19.02.2020 14:03 |

Tester ernüchtert

Darum sollte man noch kein Klapp-Smartphone kaufen

Retro-Freunde hatten ihre Rückkehr jahrelang herbeigesehnt, nun sind mit dem Moto Razr und dem Samsung Galaxy Z Flip zwei Klapp-Smartphones mit flexiblem OLED-Bildschirm am Markt. Samsungs Gerät ist ab Freitag in Österreich erhältlich, das Moto Razr soll im Laufe des Frühlings folgen. Ersten Testern zufolge sollte man vorerst aber die Finger von den weit über 1000 Euro teuren Geräten lassen. Sowohl bei Motorola als auch bei Samsung gehe der Bildschirm zu schnell kaputt, wird geurteilt.

Dass die Hersteller selbst nicht so recht von der Langlebigkeit ihrer ersten Smartphones mit biegsamen Bildschirmen überzeugt sind, zeigt sich schon beim Auspacken. Bei Samsung wird dem Nutzer eingebläut, dass er das von einem speziell entwickelten flexiblen Glas geschützte Display nicht zu fest und schon gar nicht mit seinen Fingernägeln berühren soll.

Man solle naheliegender Weise auch aufpassen, beim Falt-Vorgang keine Gegenstände am Handy liegen zu haben. Und auch beim Rivalen Motorola mahnt man die User zur Behutsamkeit.

In ersten Tests der beiden Geräte entpuppte sich das Display - in den Videos oben gut zu sehen - in der Tat als Schwachstelle. Bei Samsungs Galaxy Z Flip reicht - krone.at berichtete - ein Fingernagel, um dauerhaft Kratzer in dem flexiblen Display zu hinterlassen. Das biegsame Glas halte nicht, was es verspreche und sei nicht haltbarer als die Kunststoff-Lösung bei anderen Geräten, urteilt der YouTube-Härtetester JerryRigEverything. Auf Twitter kursieren zudem Fotos von Sprüngen im Schutzglas.

Moto Razr war nach 27.000 Faltvorgängen kaputt
Beim Rivalen von Motorola sieht die Lage nicht besser aus. Erste Tester klagen nicht nur darüber, dass der Kunststoff-Bildschirm sehr schnell zerkratze und tatsächlich sehr viel weniger Klappvorgänge überstehe als vom Hersteller beworben. Beim Härtetest von „CNET“ ging der Bildschirmnach 27.000 Faltvorgängen- auf zwei Jahre Nutzung gerechnet lediglich 37 pro Tag - kaputt. Erwartet wurden 100.000. Bei einem anderen Tester löste sich zudem auch noch der flexible Bildschirm nach einer Dreiviertelstunde Zugfahrt vom Smartphone und schlug unschöne Blasen, Reaktionsprobleme des Touchscreens waren die Folge.

Neben Biegevorgängen und Fingernägeln haben die Displays in den neuen Klapp-Smartphones noch einen anderen Feind: Staub. Schon beim ersten Falt-Smartphone von Samsung, dem Galaxy Fold, ein den Verkaufsstart verzögerndes Problem, scheint auch das Galaxy Z Flip keine allzu große Freude mit feinen Partikeln zu haben. Obwohl Samsung beim Scharnier eigens Bürsten verbaut hat, die Staub beim Klappvorgang „auskehren“ sollen, sammelt sich dieser laut einem Test der Handyreparatur-Spezialisten von „iFixit“ mit der Zeit im Inneren des Gerätes.

Warten Sie lieber noch mit den Klapp-Smartphones!
Angesichts all dieser die Haltbarkeit in Frage stellenden Beobachtungen raten Tester, besser noch kein Klapp-Smartphone anzuschaffen, bis die Kinderkrankheiten der neuen Gerätekategorie verschwunden sind. Analysten sehen das ähnlich. Ben Wood vom Marktforscher CCS Insight spricht gegenüber der BBC von „einer Entdeckungsreise, während die Produktionsmengen steigen“ und lobt den Fortschritt gegenüber den ersten Geräten aus dem Vorjahr. „Samsung scheint mit dem Galaxy Z Flip enorme Fortschritte beim Scharnierdesign, dem Bildschirmschutz und der gesamten Fertigung des Geräts gemacht zu haben.“

Andere Analysten stellen derweil die Frage, ob man mit der Veröffentlichung der weit über 1000 Euro teuren Geräte nicht besser noch gewartet hätte, bis die Technologie wirklich reif für den Massenmarkt ist …

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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