtung, weil die OLED-Pixel selbst leuchten, kann auf flexible Trägermaterialien wie Plastik aufgebracht werden und bietet noch dazu tolle Farben und Kontraste.

Bei OLED hat Samsung Erfahrung
Starr kennzeichnen OLED-Panels seit vielen Jahren Samsungs Oberklasse, längst lässt sich auch Apple mit den bei Schwarzdarstellung äußerst sparsamen Displays beliefern. Flexible OLED-Bildschirme sind die nächste Evolutionsstufe, glaubt man in der Technikbranche. Noch sind sie im Gegensatz zu den - abgesehen von Haltbarkeitsdebatten bei Großformaten - gut ausgereiften starren Geschwistern, die solide geschützt hinter einer Glasschicht sitzen, aber noch eine neue und filigrane Erscheinung.

Nicht mit den Fingernägeln zerkratzen!
Das sieht man schon beim Auspacken des Galaxy Fold. Das Smartphone ist mit einer Folie überzogen, die gleich beim ersten Öffnen klar macht: Bitte behutsam damit umgehen! Fingernägel auf der Kunststoff-Schutzschicht über dem Display sind ebenso tabu wie zu feste Bewegungen oder die Nutzung des Bildschirms als Ablagefläche, damit keine Fremdkörper eindringen oder Schäden verursachen können.

Beim äußeren Bildschirm, der im Alltag - WhatsApp, Spotify, Telefonieren, Mails - trotz sehr kleiner Bildschirmtastatur in vielen Situationen ausreicht, braucht es diese besondere Vorsicht zum Glück nicht.

Die technischen Daten des Galaxy Fold:

Samsung Galaxy Fold

CPU

Qualcomm Snapdragon 855:
2,84 + 3 x 2,42 + 4 x 1,8 GHz

RAM

12 GB

Bildschirme

Falt-Display:
2152 x 1536 Pixel (OLED, HDR)
Zweit-Display:
1680 x 720 Pixel (OLED)

Diagonale

Aufgeklappt: 7,3 Zoll
Zweit-Display: 4,6 Zoll

Kameras

12 Megapixel (F/1.5-2.4, OIS)
12 Megapixel Weitwinkel (F/2.4, OIS)
16 Megapixel Zoom (F/2.2)

Frontkamera

10 / 8 Megapixel

Speicher

512 GB

microSD-Slot

Nicht vorhanden

Funk

5G, LTE, Gigabit-WLAN (.ax), Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo

Akku

4235 mAh

Extras

Falt-Bildschirm
Stereo-Speaker
Fingerscanner (seitlich)

Software

Android 9

Preis

Ab 2200 Euro

In der Mitte ist der Bildschirm leicht gewellt
Leicht erkennbar, vor allem beim ausgeschalteten Gerät, ist im aufgeklappten Zustand eine kleine, sich von oben bis unten durchziehende Wellung in der Bildschirmmitte. Dieses Phänomen plagt derzeit noch alle Falt-Smartphones und ist dem darunter eingebauten Scharnier und dem hier eben nicht starren Trägermaterial des Bildschirms geschuldet.

Der Bildschirm ist eine Machtdemonstration
Schaltet man das Gerät ein und blickt frontal auf den Bildschirm, sieht man die Faltstelle nur mehr bei Schwarzdarstellung oder, wenn sich viel Licht am Display spiegelt - etwa draußen. Das wirkt bei einem 2000 Euro teuren Smartphone nicht unbedingt edel, hemmt die Funktionalität aber kaum.

Zumal das Display an sich einen tollen Job macht: Sattes Schwarz, viel Kontrast, hohe Schärfe, leuchtende Farben, hell genug für draußen - auch, wenn das folierte Display ziemlich spiegelt. Kurzum: Samsung hat hier eine beeindruckende Machtdemonstration in Sachen Display verbaut.

Zerbrechlich von allen Seiten - Hülle liegt bei
Außen am Gerät zeigt sich ein zerbrechliches Bild: Die Glasoberfläche mag zwar edel wirken, ist aber wenig funktionell. Egal, auf welche Seite es fällt, das Chassis bricht leicht. Zum Glück liegt gleich eine passende zweiteilige Schutzhülle in Carbon-Optik bei. Überhaupt sei der Packungsinhalt lobend hervorgehoben, es liegen sogar gänzlich kabellose Ohrstöpsel bei: Galaxy Buds. Bei einem Gerät dieser Preisklasse ist es für den Hersteller freilich leicht, so spendabel zu sein.

Tadellose Kamera wie im Galaxy S10
Das Kameramodul im Galaxy Fold entspricht etwa jenem des Galaxy S10: Zweimal zwölf, einmal 16 Megapixel mit normaler, Weitwinkel- und Zoomoptik gepaart. Die Hauptkamera erfreut dabei mit sehr hoher Lichtstärke und liefert in so gut wie jeder Situation saubere Schnappschüsse - auch abends oder drinnen. Sicher, die Kameratechnik stammt aus dem Vorjahr, - heuer verbaut Samsung 108-Megapixel-Monster - aber ist immer noch konkurrenzfähig.

Reichlich Rechenpower - gute Gaming-Maschine
Beim Prozessor hat man es beim Galaxy Fold ebenfalls noch mit 2019 zu tun: Qualcomms Snapdragon 855. Der war letztes Jahr pfeilschnell und ist es immer noch: Gepaart mit den üppigen zwölf Gigabyte RAM bringt ihn weder App noch Spiel aus dem Konzept, er stemmte im Test alle an ihn gestellten Aufgaben mühelos. Ohne allzu große Hitzeentwicklung.

Dazu zählten auch grafisch fordernde aktuelle Smartphone-Spiele. Die meisten davon waren erfreulicherweise nicht heikel in der Darstellung und nutzten das fast quadratische Display unter Anpassung der Auflösung sinnvoll aus. Nur vereinzelt kam es zu Verzerrungen - vor allem bei älteren Spielen oder auch Anwendungen, die noch für 16:9 ausgelegt sind.

Software mit Baustellen - aber schon recht gut
Überhaupt hatten wir im Test nur selten Kompatibilitätsprobleme. Sicher, damit Anwendungen vom flexiblem nahtlos aufs Frontdisplay wandern, braucht es seitens des Entwicklers Anpassungen - und die fehlen manch wichtiger App wie Firefox noch. Und auch beim Multi-Tasken mit mehreren Apps wird man sich noch ans Optimum herantasten. Aber für ein so neues Konzept ist die Software weit gediehen.

5G ist vorerst bloß ein Gimmick
Neben dem biegsamen Bildschirm noch eine Besonderheit des Galaxy Fold - beim kleinen Bruder Z Flip fehlt das noch - ist das 5G-Modem. Das soll Daten schneller übertragen als je zuvor und theoretisch Gigabit-Raten ermöglichen. Ob der in Österreich noch alles andere als dicht gesäten Basisstationen und wenig attraktiven Tarife hat man davon aber erst mal nichts.

Toll zum Lesen, Arbeiten und Surfen
Das Galaxy Fold macht aber mit LTE und WLAN auch schon viel Laune: Aufgeklappt, ist das Format toll zum Lesen und Surfen geeignet, auch bei Office-Aktivitäten ist es nützlich. Mit Bluetooth-Tastatur kann man sich hier durchaus einen Behelfsarbeitsplatz einrichten. Als Bildbetrachter ist es ebenfalls toll - durch schiere Diagonale. Beim Videokonsum verspielt es aber wieder Punkte: Das fast quadratische Format fordert bei 16:9- oder breiterem Material Tribut in Form schwarzer Balken.

Der Akku hat bei uns im Test in aller Regel einen Tag durchgehalten, nächtliches Aufladen wird im Alltag der meisten Anwender aber unabdingbar sein - gerade, wenn sie Navi- und Bluetooth-Dienste bzw. das Gerät allgemein intensiv nutzen, wozu das biegsame Display zweifellos einlädt.

Gut verarbeitet - mit einem Sorgenkind
In puncto Verarbeitung macht das Galaxy Fold in Summe einen akzeptablen Eindruck: Wertiges Material außen, Tasten mit klarem Druckpunkt, guter Sound, aber leider keine Audioklinke. Das folierte, leicht gewellte Display und das Scharnier darunter sind der große Knackpunkt und wir vermögen es nach gut einer Woche Verwendung nicht, hier Prognosen aufzustellen.

120.000 Faltungen sollten möglich sein
Samsung selbst verspricht rund 200.000 Faltvorgänge für sein Galaxy Fold. Bei den Kollegen von „CNET“ hat man das Display mit einem Roboter gefoltert und rund 120.000 Faltvorgänge herausgeschunden, bevor es den Geist aufgab. Das wären bei einer Nutzungsdauer von drei Jahren rund 110 Mal Auffalten pro Tag. Eine Untersuchung der TU Wien und der Arbeiterkammer Niederösterreich zeigte 2018, dass wir im Schnitt 84 Mal pro Tag zum Handy greifen - freilich auch, um auf die Uhr zu sehen, was beim Galaxy Fold ohne Aufklappen am Zweitdisplay erfolgt.

Zumindest in der Theorie sollten also einige Jahre Betrieb drin sein. Bis dahin muss der Bildschirm allerdings Fingernägeln, vielleicht auch mal einem Anpatzen mit fettigen Fingern und sicherlich auch hie und da einmal einem mit etwas Kraft aufgedrückten Reinigungstüchlein standhalten. Vielleicht kriegt er auch einmal - wasserdicht sind die Falt-Handys noch nicht - Regen ab. Von alltäglichen Unfällen oder Kinderhänden ganz zu schweigen.

Fazit: Ob der hohen Preise und der noch nicht erwiesenen Haltbarkeit der neuen Smartphones zum Zusammenklappen würden wir noch nicht zum Kauf raten. Betrachtet man das Galaxy Fold aber als Technologiedemonstration, dann legt Samsung hier ordentlich vor. Das flexible Display mit seiner hohen Bildqualität ist schlicht beeindruckend, die Smartphone-Technik drum herum spielt ebenfalls auf hohem Niveau. Eine gewisse Reifephase braucht die neue Smartphone-Bauform sicherlich noch, die aktuellen Geräte sind aber schon ein beeindruckender Blick in die Zukunft.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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