Amtsmissbrauch?

Landesrat Werner Falb-Meixner (VP) angeklagt

Burgenland
13.07.2010 10:01
Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (VP) ist wegen Verstoßes gegen das Meldegesetz und Anstiftung zum Amtsmissbrauch angeklagt worden. Der Politiker soll in seiner Amtszeit als Bürgermeister von Zurndorf (Bezirk Neusiedl) die Anmeldung von zwei ungarischen Schülern in seiner Gemeinde veranlasst haben, um den Standort der damaligen Hauptschule zu sichern, wie er selbst bekannt gab. Falb-Meixner beteuert nun, dass er damit ausschließlich die vor dem Zusperren bedrohte Schule retten wollte.

88 Kinder besuchten im Jahr 2007 die Hauptschule in Zurndorf - damit wäre die damals per Gesetz geforderte Mindestanzahl von 90 Schülern unterschritten worden, was das Aus für die Schule bedeutet hätte. Um das zu verhindern, ließ der damalige Ortschef zwei Kinder aus Ungarn in einer leerstehenden Lehrerwohnung mit Zustimmung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten anmelden.

"Wen habe ich geschädigt?"
"Mir war bewusst, dass irgendwas nicht ganz korrekt ist, aber es gab keine brauchbare Alternative", so Falb-Meixner. "Mein Vorgehen diente ausschließlich zur Rettung des Standortes der Hauptschule in Zurndorf und war niemals vom Vorsatz getragen, jemanden zu schädigen", sagte der ehemalige Bürgermeister. Der VP-Politiker fragt sich nun: "Wen habe ich geschädigt?" Der bevorstehenden Verhandlung und den Konsequenzen sehe er relativ nüchtern entgegen: "Vor Gericht und auf hoher See ist man immer allein. Es ist alles möglich. Das Gericht wird entscheiden."

Vier weitere Personen angeklagt
Erwartete Rücktrittsaufforderungen von politischen Gegnern werde er mit Hinweis auf das "schwebende Verfahren" zurückweisen. Neben Falb-Meixner sind laut seiner Darstellung außerdem vier weitere Personen in diesem Fall angeklagt: Die beiden Schuldirektoren, die damals beim Bürgermeister wegen der drohenden Schließung interveniert und jene zwei Gemeindebedienstete, die die Anmeldung durchgeführt hatten. Der Verhandlungstermin wird voraussichtlich im September sein, teilte der Landesrat mit.

Der Fall war durch eine stichprobenartige Kontrolle der Fremdenpolizei ins Rollen gekommen. Die Beamten stellten beim Besuch der Lehrerwohnung, dem gemeldeten "Wohnsitz" der Kinder, fest, dass diese nicht dort gelebt haben. Heute besuchen über 100 Schüler die ehemalige Haupt- und jetzige Neue Mittelschule in Zurndorf.

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